Mit dem Tod Innozenz‘ III. begann die Epoche Friedrichs II. Die Ereignisse hatten ihm wohl den Umfang der väterlichen Herrschaft zurückgegeben, aber nicht entfernt die alte Macht. Die furchtbaren Einbußen der letzten Jahrzehnte waren nicht mehr rückgängig zu machen. Friedrich II. stand vor einer unlösbaren Aufgabe. Sein Genie mochte sich wohl ein Menschenalter lang behaupten, aber dauernde Ergebnisse konnte er nicht erzielen.

Werfen wir einen ersten Blick auf die Anfänge zum Aufstieg Friedrich II. (1216-230):
Nur aus dem Boden heraus, auf dem er erwuchs, ist das Wesen Friedrichs zu verstehen. Seine ganze Kindheit hatte er in Palermo zugebracht, wo die italienische, griechische , arabische, normannische und jüdische Völkermischung in Sitte und Recht, Geschichte und Kultur am allerbuntesten zutage trat. So war er durch seine Umgebung, Erziehung und Neigung ganz und gar Sizilianer.
Mit 14 Jahren mündig, war er bereits lebenskundig und hellsehend, aber auch schon zu Misstrauen und Menschenverachtung geneigt. Schon früh regte sich in dem genialen Jüngling ein unbändiger Herrscherwille. Auf den Königsthron erhoben, lebte er sich rasch in die Herrscherideale des staufischen Kaisertums ein, aber zu einem Deutschen vermochte ihn der neue Besitz doch nicht umzubilden. Von den 35 Jahren seiner Regierung hat er nur sieben in Deutschland verbracht. Heimatgefühle hegte er nur für Sizilien, wo eine üppige Natur sich mit der italienisch-arabischen Kultur zu einem glänzenden Bild vereinigte, dessen herrschender Mittelpunkt er war.
So war es verständlich, dass sein Aufbauwerk vom Süden ausging. Sein Pläne kreuzten sich hierbei mit dem Bestreben der Kurie, die Personalunion zwischen Sizilien und dem deutschen Reich zu lösen, doch zeigte sich die Diplomatie Friedrichs der päpstlichen Politik weit überlegen.
Honorius III. (1216-1222), der Nachfolger Innozenz, war ein hochbegabter, aber kränklicher Mann, ehrlich, milde und versöhnlich, dem politischen Ränkespiel abhold. Die Kaiserkrönung, die Friedrich 1220 erreichte, war ein voller diplomatischer Sieg. Die Kirche musste stillschweigend die Personalunion dulden.
Als Gegenleistung gelobte Friedrich einen Kreuzzug. Dieses Unternehmen bildete für das folgende Jahrzehnt den Mittelpunkt aller Politik. Als es Friedrich gelang, im nächsten Jahr einen achtjährigen Waffenstillstand mit dem Sultan von Ägypten, der damals Herr über Palästina war, abzuschließen, gab ihm das die gewünschte Zeit, sich zunächst seinen dringendsten europäischen Aufgaben zu widmen.
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Morgen lesen wir dann, mit welcher Sorgfalt und Energie er den Aufbau Siziliens begann, und wie sich das positive Geschehen nach dem Tod des Papstes Honorius wandelte.
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Quelle: „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel
Auf dem Bild: Kaiser Friedrich II. dargestellt in dem von ihm verfassen Buch „ De arte venandi cum avibus“; 1232 Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana