Anknüpfend an den ersten Teil zu Friedrich II.: https://undinepeter.blog/2024/01/24/friedrich-ii-1216-1250/
Mit größter Energie und Sorgfalt begann er nun den Aufbau Siziliens. Es wurde die größte Leistung seines Lebens. Während in allen übrigen christlichen Ländern das Lehenswesen herrschte, gab Friedrich seinem Land eine Verfassung, die schon modern anmutet. Außer den geistlichen und weltlichen Größen zog er als dritten Stand die Städte zu den Landtagen heran. Die Verwaltung übertrug er besoldeten, absetzbaren Beamten. Friedrichs Staatsmacht beruhte schon ausschließlich auf dem Geld, nicht mehr auf der Naturalwirtschaft. Auch führte er eine allgemeine Besteuerung und ein ausgezeichnetes Gesetzbuch ein. Durch Förderung von Gewerbe und Wissenschaften führte er sein sizilianisches Reich zu hoher Blüte. Allenthalben herrschten Ruhe und Sicherheit wie in keinem anderen Land der damaligen Zeit.

Diese Herstellung der sizilianischen Monarchie wäre nicht möglich gewesen, wenn er sich nicht in der Zwischenzeit die Ruhe in Deutschland erkauf hätte durch das Gewähren lassen der Fürsten. Dort war 1220 Friedrichs Sohn Heinrich als Neunjähriger zum Vertreter des Kaisers bestellt worden. In Wirklichkeit bestand zunächst eine Herrschaft von Fürsten, bis Heinrich 1228 die Zügel der Regierung selbst ergriff.
Nach dem Tod des Papstes Honorius (1227) kam die Gegenpartei ans Ruder. Gregor IX. war mit seinen 82 Jahren noch eine schöne, kraftvolle Erscheinung, in seinem Wesen ähnelte er dem großen Papst, dessen Namen er gewählt hatte: Gregor VII. Wie dieser war er eine kühne und leidenschaftliche Natur, beseelt von einem stürmischen Angriffsgeist. Er ging sofort zu einem Angriff gegen Friedrich vor. Zunächst mahnte er den Kaiser an den heiligen Kreuzzug.

Tatsächlich strömten jetzt große Scharen von Kreuzfahrern nach Unteritalien, um die Fahrt anzutreten. Doch brach unter ihnen eine furchtbare Seuche aus. Auch Friedrich wurde von ihr ergriffen, kehrte um und suchte Heilung in den Bädern von Pozzuoli. Die vorausgeeilten Pilger kehrten gleichfalls um und zerstreuten sich in ihre Heimat. So war der Kreuzzug vereitelt. Gregor aber ließ den Grund der Rückkehr nicht gelten, er erklärte Friedrichs Krankheit für einen bloßen Vorwand und schleuderte den Bannstrahl gegen den Kaiser.
Um zu beweisen, dass es ihm ernst sei mit der Kreuzfahrt, und um den Papst vor aller Welt ins Unrecht zu setzen, trat Friedrich trotz des Bannes im folgenden Jahr (1228) die Fahrt an, nachdem er sie sorgfältig vorbereitet hatte. Da sprach der Papst erneut den Bannfluch gegen ihn aus. Friedrich aber gewann durch geschickte Verhandlungen, ohne Schwertstreich, was die mächtigsten Fürsten vor ihm durch blutige Kämpfe nicht erreicht hatten: das Königreich Jerusalem wurde wenigstens zu einem Teil wiederhergestellt und alle geweihten Stätten aufs Neue dem Strom der Andächtigen geöffnet.

Der Sultan von Ägypten schloss ein zehnjährigen Waffenstillstand mit ihm und trat Jerusalem und den Zugang zum Meer her ab. Friedrich setzte sich in der Grabeskirche von Jerusalem selbst die Königskrone aufs Haupt und kehrte im Mai 1229 wieder nach Sizilien zurück. Auf päpstlicher Seite verschloss man absichtlich die Augen vor dem großen Erfolg. Friedrich aber strebte in kluger Mäßigung nach Versöhnung. Widerwillig und erst nach hartnäckigem Sträuben schloss der Papst Frieden und löste Friedrich vom Bann (1230).
In den Augen der damaligen Welt war es ein überaus eindrucksvoller moralischer Sieg des Kaisers über den Papst . Der erste Vernichtungskampf des Papsttums war abgeschlagen, das Kaisertum hatte seinen Platz neben dem Papsttum zurückerobert. Das Ansehen des Kaiser war ungeheuer gestiegen.
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Morgen lesen wir dann von Friedrich auf der Höhe seiner Macht (1230-1239)
