Zum Sonntagabend gibt es noch ein wenig Deutsche Geschichte. Dieser dritte Teil des Kapitels zu Friedrich II. , reicht von der Zeit auf der Höhe seiner Macht bis zu Beginn des Entscheidungskampfes zwischen Kaisertum und Papsttum.

Friedrich stand damals in der Fülle seiner Manneskraft. Sein mittelgroßer Körper mir dem bartlosen Antlitz und dem rötlich-blonden Haar war von einer schier grenzenlosen Leistungsfähigkeit, der Gesamteindruck seiner Persönlichkeit wurde entscheidend bestimmt durch sein sicheres Auftreten, der Prunk mit dem er sich dauernd umgab, überhaupt seine ganze Lebensweise, war in jeder Beziehung sizilianisch. Friedrich konnte leutselig, freigiebig, großmütig sein. Wen aber sein stolzes Herrengefühl verletzt wurde, dann erwachten leicht wilde, dämonische Triebe in ihm, er konnte dann rücksichtslos, willkürlich, ja grausam sein. Es fehlte ihm die gleichmäßige Wärme; sein unberechenbares Wesen weckte daher vielfach Unsicherheit und Musstrauen ihm gegenüber.
Rastlos kam er den vielseitigen, aufreibenden Pflichten seines Amtes nach. Alle wichtigen Entscheidungen traf er persönlich. Doch der Reichtum zu seiner genialen Kraftnatur fand in diesen mannigfaltigen Aufgaben des Berufes nicht entfernt Genüge. Er bestätigte sich darüber hinaus in seinen Mußestunden auf den verschiedensten Gebieten in erstaunlicher Weise. Zoologie, Heilkunde, Mathematik, Philosophie, Kunst waren dabei seine Lieblingsbeschäftigungen. Die bildende Kunst, die durch ihn in Süditalien einen mächtigen Aufschwung erfuhr, lässt bereits, wie das ganze Wesen Friedrichs überhaupt, die künftige italienische Renaissance vorausahnen.
Nach dem Friedensschluss mit dem Papst hielt es Friedrich für sein dringlichste Aufgabe, die eingeleitete Gesetzgebung und Verwaltungsreform in Sizilien zu vollenden. Er schuf ein absolutes Königtum, neben dem alle anderen Körperschaften im Staat politisch unselbständig und ohne Bedeutung waren – ein gewaltiger Fortschritt gegenüber dem zersplitterten Lehenswesen. Dieses staatsmännische Werk ist seine glänzendste und dauerhafteste Leistung überhaupt. Mit diesem aufgeklärten Absolutismus, der keinen anderen Maßstab kannte als die Vernunft, eilte Friedrich seiner Zeit Jahrhunderte voraus.






Eine völlig entgegensetzte Entwicklung nehmen die Dinge in Deutschland. Hier wurde die Monarchie von der Fürstenaristokratie immer mehr in den Hintergrund gedrängt, ein Vorgang von epochenmachender Bedeutung. Um seiner italienischen Politik willen machte Friedrich den deutschen Fürsten dauernde wertvolle Zugeständnisse. 1220 hatte er bereits den geistlichen Fürsten die meisten seiner Hoheitsrechte überlassen. Diese Entwicklung dehnte sich nunmehr auch auf die westlichen Fürsten aus. Zum ersten Mal taucht ein den Erlassen Friedrichs der Name „domini terrae“ (Landesherren) auf.
Die Teilgewalten wurden in der Folgezeit immer selbständiger. Die Fürsten verlangten immer mehr Rechte, und auch die kleineren Herren stellten allmählich ihre Ansprüche. Die natürlichen Gegner dieser Entwicklung waren die mächtige emporblühenden Reichsstädte, die sich daher auch stets auf die staufische Seite stellten.



Der Stärkung der Fürstenmacht widerstrebte der Vertreter des Kaisers in Deutschland, sein Sohn Heinrich. Von Natura eigenwillig und unstet, ohne klare Ziele, war er überdies noch übel beraten und führte ein ausschweifendes Leben. Ihm erschien es auf die Dauer unerträglich, dass er in seinem Königtum immer wieder gefesselt wurde, vor allem durch die Eingriffe des Vaters, der ihm persönlich so fremd war. So empörte er sich schließlich in knabenhaften Trotz und knüpfte verräterische Verbindungen mit Frankreich und mit dem lombardischen Städtebund an.
Friedrich brauchte kein Heer, um diesen Aufstand niederzuwerfen.
Ganz allein kam er (1235), aber mit seinem eindrucksvollen Pomp seines Kaisertums.
Es war sein letzter Aufenthalt in der Heimat seiner Väter (1235-1237). In Kurzem war der leichtfertige Empörer von seinen Anhängern verlassen und dadurch zur Unterwerfung gezwungen. Der Kaiser ließ ihn ins Gefängnis werfen. Hinter Kerkermauern in Apulien fand Heinrich ein frühes Ende.(1242).
Dem Vater ist das alles nicht leicht gefallen; bei Heinrichs Tod erklärte er öffentlich: „Ich gestehe es, dass mich der Stolz des lebenden Königs nicht beugen konnte, der Tod des Sohnes mich aber tief bewegt, und ich bin weder der erste noch der letzte, welcher von ungehorsamen Söhnen Schaden erduldete und doch an ihrem Grabe weint.“
An Heinrichs Stelle ließ Friedrich seinen zweiten, den neunjährigen Konrad, zum König wählen. Er selbst vermählte sich mit einer englischen Prinzessin und versöhnte sich dadurch mit der englisch-welfischen Gegnerschaft. Das geschah auf dem glanzvollen Reichsfest von Mainz (1235). Zugleich erließ er das große Mainzer Landfriedensgesetz, das erste Gesetz, dass nicht nur in lateinischer, sondern auch in deutscher Sprache abgefasst war.
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In den nächsten Tagen lesen wir dann von weiteren Ereignissen zum bevorstehenden Entscheidungskampf zwischen Kaisertum und Papsttum.
