Nach den Aufregungen des gestrigen Tages (fortwährende staatliche Maßnahmen zum Auslöschen unserer deutschen Geschichte) finden wir nun wieder zurück in längst vergangene Zeiten und lesen weiter in der Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.

Im Anschluss an den vorangegangen Beitrag zu den Kreuzzügen, unternehmen wir einen „Ausflug“ in das sich entwickelnde Klosterleben bis in das 13. Jahrhundert hinein. Noch ein kurzer Hinweis dazu: In Bezug und mit Rückblick auf die Kreuzritterzüge: Über Jahrhunderte hinweg, schlummerte ein Teil des Templerwissens hinter den dicken Klostermauern.
Das Mönchs- und Klosterwesen war im 4. Jahrhundert in Ägypten entstanden. Von dort verbreitete es sich, besonders seit dem 6. Jahrhundert, in Europa. Doch wurde es hier ganz neu gestaltet, zu einer höchst eigenartigen Erscheinung des Mittelalters. Während sich die Mönche im Morgenland einem beschaulichen, untätigen Leben hingaben, entfaltete die Kirche des Abendlandes einen ungemein segensreiche Tätigkeit und wurde dadurch zur Wohltäterin des gesamten Erdteils.
Ein Kloster war eine kleine Stadt für sich, denn es sollte alles bieten, was Leib und Seele an Nahrung verlangten. Der natürliche Mittelpunkt war die Kirche. Hoch ragte ihr Turm empor und wies dem müden Wanderer schon von Weitem den Weg. Um das Gotteshaus gruppierten sich alle Gebäude, die nur dem Klosterleben dienten und dem Laien unzugänglich waren – darunter die innere Klosterschule, in der die künftigen Mönche herangebildet wurden.
Diese Gebäude bildeten zusammen die sogenannte Klausur (=der abgeschlossene Raum). Außerhalb der Klausur befand sich die Wohnung des Abtes, meist ein stattlicher, palastähnlicher Bau, denn der Abt gehörte ja zu den Großen des Landes, der – gleich den Herzögen und Grafen – nur einen weltlichen Herrn über sich anerkannte, den Kaiser.
Ein große Reihe von Gebäuden aller Art schloss sich an: (die Außenschule) für Laien, Herbergen für reisende Klosterbrüder, Krankenhäuser, Arzthaus und Apotheke, Werkstätten – beim Benediktiner-, Zisterzienser- und anderen Orden auch zahlreiche Gebäude für die Landwirtschaft: denn die Mönche dieser Orden waren zum Landbau verpflichtet. Durch ihren Fleiß sind Wälder gerodet, unzählige Sümpfe getrocknet und in fruchtbares Acker- und Wiesenland umgewandelt worden.
Aus den Klöstern gingen auch die Glaubensboten hervor, die unter steten Gefahren und Beschwernissen den Heiden, vor allem des Ostens, das Christentum brachten und durch Fleiß und Ordnung den Umwohnern ein anregendes Beispiel gaben.
Durch die Klöster wurde aber nicht nur die äußere , sondern auch die geistige Kultur unseres Volkes gefördert. Sie waren im Mittelalter die eigentlichen Träger aller Kultur, fast die einzigen Pflegestätten der Wissenschaft und der Künste.
Gelehrte Mönche waren der Stolz und der Ruhm eines Klosters; in der Außenschule erhielten die Söhne und Töchter des Adels eine Bildung, die sie nicht nur über ihre Volksgenossen hinaushob, sondern auch zur politischen Führung befähigte. Ein Mangel freilich war es, dass diese Bildung völlig lateinisch, also undeutsch war.


So ging von den Klöstern jahrhundertelang reicher Segen aus. Erst im späteren Mittelalter geriet das Klosterleben in Verfall.
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Infotafel:
Zäsuren der Entwicklung erfuhren die Klöster sowohl durch die Reformation im 16. Jahrhundert und den 30-jährigen Krieg (1618-1648) sowie durch den schwindenden Bezug der Bevölkerung zur Kirche und Religion.
Was um diese Zeit (13. Jahrhundert) mit geheimen Wissenschaften, unbekannten Giften, euphorischen Flagellanten, weisen Franziskanern, grausamen Inquisitoren
und eifersüchtig gehüteten Schätzen geschah, ist gar nicht so weit entfernt, von dem, was uns täglich in der Gegenwart ereilt. Und wenn man es auch lieber nicht glauben mag – es gibt tatsächlich Zusammenhänge.