Im Anschluss an das letzte Video „gelesen aus den Tagebüchern meiner Mutter“ , https://youtu.be/OvQl2X4FY1k?si=VO6sLk3tBeqP19Db greife ich noch einmal die Zusammenhänge zu dem darin erwähnten Kommissariat NKWD auf.

Meine Mutter berichtet wie folgt: „Langsam kehrten auch die einheimischen Görlitzer zurück. In unserem Haus wohnten weiter Russen. Einer verlangte von uns auf eine weiße Armbinde, 4 schwarze Buchstaben zu nähen, die wir aber selbst zuschneiden sollten. (Viele Jahre später habe ich erst erfahren, dass diese Buchstaben NKWD bedeuteten). Vor lauter Angst habe ich versucht , die auf einem Papier abgebildeten Buchstaben, aufzuzeichnen, und aus dem Stoff auszuschneiden und auf die Armbinde zu nähen“.
Wie die Grausamkeiten an unserer deutschen Bevölkerung unter dem Siegel der Verschwiegenheit geführt werden.
Menschen, die für ihr Land Großes bewirkten und die keinerlei Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, wurden von ihren Besatzern eiskalt hingerichtet.


Auch dieser Beitrag behandelt lediglich einzelne Schicksale von Hundertausenden. Was unsere Vorfahren erleiden mussten, lässt sich kaum in Worte fassen. Schicksale, hervorgegangen aus einem Völkermord, deren Wahrheit darüber hinter dicken Mauern ruht. Bewacht von einem Kartell, einem getarnten Zusammenschluss von Verbrechern, deren Macht grenzenlos scheint.




Auszug aus einem Artikel der Sächsischen Zeitung von 10. Mai 2016 (verfasst von Ronny Kabus).
Ulrich Domke besitzt seit 1920 den Görlitzer Gasthof „Brauner Hirsch“ auf dem Untermarkt. Das prachtvolle barocke Gebäude ist für viele Görlitzer Handwerker- und Kulturvereine ein beliebter Treffpunkt. Domke engagiert sich auch als Festwirt im Rahmen der Görlitzer Festwochen. Doch dann wird er im Mai 1945 beim Gang zu einem Handwerker vom NKWD verhaftet wegen Zugehörigkeit zu einer NS-Organisation interniert.
Am 19. Juni 1947 endet er im Speziallager Mühlberg in einem Massengrab, kurz vor seinem 61. Geburtstag. Er ist eines der frühen Opfer der Verhaftungsorgie des russischen Geheimdienstes.
Die hohe Zahl von Verhaftungen in den ersten Monaten der Besatzung in der Sowjetischen Besatzungszone führt zur völligen Überbelegung des im Mai eingerichteten Speziallagers Bautzen mit entsprechend katastrophalen Haftbedingungen.
Zur Entlastung des Lagers in Bautzen werden im Sommer 1945 über 3 600 Häftlinge in mehreren Transporten in Viehwaggons in das 50 Kilometer südlich von Oppeln in Oberschlesien gelegene Internierungslager Tost verlegt. Tost ist ein vom NKWD vom Mai bis Dezember 1945 für etwa 5 000 deutsche Zivilisten eingerichtetes Internierungslager. Schwere Häftlingsmisshandlungen führen in kurzer Zeit zu über 3 000 Toten. Von 24 in den Lagerlisten erfassten Görlitzern sterben innerhalb weniger Wochen 13. Es sind fast alles ältere Männer, der Älteste ist 68 Jahre alt.
Eines von den Opfern, das nur wenige Tage im Todeslager Tost überlebt, ist der neben seinem Bruder Walter geschäftsführende Gesellschafter der Görlitzer „Richard Raupach Maschinenfabrik“ Gerhard Raupach.
Gerhard Raupach wird Anfang Juni 1945 aus der Straßenbahn heraus von der Görlitzer Operativgruppe der Spionageabwehr „Smersch“ verhaftet und ins Speziallager Bautzen verbracht. Von dort geht er am 11. Juli auf Transport ins NKWD-Todeslager Tost, wo er bereits am 26. Juli im Massengrab endet.



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Bei den ersten Verhaftungswellen des NKWD gerät auch der 75-jährige Görlitzer Justizrat Karl Stenschke wohl Anfang Juni 1945 in die Fänge der sowjetischen Geheimpolizei. Stenschke stammt aus Fabianowo im damals zu Preußen gehörenden Posen, arbeitet dort als Rechtsanwalt und Notar. Den Ersten Weltkrieg erlebt er als Offizier an der Ostfront. Für die Wehrmacht sollte er später als Dolmetscher tätig werden, was aber wohl nie zum Tragen kommt.
Das NKWD stuft grundsätzlich diese Dolmetschertätigkeit als geheimdienstliche Tätigkeit ein und verfährt entsprechend. Zusammen mit dem ebenfalls verhafteten Görlitzer Amtsarzt und einem im Görlitzer Kriegsgefangenenlager VIII A tätig gewesenen Feldwebel wird er im Viehwaggon nach Tschenstochau vor ein Militärtribunal zur Aburteilung gebracht.
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Nach Kriegsende versucht Kurt Künzel mithilfe des Restes seiner ursprünglich 400 Beschäftigte umfassenden Belegschaft, sein in Uhsmannsdorf (Rothenburg) gelegenes Tafelglashüttenwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Das wird von der SMAD zunächst auch unterstützt, so dass Künzel seine Pläne, in Bayern seinen Betrieb neu zu gründen, aufgibt und nach Uhsmannsdorf zurückkehrt. Doch dann setzen Repressalien gegen Künzel als Fabrikbesitzer und „Unterstützer des Naziregimes“ ein.
Mit Kurt Künzel zusammen ist in Bautzen und auch in Jamlitz der ebenfalls als „Agent der Abwehr“ seit Juni 1946 inhaftierte Diplomingenieur Erich Tzschaschel aus der bekannten Görlitzer Buchhändlerfamilie, der bis Februar 1950 in Buchenwald einsitzt.
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Weitere Informationen zum NKWD – denn sie wüteten schon weit vorher…
Als nach Beginn des Russlandfeldzuges die deutsche Wehrmacht schnell nach Osten vorrückte, verübte der sowjetische Geheimdienst NKWD nach vorherigen Deportationen noch grausame Massenmorde an Zehntausenden vorher inhaftierter Antikommunisten und Nationalisten vom Baltikum über Weißrussland bis nach Galizien und der Ukraine.
Ein solches Massaker des NKWD mit rund 3000 meist ukrainischen, aber auch polnischen, jüdischen und kriegsgefangenen deutschen Opfern ereignete sich Ende Juni 1941 in den Gefängnissen der Stadt Lemberg, bevor die ersten deutschen Truppen dort am Morgen des 30. Juni 1941 einrückten. Beim Abzug der sowjetischen Einheiten und des NKWD am 28. Juni hatte es einen Aufstand der einheimischen Ukrainer und ein Pogrom an den für die sowjetischen Grausamkeiten verantwortlich gemachten Juden gegeben.
Die kommunistische Propaganda behauptete während des Krieges und in der Nachkriegszeit, die deutsche Wehrmacht sei für diese Massaker verantwortlich gewesen. Im Frühjahr 1959 unterstützte die linke westdeutsche Presse eine von Ostberlin gesteuerte Kampagne, die insbesondere das in der deutschen Wehrmacht dienende ukrainische Freiwilligen-Bataillon >Nachtigall< und den seit 1940 zu dessen Offizierskorps gehörenden damaligen Oberleutnant der Reserve Prof. Dr. Theodor OBERLÄNDER für die Verbrechen verantwortlich machte.
Die Wehrmacht hatte die Massaker nicht nur nicht veranlasst, sondern ihnen sogar nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft ein Ende gesetzt. (Dazu an anderer Stelle mehr).





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Weitere Informationen und Quellangaben:
NKWD = Abkürzung für das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (Narodny Kommissariat Wnutrennich Del) der Sowjetunion; ab 1946 Innenministerium; bis 1954 allein zuständig für die staatliche Sicherheit der Sowjetunion. Die Erinnerung an das NKWD ist mit seinem Terrorapparat verbunden, dem Millionen zum Opfer fielen.
ZIESEL aaO. (Anm. 3), S. 98. Vgl. dazu auch die neuere Untersuchung von Bogdan MUSIAL, konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen. Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941, Propyläen, Berlin
Vgl. z.B. Walter POST, Die verleumdete Armee, Pour le Mérite, Selent 1999, S. 86-107; Andreas NAUMANN, Freispruch fur die Deutsche Wehrmacht, Grabert, Tübingen 2005, S. 398- 404
https://www.saechsische.de/…/wie-goerlitzer-unternehmer…