Unserem letzten Beitrag https://undinepeter.blog/…/aus-dem-mittelalterlichen…/ folgend, war das Rittertum eine ebenso eigenartige Erscheinung des Mittelalters wie das Mönchstum und Klosterwesen.
Die Bildung des Ritterstandes ist auf das engste verbunden mit der Entwicklung des Heer- und Lehenswesens. Bis zu den Tagen Heinrichs I. war das deutsche Heer in seiner Mehrheit Fußvolk. Die Ungarnkriege aber zeigten Heinrich die Notwendigkeit, den Reiterheeren des Feindes ein eigenes entgegenzustellen. In der Ungarnschlacht 933 kämpften Krieger zu Ross und zu Fuß nebeneinander. 200 Jahre später war das Fußvolk verschwunden. Die Staufer führten nach Italien und in das Heilige Land nur Reiterheere.

Die Grundlage des Ritterstandes bildeten die größeren freien Grundbesitzer, denn nur sie vermochten die hohen Kosten einer Rüstung für Mann und Ross zu tragen. Zu ihnen traten bald zwei andere Klassen: die größeren Vasallen der Herzöge, Grafen, Bischöfe und Äbte sowie die Beamten (Ministerialen) der großen Grundherren.
Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bildeten diese drei Klassen eine geschlossene Gesellschaft mit fest ausgeprägtem Standesbewusstsein: die Ritterschaft.
Als sich auch Könige und Herzöge zu ihr gesellten, stieg sie zur ersten Gesellschaftsklasse des Mittelalters auf.
Seine hohe Weihe empfing das Rittertum durch die christliche Religion. Seine höchste Ausbildung erhielt es daher in den Zeiten der Kreuzzüge.
Die Wohnung des Ritters war die Ritterburg. Sie sollte ihre Bewohner bergen und gegen feindliche Angriffe schützen. Sie war also Wohnung und Festung zugleich, und je mächtige rund reicher ihr Herr, desto stattlicher und umfangreicher war ihr Bau. So ergab sich der Unterschied zwischen den vornehmen Hofburgen und den einfachen Ritterburgen. Die Burg musste möglichst unzugänglich sein, entweder auf steilem Berg liegen (Höhenburg) oder auf wasserumspülter Insel (Wasserburg). Hier führten die Menschen, oft auf engem Raum zusammengepfercht, ein wenig behagliches Dasein.


Besonders schwer war der Winter, sehnsüchtig wurde der Frühling herbeigewünscht und vor allem der Wonnemonat Mai begrüßt. Der Ritter sollte sich durch seine „tugent“ von anderen Menschen auszeichnen. Die Kennzeichen dieser ritterlichen Tugenden waren: milte, zucht, måze und vuoge.
• milte = weise, Verwendung des Reichtums, mildtätiges Erbarmen mit allen Notleidenden, Freigebigkeit und Gastlichkeit;
• zucht = das äußere anständige Benehmen und vor allem die innere Zucht,
• måze = das rechte Maßhalten in allen Dingen;
• vuoge = Fertigkeit im Gebrauch der Waffen.
Zu solch vierfacher Tugend sollten die Knaben und Jünglinge erzogen werden. Bis zum siebenten Lebensjahr lebte der adlige Knabe unter der Pflege der Frauen, dann trat er als Edelknabe (Page) in den Dienst eines befreundeten Ritters, der ihn in alle Zweige des Rittertums einführte. Mit etwa 15 Jahren empfing er das Schwert, er wurde Knappe oder – wenn er von fürstlicher Geburt war – Junker. Nun galt es, alles, was er erlernt hatte, als Gefolgsmann eines Ritters zu bestätigen.
Nach etwa sieben weiteren Jahren wurde er durch den Ritterschlag (die Schwertleite) in den Ritterstand aufgenommen. Unter den Worten „Im Namen Gottes des heiligen Michael und des heiligen Georg schlage ich dich zum Ritter“, erhielt er einen oder mehrere leichte Schläge mit de flachen Schwert auf die Schulter. Dieser Ritterschlag vollzog sich unter großer Feierlichkeit und wurde meist zu einem besonderen Fest gestaltet.
Die vornehmste Bestätigung des mittelalterlichen Adels war der Waffendienst. Im Kriegsfall wurden die königlichen Lehensleute zur Heeresfolge aufgeboten. Diese riefen dann ihrerseits ihre abhängigen Mannen auf. Jener Waffendienst äußerte sich aber nicht nur im offenen Kampf, sondern auch im rittermäßigen Kampfspiel, im Turnier.
Es gibt zwei Arten: die
• Tjost (Zweikampf) und den
• Buhurt (Massenkampf, der ein getreues Abbild einer Reiterschlacht bot)
Dabei ging es niemals ohne Verletzungen ab, nicht selten kamen sogar Todesfälle vor – so 1241 in Neuß nicht weniger als 60. Die Turniere waren die prachtvollsten und kostspieligsten des Mittelalters.

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Genug der Kämpfe!
Morgen lesen wir dann von der ritterlichen Dichtung. Denn durch das Rittertum entstand eine ganz neue Dichtungsart. Mit immer wachsender Lust und Kunst besangen diese Dichter vor allem das Rittertum und die Mine (Minnegesang). Der weitaus bedeutendste Minnesänger war Walther von der Vogelweide.
Dazu dann morgen mehr.