… Ein Inferno, dass ein Bombenschütze mit den Prophezeiungen der Evangelistenversammlungen vor dem Kriege verglich.“
Dresden brannte sieben Tage und sieben Nächte!

Hunderttausende verängstigte, hungrige, verzweifelte Flüchtlinge drängten sich in der Altstadt, lagerten auf den Bürgersteigen, in jedem Garten und jedem Stadtpark. Eng aneinandergepresst, um nicht zu erfrieren, schliefen sie auf dem Boden. Wimmernde Kinder bettelten um Essen. Die städtirschen Sozialdienste waren überfordert, obwohl sie taten, was in ihrer Macht stand, um die Menschen mit Nahrung und dem Nötigsten zu versorgen. – Dann kamen die Bomber.

Von den Deutschen aus gesehen, muss der Beginn eines von Pfadfinderwellen eingeleiteten Großangriffs auf eine Stadt ein erschütterndes Schauspiel gewesen sein. Die Lancaster Maschinen des Blindbeleuchterverbandes leuchteten inzwischen das ganze Gebiet mit ihren „Christbäumen“ aus. Die Lichtertrauben der Zielmarkierer schimmerten fahl mit unerbittlicher Unabwendbarkeit über der den Untergang geweihten Stadt.
Am 14. Februar 1945 gab es um 1.14 Uhr für die Beatzungen nicht den geringsten Zweifel, dass Dresden tatsächlich unter ihnen lag. Ganz Dresden glich einem Feuermeer. Die 5. Bomberflotte hatte einen hohen Prozentsatz von Brandbomben eingesetzt, und außerdem wehte ein starker Wind in Bodennähe.
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Das Gebiet war so hell erleuchtet, schrieb ein Flieger in sein Tagebuch, dass wir unsere eigenen Maschinen um uns herum und auch unsere eigenen Kondensstreifen erkennen konnten.
„Der fantastische Schein aus 320 Kilometer Entfernung wurde immer heller, als wir uns dem Ziel näherten (schrieb ein anderer, jüdischer Pilot der 5. Bomberflotte). Selbst in einer Höhe von 6700 Metern konnten wir bei dem gespenstischen Schein der Flammen Einzelheiten erkennen, die wir nie zuvor gesehen hatten, zum ersten Mal seit vielen Einsätzen fühlte ich Mitleid mit der Bevölkerung dort unten.“
Der Navigator eines anderen Flugzeuges der selben Bomberflotte schreibt:
„Normalerweise verließ ich nie meinen Platz, aber in diesem besonderen Fall rief mich mein Skipper nach vorn, damit ich mit das ansehen sollte. Der Anblick war wirklich fantastisch. Aus einer Höhe von 6700 Metern glich Dresden einer Stadt, deren Straßen vom Feuer eingefasst waren.“
Wie sich ein Flugingenieur der ersten Bomberflotte erinnert, war die Helligkeit so groß, dass er bei dem Licht, dass das Innere des ganzen Flugzeuges erhellte, Eintragungen in sein Bordbuch vornehmen konnten:
„Ich warf unwillkürlich einen Blick nach unten, als die Bomber fielen (erinnerte sich der Bombenschütze eines anderen Bombers der 1. Bomberflotte), und meinen Augen bot sich das grauenhafte Bild einer Stadt, die von einem Ende zum anderen in Flammen steht. Man konnte sehen, wie dichte Rauchwolken von Dresden wegtrieben, sodass die hellerleuchtete Stadt wie auf einem Stadtplan zu erkennen war. Meine erste Reaktion war, dass ich erschüttert in Gedanken dieses Inferno dort unten mit den Prophezeiungen der Evangelistenversammlungen vor dem Kriege verglich.“
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Die erste Bomberwelle, die am 13. Februar 1945 um 10 Uhr abends über der Stadt ankam, war britisch. Sie ließ Tausende riesiger Sprengbomben auf die alte mit Flüchtlingen vollgestopfte Stadt fallen, um die Dächer zur Vorbereitung für Brandbomben, die gleich dahinter folgen sollten, wegzusprengen. Die Sprengbomben setzten das Fliegeralarmsystem außer Gefecht, zerstörten die Feuerwehrstationen, unterbrachen die Hauptwasserleitungen und verursachten massenhaft Tod und Zerstörung. Die Flüchtlingsmassen konnten nirgendwohin weglaufen und sich nicht verstecken.
Dann kamen die mit Brandbomben beladenen Bomber und verwandelten die Altstadt in ein tosendes Flammenmeer. Die Lufttemperaturen stiegen auf 415°C. Winde von bis zu 160 km/h sogen allen Sauerstoff in das Zentrum des Sturms. Zigtausende verbrannten bei lebendigem Leib. Zu diesem späten Zeitpunkt des Krieges hatte man die Wissenschaft des Bombardierens perfektioniert.
Das Bombenabwurfsmuster der Briten war dazu konzipiert, einen Feuersturm zu erzeugen, und der Dresdner Feuersturm war der spektakulärste des Krieges.
Tausende erstickten in den Kellern, als der Sauerstoff von den Flammen nach draußen gesaugt wurde. Tausende wurden wie Stoffpuppen durch die Luft gewirbelt und von den heftigen Winden direkt in das Inferno gesaugt.
Der Luftsog des Feuersturms war so stark, dass er Bäume entwurzelte und Dächer von meilenweit entfernten Häusern abhob. Die Menschen ergriff äußerste Panik. Pferde bäumten sich auf und galoppierten in die Menschenmassen. Wilde Tiere wie Löwen und Tiger entwichen den Gehegen im Zoo und liefen in die entsetzten Massen. Riesenschlangen glitten zwischen den Füßen der Fliehenden. In Brand geratene Lazarettzüge voll verwundeter Frontsoldaten versuchten, den Bahnhof zu verlassen, und trennten dabei kleinen Kindern, die unter den Zügen Schutz vor den Bomben gesucht hatten, Gliedmaßen ab.
Die nächste Bomberwelle kam drei Stunden später mit Spreng- und Streubomben. Die Zeitabstände der Bomberwellen wie auch die Bombentypen waren sorgfältig kalkuliert, um eine möglichst hohe Tötungsrate zu erzielen. Wie geplant, erwischte diese dritte Welle von Bombern die Rettungs- und Feuerwehrmannschaften wie auch Massen von Menschen, die dem Feuer ins Freie entkommen wollten.
Das Resultat war eine reine Massenabschlachtung.
Am nächsten Tag vervollständigte die American 8th Air Force die Zerstörung der Stadt. Insgesamt 1.300 englische und amerikanische schwere Bomber warfen fast 4.000 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf Dresden.
