Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) – Begegnung über drei Kapitel zu einer Kaisergestalt im deutschen Volk

…, nicht nur als Sinnbild einstiger Herrlichkeit, sondern als Unterpfand einer künftigen Wiederkehr.

Aus der Reihe: „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.

Mit Friedrich Barbarossa steigt der stolzeste Name deutscher Geschichte seit Otto dem Großen herauf. Ja tiefer noch als dieser hat sich Friedrich Barbarossa dem deutschen Gemüt eingeprägt. Liebevoll umspann ihn die Sage, die ihn in den Schoß des Kyffhäuserberges versetzte.

Friedrich, Herzog von Schwaben, war bei seiner Wahl 30 Jahre alt, herrlich ausgestattet an Leib und Seele. Er war von mittlerer Größe, starkem Körperbau und majestätischem, doch freundlichem Wesen, blond mit stark krausem Haar und einem fast rötlichen Bart, nach dem ihm die Italiener den Namen „Barbarossa“ (Rotbart) gaben. Bei aller persönlichen Tapferkeit liebte er den Krieg nicht, war auch langsam im Zorn und gegen Reuige rasch versöhnt. Sein frommer Sinn, sein Sittenreinheit, seine offene und milde Art, machten ihn zur Idealgestalt des deutschen Rittertums, ja des Rittertums überhaupt. Auf dem zweiten, im ganzen so ganz unglücklichen Kreuzzug, hatte er bereits schöne Beweise seiner glänzenden Eigenschaften gegeben und schien schon deshalb der Krone würdig.

Unter dem Jubel des Volkes wurde er zu Frankfurt am Main in voller Versammlung der Fürsten einstimmig gewählt und zu Aachen gekrönt.

Am dringlichsten erschien ihm die Auseinandersetzung mit dem mächtigen Welfenhause. Der junge Könige beeilte sich, den inneren Frieden im Reich dadurch herzustellen, dass er seinem Vetter, dem Sachsenherzog Heinrich, auch sein väterliches Herzogtum zurückgab. Dass Friedrich diese Auseinandersetzung auf friedliche Weise erledigte, war staatsmännisch klug, aber in seinem Drang nach Italien verschloss er als König doch wohl die Augen zu sehr gegen die Gefahren, die eine allzu erhöhte Machtstellung des Welfen in Deutschland, dem Gefüge des Reiches bringen musste.

Denn Heinrich der Löwe war eine gewaltige Persönlichkeit. Gleich seinem Jugendfreund Friedrich war er mittelgroß und ebenmäßig gebaut, doch waren Augen und Haar fast schwarz. Er besaß Riesenkräfte und eine ungeheure Energie, gepaart mit einem grenzenlosen Ehrgeiz, wodurch er sich in zunehmenden Maße die Feindschaft und den Hass der benachbarten Fürsten zuzog.

Friedrichs nächste Sorge war es, das Recht und Ansehen des deutschen Königs in Norditalien, das als Teil des Reiches galt, wiederherzustellen. Er stand ganz und gar im Bann der Kaiseridee, sein Vorbild war Karl der Große. 20 Jahre lang, har er um den Besitz Italiens gerungen. Nicht weniger als sechs Romfahrten hat er unternommen. 1154 betrat er zum ersten Mal den italienischen Boden. In Pavla, der alten Krönungsstadt der Lombardei, setzte er sich unter dem Jubel der Bevölkerung die eiserne Lombardenkrone auf, und in Rom ließ er sich in der Peterskirche vom Papst zum Kaiser krönen.

Kurz nach der Feier, zurückgekehrt in sein Lager, wurde er hier von erbitterten Römern überfallen. In dem blutigen Gefecht, das sich daraus entspann, zeichnete sich besonders der junge Heinrich der Löwe durch sein stürmischen Draufgehen aus. Im Gedränge des Kampfgetümmels rettet er dem Kaiser das Leben.

Nach Deutschland zurückgekehrt, stellte Barbarossa den durch zahlreiche Fehden gestörten Landfrieden wieder her, wobei er ein Menge von Raubschlössern zerstörte. Besonders wichtig war es, dass er auf dem Reichstag zu Regensburg (1156) den Streit schlichtete zwischen Heinrich dem Löwen und dem Babenberger Heinrich Jasomirgott – um den Besitz von Bayern, das dessen Vorgängern von Konrad III. empfangen hatte. Jasomirgott verzichtete auf dieses Land. Dafür wurde sein Markgrafschaft Österreich wesentlich vergrößert und zum Herzogtum erhoben – der Beginn einer bedeutsamen Entwicklung.

Eine weitere wichtige Entscheidung vollzog der Kaiser auf diesem Reichstag: er ernannte den Erzbischof von Köln, Reinald von Dassel, zum Kanzler. Reich begabt und von ungestümen Tatendrang beseelt, stellte dieser seine ganze Kraft in den Dienst der kaiserlichen Sache. Auch im offenen Kampf hat sich dieser Kirchenfürst – als schwergewaltiger Recke und als Feldherr – trefflich bewährt. Bis zu seinem frühen Tod (1167) hat er die Politik Barbarossas entscheidend beeinflusst, wenn auch nicht immer glücklich. Alles in allem ist er eine der hervorragendsten Gestalten der deutschen Geschichte.

Im Jahr 1156 vermählte sich Friedrich, nach Scheidung seiner ersten, kinderlosen Ehe, mit der Erbin der Grafschaft Hochburgund, Beatrix, die nun die Stammmutter aller späteren Staufer wurde. Unter großem Festesglanz huldigten ihm in Besacon die burgundischen Großen als ihrem König. So erwarb er Burgund, wo die Reichsrechte ein volles Jahrhundert geruht hatten, gewissermaßen zum zweiten Mal für das Reich. Lockend öffnete sich ihm von dort ein neuer Weg über die Alpen nach Italien.

So hatte das deutsch-römische Reich wieder einen Höhepunkt seines Glanzes und Ansehens nach außen erreicht. Auf dem Reichstag zu Würzburg (1157) erschienen Gesandte aus Burgund, Frankreich, Dänemark, England, Spanien und Konstantinopel.

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Im nächsten Kapitel zu Barbarossa lesen wir über dessen schwere Kämpfe mit dem Papsttum, über eine glänzende Heerfahrt nach Italien bis hin zum Bann über den deutschen Kaiser, ausgesprochen durch den damaligen Kardinal Roland und späteren Alexander III., der den päpstlichen Thron bestieg. Sowie über Heinrich den Löwen und seine Kriegszüge.


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