Seit nunmehr zwei Tagen „schwirrt“ dieser Post „NDR enthüllt: „Der Weihnachtsbaum ist eine Erfindung des Islam“ auf den Social-Media-Kanälen rauf und runter. Ist dieser „Aufreißer“ eine Falschmeldung, hat sich da womöglich jemand einen Spaß erlaubt, oder macht man sich einfach nur lustig, angesichts der politischen Ereignisse und der damit verbundenen Meldungen?

Andererseits wäre es doch tatsächlich denkbar, dass es dieser Sender aus dem öffentlich-rechtlich Spektrum wirklich ernst mit seiner Aussage meint, allein schon aus dem Grund, um die bereits verwirrten Menschen in ihrer Verwirrung zu halten. Also ganz so abwegig ist es eben nicht. Denn schließlich erklärt man den Zuschauern ja auch, dass der Schnee nicht mehr bitterkalt, sondern seit Menschengedenken der wärmste sei.
Mal abgesehen von der erst gestern herausgegebenen dringenden Warnung des Bundesamtes, keinen frischen Schnee zu essen, weil Schnee nun mal kein gewöhnliches Nahrungsmittel sei. Aha…
Ups. Jetzt schweife ich aber ab. Also wieder zurück zum „Weihnachtsbaum“. Zu dem gibt es ja auch die tollsten Geschichten, nur eben leider nicht die ursprüngliche.
Räumen wir dann mal mit allen Unstimmigkeiten auf: Falschmeldung hin, oder her, wer sich ernsthaft mit den Ursprüngen unserer Bräuche und Traditionen auseinandersetzt, wird schnell in der Lage sein, und das „Geheimnis“ um den Baum lüften. Dazu gehört allerdings auch ein bisschen Recherche in unseren alten Büchern.



In den modernen Bücherregalen halten längst die verfälschten Weisen zu den Bräuchen unseren Vorfahren Einzug. Das ist schade. Und dennoch, hege ich da dieses Gefühl, dass auch die bisher eher uninteressierten Menschen sich gern daran zurückerinnern möchten, wie es wirklich einmal war. Den Fotokommentaren entnehmt ihr schon mal eine Kostprobe, durch Meyers Konversation Lexikon aus dem Jahr 1896.
Und ich füge noch ein bisschen was hinzu:
Die Kelten und die Germanen waren der festen Meinung, das wenn der Winter sein Feld räumt und der Frühling kommt und kein Grün findet, er wieder dem Winter weichen muss, so entstand der Julbaum, jeder hatte etwas Grünes im Haus und konnte dafür sorgen das der Frühling auch kam. Da die Behausungen früher kleiner waren wir unsere, wurde jeder Vorrat aus Platzgründen an die Decke gehängt, so wurde auch der Julbaum oft unter der Decke angebracht.
Auf den friesischen Inseln waren und sind Bäume eher rar, also erschuf man aus angespültem Treibholz den Julbaum. Geschmückt wurde er mit Immergrün und Salzgebäck – man konnte ihn jedes Jahr aufs Neue verwenden. In der Region kennt man den Julbaum auch unter dem Namen „Kenkenbuum“ oder „Jöölboom“, um es in Sylter Friesisch zu sagen



——-
Nun ja, wer hätte es gedacht? Auch hier gilt, was unsere Feste und Bräuche betrifft: „Alles heidnisch oder was?“ Überraschend ist es nicht, und so reiht sich in der Folge auch der Julbaum ein.
Während die Christenheit auf ihren Heiland wartet und den Frieden für die Welt beschwört, erwartet der Heide nicht etwas Greifbares, sondern schafft sich seine Welt und findet den Frieden im Inneren, im Zusammensein mit Seinesgleichen und im Bewusstsein seiner Herkunft und Kultur.
Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Den Apfel für Idunn, den Hammer für Thor,
Das Goldhaar für Sif, und die Hand ist für Tyr.
Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Das Herz ist für Freya, der Zapfen für Frey,
Die Muschel für Njörd und die Perle dabei.
Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Das Auge für Odin, die Schlüssel für Frigg,
Den Hasen Ostara, so wie es sich schickt.
Der Julbaum ist groß und ist nun nicht mehr leer,
von unserem Schmuck sind sie prächtig und schwer.
Der Julbaum ist groß und die Zweige sind voll,
Die Götter vereinigt, so wie es sein soll.
(Michael Schütz)
Heil Euch! Heil den Göttern und der wiederkehrenden Sonne.