Noch eine kurze persönliche Anmerkung: Die Bilder stammen noch aus einem alten Schulbuch vom Ministerium der Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik (1961). Ich selbst wurde anhand dieses Lesebuches nicht mehr unterrichtet, wohl aber meine älteren Geschwister.

Aber allein auf die Intervention meiner Eltern hin, sind mir selbstverständlich die Heldensagen bekannt. Und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
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Doch nun weiter im Text:
Durch das Rittertum entstand eine ganz neue Dichtungsart, die ritterliche Dichtung. Mit immer wachsender Lust und Kunst besangen diese Dichter vor allem das Rittertum und die Mine (Minnegesang). Sie erfreuten sich der Gunst der Kaiser und Fürsten. Unter allen Fürsten ragten zwei als besondere Beschützer und Gönner dieser Minnesänger hervor: Herzog Leopold von Österreich in Wien und Landgraf Hermann von Thüringen auf der Wartburg.
Der weitaus bedeutendste Minnesänger war Walther von der Vogelweide. Wo seine Wiege gestanden hat, wissen wir nicht, wahrscheinlich aber in der Nähe von Bozen.


In einem langen Wanderleben durchzog er Deutschland und die Nachbarlande. Viele Jahre weilte er am Wiener Hof, mehrere Jahre auch bei dem Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg. Gegen Ende seines Lebens erhielt er von Kaiser Friedrich II. in der Nähe von Würzburg ein kleines Lehen, dass er sich auch immer sehnlichst gewünscht hat. Nun freute er sich darüber wie ein Kind, in einem tiefempfundenen Gedicht strömte er seinen Dank an das Schicksal und an den Kaiser aus. Er starb um 1230.
Die großen epischen Dichter waren
Hartmann von Aue („Der arme Heinrich“)
Wolfram von Eschenbach („Parzifal“)
Gottfried von Straßburg („Tristan und Isolde“), die zwischen 1170 und 1220 wirkten.
Die fahrenden Sänger waren auch die Träger des Heldengesanges. Sie pflanzten die uralten Lieder von Siegfried und Kriemhild, Brunhild und Gudrun, Hagen und Dietrich von Bern fort. So entstanden um 1220 in Österreich das Nibelungenlied und das Gudrunlied, deren Verfasser wir leider nicht kennen.





Mit dem Beginn des 13. Jahrhundert trat rasch und unaufhaltsam ein Verfall des Ritterstandes ein. Die Tugenden, welche einst den Ritter zierten, wurden immer mehr missachtet, und so entstand, besonders in der Zeit des Interregnums, das Raubrittertum.
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Morgen lesen wir dann über den deutschen Thronstreit und Papst Innozenz (1198-1216).
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Walter von Der Vogelweide: In den Wirren des Wahlkampfes trat er mit glühendem patriotischen Gefühl beseelten Sprüchen gegen die welfisch-päpstliche Partei ein:
Ich hörte einen Fluß rauschen und sah die Fische schwimmen;
ich sah alles, was auf Erden war, Feld, Wald, Laub, Rohr und Gras.
Alles was kriecht und fliegt und zu Fuß dahergeht, das sah ich und verkünde euch: keins von denen lebt unangefeindet.
Die wilden Tiere und die Kriechtiere führen harte Kämpfe, gleicherweise kämpfen die Vögel untereinander. Nur darin sind sie eines Sinnes: sie würden sich nichtig vorkommen, wenn sie nicht eine kräftige Rechtsordnung bildeten.
Sie wählen Könige und Stände, sie bestellen Herren und Knechte. Dagegen wehe dir, deutsches Volk, wie steht es mit deinen Einrichtungen!
Wenn jetzt die Mücke ihren König hat und deine Herrlichkeit in solcher Weise zugrunde geht.
Wende, wende dich um! Die Kronen sind zu mächtig, die Vasallenkönige rücken dir auf den Leib. Dem Philippus setz den Waisen auf und gebiete ihnen zurückzutreten.