Weil unsere deutsche Muttersprache gestern ein Thema war, noch ein Rückblick: Es waren einmal zwei Brüder…
Die Auswirkungen der Französischen Revolution sind auch in Deutschland noch lange zu spüren. In dieser Zeit erforschen Jacob und Wilhelm Grimm die Ursprünge der deutschen Sprache und Literatur, denn sie wollen ihren Landsleuten ihre kulturellen Wurzeln aufzeigen. Neben alten Sagen, Balladen und Liedern sammeln sie vor allem Märchen.

Daneben arbeiten Jacob und Wilhelm über 20 Jahre lang am Deutschen Wörterbuch. Es gilt als Meilenstein der deutschen Sprachwissenschaft und zeigt: Mit ihren Forschungen legen die Brüder Grimm den Grundstein für die moderne Germanistik.
Wir sollten uns immer daran erinnern:
Alles liegt in unseren Wurzeln. Wenn wir wieder zu diesen und unseren ursprünglichen Wesenszügen zurückkehren, kann auch die deutsche Sprache wieder an Gefühl ihrer angeborenen Kraft gewinnen. Der Versuch gewisser Mächte, des Abnabelns der Völker von ihrer Muttersprache, ist kein „neues“ Unterfangen. Völker von ihren Wurzeln zu trennen ist eine jahrhundertealte Taktik, um sich ein Volk /ein Land gefügig zu machen. Über den Weg der Zwangs-Christianisierung und mit der Einführung der Kirchensprache (Latein) wurde der Anfang gemacht.
Doch auch unter dem Dogma der Kirche, haben die Menschen ihren ursprünglichen Glauben nie verloren. Ein Volk lässt sich nur dann beherrschen, wenn es sich selbst fremd geworden ist, und alle Erinnerungen an Herkunft und Sprache ausgelöscht wurden.
Die Zerstörung des traditionellen Lebensstils war stets oberstes Gebot der dunklen Mächte; und ist es immer noch.
——————
Lesen wir doch, was Wilhelm Grimm im Jahr 1847 zur deutschen Sprache schrieb:
„In Luther gewann die deutsche Sprache, nachdem sie von der früheren kaum wieder erreichbaren Höhe herabgestiegen war, wieder das Gefühl ihrer angeborenen Kraft. Aus Luthers Jahrhundert war, was sich nur erreichen ließ, zu benutzen. Hernach hat der Dreißigjährige Krieg Deutschland und sein geistiges Leben verödet; gleichmäßig welkte die Sprache, und die Blätter fielen einzeln von den Ästen; was sich in dieser Zeit irgend auszeichnete, musste berücksichtigt werden.
Im Anfang des 18. Jahrhunderts hing trübe Gewölk über dem alten Baum, dessen Lebenskraft zu schwinden schien. Mit Anmaßung zunächst unter Gottsched, erhobt sich die Grammatik und gedachte der Sprache aufzuhelfen. Aber eine Grammatik, die sich nicht auf geschichtliche Erforschung gründete, sondern die Gesetze eines oberflächlichen Verstandes der Sprache aufnötigen wollte, würde selbst bei minderer Beschränktheit unfähig gewesen sein, den rechten Weg zu finden.
Ein solches Gebäude schwankt hin und her, die Sprache gewinnt durch ein willkürliches Gesetz eine gewisse Gleichförmigkeit und scheinbare Sicherheit, aber die innere Quelle beginnt zu versiegen, und das trockene Gerüste fällt schnell zusammen.
Für diese Zeit war nur eine Auswahl zulässig: dass wir das Richtige getroffen haben, dürfen wir hoffen, aber das Urteil steht anderen zu. Unserem Vaterland ist mehrmals ein Retter erschienen, der seine Geschicke wieder aufwärts lenkte: so erschien Goethe auch der Sprache als ein neues Gestirn – Goethe, der in die Tiefen der menschlichen Seele hinab, zu ihren Höhen hinauf geblickt hat, und über den eigenen Lorbeerkranz, der in seiner Hand ruht, hinweg schaut.
Der Stab, mit dem er an den Felsen schlug, ließ einen frische Quelle über die dürren Triften strömen; sie begannen wieder zu grünen, und die Frühlingsblumen der Dichtung zeigten sich aufs Neue. Es ist nicht zu erschöpfen, was er für die Erhebung und Läuterung der Sprache getan hat, nicht mühsam suchend, sondern dem unmittelbaren Drange folgend, der Geist des deutschen Volkes, der sich am klarsten in der Sprache bewährt, hatte bei ihm seine volle Freiheit wieder gefunden
Was sonst hervorragende Männer, wie Wieland, Herder, Schiller, in dieser Beziehung gewirkt haben, erscheint ihm gegenüber von geringem Belang; Lessing stand, was die Behandlung der Sprache betrifft, ihm am nächsten, aber niemand hat ihn bis jetzt erreicht, geschweige übertroffen.“ (Wilhelm Grimm 1847)
——–
Und sein Bruder Jacob Grimm beschäftigte sich zur selben Zeit, also 1847, mit der Frage: Wie ein Volk, das durch sein Auftreten den lebendigen Hauch der fast erstorbenen Freiheit in Europa anfachte, ein Volk dessen rohe Kraft noch frisch und ungekünstelt war, allmählich den unnatürlichsten und verschrobensten Formen der Rede verfallen konnte…
—————————–
Das Bild (eine alte Ansichtskarte) zeigt das Phänomen des Brockengespenstes, also eine Figur, die sich nicht oder kaum verändert, doch der Nebel Schatten projiziert innerhalb der Nebelbank.