Brigid auf Streifzug – von der Wiederkehr des Lichts

Bedeutungsvoller als die Feuerzeremonien zum Jahresende und die Tage des stillen Januar, ist der Tag der Lichtmesse oder besser der Sonnenfeier ab dem 31. Januar, 1. oder 2. Februar. Die Tage werden länger, noch sind sie kalt, die Nächte klar und oft liegt knirschender Schnee, der besonders schön in der Sonne glitzert.

Alle Schöpfung ist das Werk der Natur. Schon bald feiern wir unser erstes Jahreskreisfest – es ist das Fest des Reinigens und des Neubeginns. Die Zeit also, sich wieder mit der Natur zu verbinden und ihre Kräfte mit allen Sinnen aufzunehmen.

Der Februar markiert eine Zeit des Übergangs und des Umschwungs im Jahr. Mit aller Kraft bäumt sich der Winter noch einmal auf, ehe die Temperaturen wieder ansteigen. In dieser Zeit kann es zu heftigen Stürmen oder gar Wintergewittern kommen, wenn kalte und warme Luftmassen aufeinandertreffen.

Dann befreien sich Bäume von morschen Ästen, Zweigen und letzten welken Blättern, bevor der Frühling wieder Einzug hält. Und so spüren wir bereits Anfang Februar die zögerliche Veränderung in der Natur. Die Sonne gewinnt allmählich an Kraft, die Tage werden länger.

Und? Habt ihr alle schön aufgeräumt? Denn es ist die Zeit für den Frühjahrsputz.

Erst wenn alles aufgeräumt war und glänzte, wurde die Lichtgöttin Brigid angerufen, um Haus und Hof in den folgenden zwölf Monaten zu beschützen.

Mit diesem Tage beginnen die Feiern, welche die Germanen seit der Bronzezeit abhalten, um das ihrige beizutragen, der langsam zunehmenden Kraft des Lichtes zum Siege zu verhelfen. Dabei ist nicht an die Verehrung eines Sonnengottes zu denken, sondern der Sonne schlechthin, von der alles Leben und Gedeihen aus der Erde abhängig ist.

Seitens des Christentums wurde auch hier der Versuch unternommen, diese altheidnische ersten Sonnenfeier aus dem Gedächtnis der Menschen zu löschen, indem der Klerus selbst eine Lichtfeier an ihre Stelle setzte. In den Tempeln wurden die Kerzen vom Priester geweiht, und die Gemeinde zog Marienlieder singend um das Gebäude.

Doch wir bewahren uns das Ursprüngliche.

Aus dem Reich der Sagen und Fabeln – von einem Bären, zwei Mädchen und einer Mutter

Wir feiern das Ende des Winters und die Rückkehr des Frühlings. Die Tage werden nun wieder länger, die Samen sind gesät und möchten vom Licht und der Wärme geweckt werden. Das Fest ist der Göttin Brigid gewidmet, weil sie es ist, die mit ihrem Licht und den ersten wärmenden Sonnenstrahlen den Winter austrieb und dem Frühling Tür und Tor öffnete. Und mit ihr steigen die Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde, allen voran der Bär. Der Dickpelz, noch recht steif und schlaftrunken, steckt an diesem Tag, angeblich zum ersten Mal, seine Nase aus der Höhle, um zu sehen, wie weit der Frühling schon gediehen ist. Der Bär ist kein anderer als der wiedergeborene, noch verhüllte jugendliche Sonnengott. Noch ist er wild, „Berserkerhaft“.

Die beiden Mädchen Schneeweißchen und Rosenrot verkörpern, wie ihr Name schon sagt, die junge Göttin Brigid. Indes leuchtet unter dem Pelz des Bären nicht nur verborgen das Gold, sondern darunter steckt ein junger Prinz – der Sonnenkönig. Ja, und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährt hatte, ist niemand anderes als die die alte Erdmutter, die Frau Holle oder Frau Percht.

Seht nur, wie über unsere wunderschönen Märchen das alte Kulturgut weitergetragen wird.

Brigid galt als Göttin des Feuers, des Herdes, der Heilung und der Geburt. Sie bringt das Eis zum Schmelzen und erwärmt die gefrorene Erde. Ihr Schutz galt vor allem den Frauen und Kindern. Sie wurde während der Geburt angerufen, um über das Neugeborene zu wachen. Sie sorgte außerdem dafür, dass das Feuer im Ofen nicht erlosch.

Die schöne Lichtgöttin löst die dunkle, schwarze Göttin ab, die als Percht den Winter beherrschte. Die Germanen und nordischen Völker feierten die Ablösung, das heute noch bekannteste Fest ist das keltische Imbolc.

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Und es war nie anders: Wenn wir Heiden feiern, dann steht die Natur im Mittelpunkt.

Heidnische Feste gründen stets auf Naturereignissen. Es werden Erntefeste gefeiert, das Ende des Sommers, die Winter- und Sommersonnenwende, die Tagundnachtgleichen, der Beginn des Frühlings, usw. Natürliche Dinge, die Kinder hautnah miterleben können. Bei allen Jahreskreisfesten steht die Natur im Mittelpunkt.

Eine schöne Tradition ist es, in der Nacht zu Imbolc weiße Seidenbänder mit Glöckchen ins Freie zu hängen, damit Brigid diese auf ihrer Wanderung weihen kann. Dabei gehen Brigids Heilkräfte auf die Bänder über – heilende Energie, die wir für uns und unsere Lieben nutzen können. Auch eignen sich die Bänder zur Verwendung in allen Ritualen, die mit Heilung, Erholung oder Stärkung des allgemeinen Befindens zu tun haben.

Eine weitere Idee zum Jahreskreisfest, die sich auch im eigenen Heim umsetzen lässt, ist die Räucherung mit verschiedenen Stoffen wie zum Beispiel Weißer Salbei, Fichtennadeln, Olibanum, Eukalyptusblätter und -rinde, Lorbeerblätter, Eisenkraut, Alantwurzeln und -blüten, Thymian.

Wer hat‘s gewusst? Viele Flüsse und Städte wurden zu Ehren der Göttin Brigid benannt, auch die Stadt Bregenz am Bodensee teilt ihren Wortstamm mit der Lichtgöttin. So auch Brigantia, Braganca in Italien, Brig in Wallis, die Ebene Brega in Irland. Alte Bräuche und Sagen sind uns oft näher, als es scheint. (siehe volkskundliche Bibliografie 1920/21).

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Unsere Feste auf einen Blick – heidnische Feste im Jahreskreis

• Imbolic: Das heidnische Reinigungsfest (1. oder 2. Februar)

• Ostara: Tag-und-Nacht-Gleiche & Heidnisches Osterfest (21. März)

• Beltane: Der heidnisches Sommeranfang (1. Mai)

• Litha: Das heidnische Fest zur Sommersonnenwende (21. Juni)

• Lammas: Der heidnische Herbstbeginn (1. August)

• Mabon: Tag-und-Nacht-Gleiche & Herbstmondfest ( 21. oder 22. September)

• Samhain: Das heidnische Halloween (31. Oktober)

• Yule: Das heidnische Weihnachten zur Wintersonnenwende (21. oder 22. Dezember)


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