Gestern las ich den Satz: „Wir sind die Dümmsten in Europa, aber die Sachsen sind davon noch die Gescheitesten…“

Warum nur, ist das so?
Stimmt, in meiner Heimatstadt in Görlitz, gab es noch nicht mal Westfernsehen.

Indes gründeten wir Indianerstämme, um das Ursprüngliche, die Nähe zur Natur zu bewahren und um eine Art kulturellen Freiraum zu gestalten. So errichteten wir Tipi-Lager, manche bauten eigenes Gemüse an – irgendwo in der Pampa. Im Laufe der Jahre entstanden ein Dutzend Langhäuser, manche bis zu 10 Meter Länge. Einige Leute munkelten was von wilden Bräuchen.

Selbstverständlich standen auch diese Gruppen unter Beobachtung. Mindestens einer vom Horch-und Guckverein war unter uns.
Der Stasi waren unsere Gruppen ein „Dorn im Auge“. Doch, wir eroberten die Sächsische Schweiz, unternahmen Klettertouren, musizierten, trafen uns, feierten, führten gute Gespräche. Viele waren kritisch.
Ab 1986 entstanden Gruppen, die später in ihrer „Einheit“ als das „demokratische Forum“ Geschichte machten. Schon bald wurde klar, dass wir auch darüber verraten waren und verkauft wurden. Meine Eltern sind bereits 1983 ausgereist (mit mahnenden Worten), mein Bruder wurde bereits 1979 nach 3 Jahren und 9 Monaten Haft in Bautzen in den Westen abgeschoben. Ich blieb zurück.

Nach einem ersten misslungenen Fluchtversuch (das war im Sommer 1988) gelang es mir und meinem damaligen Mann mit unseren zwei Kindern, dann doch noch zu Beginn 1989 das Weite zu suchen. Darauf verbrachten wir einige Wochen im Auffanglager von Hannover. (in einer Kaserne, welche zuvor von Briten „besiedelt“ war) . Irgendwann schreibe ich mal mehr dazu. Schicksale wie das meine, gibt es zuhauf. Ich wollte es nur anbringen, als Überleitung quasi, warum die Sachsen, oder überhaupt die Menschen aus den östlichen und mitteldeutschen Regionen so sind, wie sie sind. Warum viele von ihnen „anders denken“ und auch „ anders handeln“.
Die Not und Entbehrungen der Mitteldeutschen und die der vielen Vertriebenen aus dem deutschen Osten, die vor allem in Sachsen ansässig wurden, tragen Früchte. Sie können noch 1+1 zusammen zählen. Zu oft ist diese Generation gebeutelt, beschi.s.sen und hintergangen worden. Auch wenn in dieser Region mit der „Einheit“ das konsum- und wohlstandsorientierte Denken Einzug gehalten hat, wird es dennoch von dem feinen Geist der „Alten“ getragen.
Viele Familien sind über diese Zeit zerbrochen, wurde gezielt kaputt gemacht, aber in ihrem Kern konnte man sie nicht zerstören.
Und noch etwas fällt mir dazu ein. Im Westen gibt es einige, die das Wesen der Menschen aus den Ost- und mitteldeutschen Gebieten zu schätzen wissen. Es sind wenige, aber es gibt sie, und meinem Gefühl nach , werden es immer mehr. Dabei denke ich gerade an die Worte einer Dame, die uns vor Kurzem auf eine Kräuterwanderung eingeladen hatte (am Niederrhein). Im Verlauf dieser Wanderung kam dann die Frage auf, wer, woher stammt. Und ich sagte, aus Görlitz, das liegt in Sachsen. Die Reaktion: „Oh wie schön. Von den Menschen aus dieser Region können wir noch viel lernen. Sie bewahren großes Wissen, vor allem auf naturkundlicher Ebene.“
Ja, und dann brachte mir, ein treuer Leser meiner Beiträge, vor einigen Tagen diese großartigen Zeilen von Kurt Eggers in Erinnerung:
„Wer den Deutschen erstarken lassen will, muß ihn in Not und Entbehrungen zwingen. Das ist das Geheimnis deutschen Wesens: die deutsche Seele ist noch nie in Kriegen, oft aber in feigen Friedenszeiten gefährdet gewesen.
In satten Zeiten ist der Deutsche arglos und fröhlich wie ein Kind. In solchen Zeiten haben es seine Feinde leicht, ihn mit Theorien und seltsamen Lehren zu bändigen.
Dann können sie es wagen, ihn auszunützen und ihn zu erniedrigenden Sklavenarbeiten zu zwingen. Die deutsche Gutgläubigkeit, die biedermännische Vertrauensseligkeit sind die schwächsten Stellen in der Festung des deutschen Wesens. Man hat den Deutschen gelehrt, der Haß sei verwerflich.
Und der Deutsche hat diese Lehre geglaubt! Erst spät hat er erkennen müssen, daß der echte Haß so edel ist wie die echte Liebe.“ —
Kurt Eggers – „Von der Heimat und ihren Frauen“
Wenn also die schwächsten Stellen endlich unseren Stärken weichen, wenn wir uns endlich unseren Ursprüngen wieder bewusst werden, dann, aber auch erst dann, wird die Nation zu ihren alten Werten zurückfinden können. Und dann sind eben nicht mehr nur die Sachsen die Gescheitesten, sondern die gesamte deutsche Nation.
Bilder /Fotos:
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