Stehengeblieben sind wir an der Stelle, https://undinepeter.blog/…/friedrich-barbarossa-i-teil…/ als der Kaiser sich nun völlig mit dem alten Gegner aussöhnte. Politisch betrachtet ist dieser Friede von Venedig keineswegs eine Niederlage des Kaisers. Als ebenbürtige Macht stand das Kaisertum neben dem Papsttum, und Friedrich Barbarossa war unbestritten der erste Herrscher Europas.

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Nun kehrte Friedrich nach Deutschland zurück. Jetzt brach das Strafgericht über Heinrich den Löwen herein, gegen den immer wieder Klagen wegen schwerer Gewalttaten eingelaufen waren. Wieder holt wurde er vom Kaiser vorgeladen. Als er in trotziger Auflehnung fernblieb, wurde er 1180 auf dem Reichstag zu Würzburg seiner Reichslehen für verlustig und in die Acht erklärt. Erst 1181 erschien er auf einem Fürstentag zu Erfurt, und warf sich dem Kaiser zu Füßen. Er wurde begnadigt, aber der Richterspruch nicht aufgehoben, sondern nur gemildert: Heinrich der Löwe behielt seine welfischen Hausgüter Braunschweig und Lüneburg. Die Macht des Welfenhauses war gebrochen, für immer. Aber durch seine großartiger Ostpolitik bleibt Heinrich der Löwe von hoher nationaler Bedeutung.
Das Herzogtum Sachsen wurde aufgeteilt zugunsten der benachbarten Bischöfe. Bayern – ohne die Steiermark – erhielt der treue Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der einst den Kaiser auf der Rückkehr von der ersten Romfahrt durch seine Tapferkeit aus einer gefährlichen Lage in der Veroneser Klause gerettet hatte und gegen den Kardinal Roland so energisch vorgegangen war. Otto wurde der Stammvater des bayerischen Fürstenhauses.
1183 in Konstanz schloss Friedrich endlich auch Frieden mit den lombardischen Städten. Sei huldigten dem Kaiser als Lehensherrn., blieben aber innerhalb ihrer Mauern selbständig. Den wiederhergestellten Frieden feierte Friedrich durch das Reichsfest zu Mainz an Pfingsten 1184. Es war das größte Fest des ganzen M Mittelalters.
Von ihm schwärmten die Zeitgenossen, und die späteren Geschlechter umwoben es mit sagenhaftem Glanz. Tagelang fanden Volksfeste und Turniere statt. Der Kaiser erteilte seinen Söhnen Heinrich und Friedrich, die sich in den Kampfspielen besonders ausgezeichnet hatten, den Ritterschlag. Und inmitten aller dieser rauschenden Feste thronte der alte Kaiser, umgeben von fünf blühenden Söhnen. Aller Lust und aller Glanz des Lebens schienen von ihm auszugehen, der durch Hoheit, Milde und Leutselige seine Gäste bezauberte.
In gleichen Jahr noch unternahm er sein sechste und letzte Romfahrt. Sie gestaltete sich zu einem einzigartigen Triumphzug. Der Glanz des Hohenstaufenhauses wurde durch eine neue Königskrone noch erhöht. Friedrich vermählte seinen 21jährigen Sohn Heinrich, der bereits 1169 zum deutschen König gewählt und gekrönt worden war, mit Konstanze, der einzigen Verwandten und Erbin des kinderlosen Normannenkönigs (1186). Durch diese Vermählung erhielten die Hohenstaufen die Anwartschaft auf Neapel und Sizilien.
Die Verbindung mit Sizilien war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. In den Augen der Zeitgenossen war sie der glänzendste Erfolg der Machtpolitik Barbarossas, für die spätere deutsche Geschichte jedoch überaus verhängnisvoll. Den Rest seiner Regierung widmete Friedrich wiederum ausschließlich seinen Aufgaben als kaiserlicher Oberherr des Abendlandes. Allseitig auf höchste verehrt, wurde er neben Dietrich von Bern und Karl den Großen gestellt. Er hätte wohl seine letzten Jahr ein Ruhen und Frieden verbringen können.
Da kam die Kunde, dass Jerusalem in die Hand der Ungläubigen gefallen sei. Der fromme Kaiser beschloss, sein ruhmreiches Leben durch das Gott wohlgefällige Unternehmen eines Kreuzzuges zu krönen. Nach großen Erfolgen fand er in Kleinasien, im Fluss Saleph, im Sommer 1190 einen plötzlichen Tod, als er sich der Hitze und dem Staub des Tages durch ein Bad in dem kalten Gebirgswasser erfrischen wollte.

Barbarossas Tod (1190)
Als die Kunde seines Todes nach Deutschland gelangte, erhoben sich grenzenlose Trauer und Klage. In der Kölner Königschronik heißt es: „Bei dieser Stelle und bei diesem traurigen Bericht versagt unser Griffel und verstummt unsere Rede.“
Die Erinnerung an ihn , ist im deutschen Volke nie erloschen. Auf ihn, auf diese echt deutsche Heldengestalt., hat es später im richtigen Gefühl die Kyffhäusersage von dem heimlichen, einst wiederkommenden deutschen Kaiser übertragen, die sich ursprünglich an seinen Enkel Friedrich II, den Sizilianer, geknüpft hatte.
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Damit endet das Kapitel zu „Begegnung zu einer Kaisergestalt im deutschen Volk“ aus der Reihen „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.




Weiter geht es mit seinem Sohn Heinrich VI., der sich zwar von seinem Vater sehr unterschied, aber dessen Weltmachpolitik unverändert aufnahm.