Lothar von Sachsen (1125-1137) – „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel

Aus den Kämpfen der letzten Zeit war das deutsche Königtum unheilbar geschwächt hervorgegangen. Der Ansatz der Erblichkeit, den es unter den sächsischen und fränkischen Kaisern genommen hatte, war wieder dahin. Deutschland war jetzt ein Wahlreich, und die Wahl erfolgte unter dem unmittelbaren Einfluss der Kirche. Geschickt hintertrieb diese die Nachfolge Friedrichs von Staufen, des Herzogs von Schwaben, des Verwandten des verhassten Salier. Gewählt wurde der einstige eifrige Gegner Heinrichs V., Lothar von Sachsen.

Er war ein Mann von 60 Jahren, aber noch kraftvoll, gerecht und tapfer, erfüllt von kirchlicher Ergebenheit. Die Hohenstaufenbrüder Friedrich und Konrad eröffneten einen hartnäckigen Kampf gegen ihn. Lothar vermählte sein Erbtochter mit Heinrich dem Stolzen, Herzog von Bayern, aus dem Hause der Welfen; später verlieh er ihm auch noch das Herzogtum Sachsen.

Da dieser Heinrich im Krieg mit den Hohenstaufen eine Hauptrolle spielte, so war es schon damals ein Kampf zwischen Welfen und Waiblingen, wie man die Hohenstaufen nach ihrer Besitzung auch nannte.

Mit Rom entbrannte aufs Neue der Investiturstreit.

Wenn auch Lothars Kampf gegen das Fürstentum und gegen das Papsttum mit großem Erfolg endete, so hat er doch nach keiner Seite hin gefestigte Verhältnisse schaffen können.

Von besonderer Bedeutung wurde Lothars Politik dadurch, dass er die Ostmarken-Politik, die seit Otto II. so jäh abgerissen war, wiederaufnahm. Er wusste den rechten Mann an die rechte Stelle zu setzen: Die Mark Meißen samt der Lausitz gab er an Konrad von Wettin, die brandenburgische Nordmark erhielt Albrecht der Bär aus dem Haus der Askanier und die Grafschaften Holstein und Stormann Adolf von Schauenburg.

Alle drei Geschlechter haben dann Großartiges für die deutsche Zukunft geleistet.

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Das nächste Kapitel aus dieser Reihe führt uns in das Stauferreich. Hier begegnen wir dann Konrad III., Friedrich I. Barbarossa, Heinrich dem Löwen, Heinrich VI. und schwenken dann geradezu über zu den Kreuzzügen.


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