– von leidenschaftlichen Kundgebungen, hässlichen Streitschriften, den Mongolen und einem Kampf um Leben und Tod
… und wie Deutschland in einen Streit hineingezogen wurde.


In dem Kampf, der nun ausbrach, war zwar der Kaiser militärisch überlegen, aber trotzdem war seine Lage von vornherein ungünstig. Denn der Papst war eben nicht ein gewöhnlicher Gegner, hinter ihm stand eine kirchliche Gemeinschaft, welche die ganze abendländische Staatenwelt umfasste.
Während Friedrich dauernd bemüht war, einen erträglichen Frieden zu erlangen, der ihm die Gleichberechtigung neben dem Papst sicherte, verfolgte Gregor nach wie vor das Ziel der alleinigen Oberherrschaft. Da die eigentlichen kirchlichen Mittel des Bannes und des Interdikts ihre einstige Wirkung längst eingebüßt hatten, erließ er gegen Friedrich leidenschaftliche Kundgebungen.
Hässliche Streitschriften von unerhörter Schärfe gingen nun hin und her – ein unwürdiger Kampf, auf Ostern 1241 berief der Papst ein Konzil nach Rom, auf dem der Kaiser seines Amtes entsetzt werden sollte. Als Friedrich ihn daraufhin in Rom belagerte, erlag der fast hundertjährige Papst der Fieberhitze des August in der belagerten Stadt.
Inzwischen hat eine furchtbare Gefahr das Reich bedroht. Die Mongolen, ein den alten Hunnen verwandtes Volk, hatten unter ihrem größten Herrscher Dschingis-Khan ein gewaltiges Reich gegründet, dass von China bis Südrussland reichte. Unter seinem Enkel drangen sie, alles schrecklich verwüstend, durch Russland und Polen nach Deutschland vor. In dieser Not hätte Friedriche zum Retter Europas werden können, aber er hatte ja die Hände nicht frei. Herzog Heinrich der Fromme von Schlesien stellte sich den wüsten Horden entgegen. Bei Liegnitz kam es zur Schlacht.
Der Herzog fiel, die Mongolen siegten, doch hatten sie so schwere Verluste erlitten, dass sie den weiteren Vormarsch aufgaben und sich wieder zurückzogen. Wieder einmal hatten Germanen, diesmal Deutsche, das Abendland gerettet.
Der neue Papst hieß Innozenz IV. Friedrich hielt ihn für seinen Freund. Er hatte seine Wahl gewünscht und hoffe nun auf eine friedliche Verständigung. Es war der größte und verhängnisvollste Irrtum seines Lebens. Innozenz erwies sich als sein gefährlichster politischer Gegner. Er berief auf Juni 1245 ein allgemeines Konzil nach Lyon. Hier setzte er es durch, dass Friedrich und sein Sohn Konrad abgesetzt und verflucht wurden. Friedrich, der immer noch auf einen friedlichen Ausgleich gehofft hatte, scheint von dieser Wendung völlig überrascht worden zu sein. Nun aber gingen ihm die Augen auf. Jetzt wusste er, dass es nur noch eins gab: Kampf um Leben und Tod.
Die nächste Folge war, dass auch Deutschland ganz anders als bisher in diesen Streit hineingezogen wurde. Innozenz sandte einen besonderen Legaten dorthin, dessen Obereider freilich der päpstlichen Sache mehr schadete als nützte. Auf Befehl des Papstes wählten die rheinischen Erzbischöfe – nachdem man die Krone lange vergeblich in Deutschland, Dänemark und Frankreich angeboten hatte! – einen Gegenkönig , den Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen , vom Volk spottweise der Pfaffenkönig genannt.
Doch konnte sich dieser nicht Konrad behaupten, wurde vielmehr von ihm bei Ulm völlig geschlagen und starb kurz darauf machtlos auf der Wartburg als letzter seines Stammes. Die staufische Herrschaft stand nach wie vor.
Inzwischen führte Friedrich in Italien mit unverminderter Kraft und Ausdauer den Kampf. Dieser entartet immer mehr, alle edleren Gefühle erstickten. Die Kaisermacht behauptete sich wie bisher, aber Verrat und Mord umlagerten Friedrich und die Seinen. Eine weitverzweigte Verschwörung gegen sein Leben, an der selbst höchste Beamte seiner Umgebung beteiligt waren, wurde rechtzeitig entdeckt und vom Kaiser blutiger Strenge niedergeworfen – ein neuer Sieg.
Andere Erfolge reihten sich an: In Mittel- und Oberitalien machte die kaiserliche Herrschaft wesentliche Fortschritte. Da traf ihn ein schwerer Schlag: Bei der Belagerung von Parma erlitt sein Heer, während er selbst auf der Jagd war, durch Nachlässigkeit eine furchtbare Niederlage- Es wurde unter schweren Verlusten zersprengt, und nur mit knapper Not entging der rückkehrende Kaiser der Gefangenschaft. Zwar gelang es ihm in bewundernswerter Weise, in wenigen Tagen die Lage wiederherzustellen, doch hatte dieses Missgeschick böse Fernwirkungen: fast die ganze Romagna fiel ab, und auch im übrigen Mittelitalien wurden die Schwierigkeiten immer größer.
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