Dresden danach – die Stadt brannte sieben Tage und sieben Nächte

Bringen wir noch einen abschließenden Beitrag auf den Weg, denn auch die Zeit nach dem Aschermittwoch im Februar 1945 darf nicht vergessen werden.

Der erste Hilfszug „Hermann Göring“ , ein motorisierter Zug mit Feldküchen und Sanitätswagen, war inzwischen auf einem Platz in Dresden Neustadt eingetroffen. Ein zweiter Zug, der Hilfszug „Goebbels“ befand sich auf dem Weg nach Dresden Seidnitz. Wenn auch jeder Zug nur aus etwa 20 Lastwagen bestand, wurden die Lebensmittelvorräte dringend in der Stadt benötigt.

Am 17. Februar kamen aus allen Landesteilen Sachsens Hilfszüge in Dresden an, um warme und kalte Mahlzeiten für die obdachlosen Familien und Rettungsarbeiter zu verteilen.

Noch immer wurde die Stadt von einer fünf Kilometer hohen gelbbraunen Rauchsäule verdunkelt, was für die Situation nach einem Feuersturm charakteristisch ist.

Als die Rauchmassen die Elbe entlang auf die Tschechoslowakei zutrieben, werden die Menschen in den Dörfern und Städten, über die sie hinwegzogen, zum Himmel geblickt und geahnt haben, dass dies nicht die Folgen eines gewöhnlichen Luftangriffes, sondern dass die sich über das Land wälzende Rauchwolke in Wirklichkeit die letzten sterblichen Überreste einer Stadt waren, die zwölf Stunden zuvor noch eine Million Menschen mit Hab und Gut beherbergt hatte.

Über die in Windrichtung von Dresden liegende Landschaft ging ein anhaltender rußiger Ascheregen nieder: Nach Beobachtungen britischer Kriegsgefangener, die in den großen Paketsortierstellen im Stalag IV b über vierzig Kilometer südlich von Dresden arbeiteten, hielt die Rauchdecke drei Tage lang an, und noch viele Tage danach schwebten Reste von versengter Kleidung und verkohltem Papier auf das Lager herunter. Ein Hausbesitzer in Mockethal, das etwa 24 Kilometer von Dresden entfernt war, fand Rezepte und Tablettenschachteln aus einer Apotheke überall in seinem Garten verstreut.

Aus den Aufschriften war zu ersehen. Dass sie mitten aus der Dresdner Innenstadt kamen. Akten und Urkunden des ausgebrannten Katasteramtes in der Innenstadt regneten auf das Dorf Lohmen hernieder, das etwa 28 Kilometer entfernt in der Nähe von Pirna lag, Schulkinder mussten mehrere Tage lang die Gegend nach ihnen absuchen.

Der Feuersturm war ein von Menschenhand geschaffenes Ungeheuer, das kein Mensch jäh wieder zähmen konnte.

Noch mehrere Tage nach dem dreifachen Schlag waren die Straßen der Stadt mit Tausenden von Opfern übersät, die noch immer dort lagen, wo sie das Schicksal ereilt hatte. In vielen Fällen waren Amre und Bein abgerissen worden; andere Opfer hatten einen friedlichen Ausdruck im Gesicht und sahen aus als ob sie eingeschlafen seien. Nur die grünliche Blässe ihrer Haut verriet, dass sie nicht mehr am Leben waren.

In einigen Teilen der Innenstadt herrschte eine solche Hitze , dass die Keller viele Wochen lang nicht betreten werden konnten; das war besonders da der Fall, wo entgegen den Bestimmungen große Kohlevorräte angelegt worden waren und Feuer gefangen hatten. Wie in Hamburg wurden die bekannten Feuersturmnachwirkungen von geschmolzenen Einweckgläsern, Töpfen und Pfannen und sogar völlig zu Asche verbrannten Ziegelsteinen und Kacheln in einigen Kellern im Zentrum der Innenstadt gefunden. Auch das deutete daraufhin, dass in dem Feuersturmgebiet Temperaturen von über tausend Grad Celsius geherrscht haben mussten.

Die Identifizierungsbehörden standen vor einer wahrhaft übermenschlichen Aufgabe.

Ein Augenzeuge schrieb:

„Überall in der Stadt konnten wir die Opfer liegen sehen, mit dem Gesicht nach unten, buchstäblich an den Asphalt festgeklebt, der weich geworden und in der enormen Hitze geschmolzen war.

Ein anderer Soldat aus den Kasernen von Neustadt berichtet: Ein Kamerad bat mich, ihm bei der Suche nach seiner Frau in der Mosjinskistraße behilflich zu sein. Das Haus war ausgebrannt, als wir dort ankamen. Er riefe mehrmals in der Hoffnung , dass die Leute im Keller ihn hören würden. Niemand antwortete. Er wollte die Suche nicht aufgeben und suchte weiter in den Kellern der Nachbarhäuser und riss sogar die verkohlten Leichen aus dem geschmolzenen Asphalt, um zu sehen, ob seine Frau darunter sei. Doch konnte er keine von den Toten als seine Frau identifizieren.

Ein anderer Bergungsarbeiter, ein Dresdener Internatsschüler schrieb an seine Mutter: „Ich werde nie den Anblick der Überreste einer Mutter mit ihrem Kind vergessen. Sie waren zusammengeschrumpft und zu einem Stück verkohlt und steckten fest in dem Asphalt. Sie waren gerade herausgebrochen worden. Das Kind muss unter der Mutter gelegen haben, denn man konnte noch deutlich den Körper erkennen, der von den Armen der Mutter umklammert wurde.“ Niemand würde die beiden jemals identifizieren können.

Am 19. Februar veröffentlichte der „Freiheitskampf“ die erste Meldung, in der nach vermissten Angehörigen Suchende aufgefordert wurden, sich an eine neueingerichtete Vermissten-Suchstelle in dem nicht getroffenen Innenministerium am Königsufer der Elbe zu wenden; es war der erste Schritt, um Tausende von Familien wieder zusammenzuführen, die durch den dreifachen Schlag getrennt worden waren.

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Der Text dieses Beitrages ist ein Auszug aus „Der Untergang Dresdens“ von David Irving


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