Rudolf von Habsburg (1273-1291)

Weiter geht’s mit unserer deutschen Geschichte nach Albert Thümmel

Nachdem wir die Ära des ruhmreichen Geschlechts der Hohenstaufen verlassen haben, betreten wir das Areal der Habsburger und lernen dabei die Kaiser aus verschiedenen Häusern kennen.

In dem Kapitel „Die Kaiser aus verschiedenen Häusern“ (1273-1437) macht Rudolf von Habsburg (1273-1291) den Anfang.

Rudolf wurde 1273 von den Kurfürsten gewählt und in Aachen gekrönt. Das Volk jubelte ihm zu.

„Denn geendet nach langem, verderblichen Streit

War die kaiserlose, die schreckliche Zeit,

und ein Richter war wieder auf Erden.

Nicht blind mehr waltet der eiserne Speer,

Nichts fürchtet der Schwache, der Friedliche mehr,

Des Mächtigen Beute zu werden.“ (Schiller)

Das Volk hatte allen Grund zur Freude, denn der neue Herrscher war des Thrones würdig.

Sein Stammschloss, die Habsburg (eigentlich Habichtsburg, lag an der Aare, im jetzigen Schweizer Kanton Aargau. Ihre Ruinen stehen noch heute auf steilem Felsen. Rudolf hatte einst am Hof Friedrich II., der sein Taufpate war, gelebt. Er war von hohem, schlanken Wuchs, klug und fromm und von einfachen Sitten. Von leutseligem Wesen, liebte er fröhliche Reden und muntere Scherze. In seinen Unternehmungen aber ließ er es nie an Ernst und Ausdauer fehlen.

Sein ganzes Leben hindurch hat er Gerechtigkeit und Mäßigkeit bewahrt. Rudolf verzichtete darauf, in die Angelegenheiten Italiens einzugreifen. Er hielt es für zwecklos und gefährlich und zog daher auch nicht nach Rom zur Kaiserkrönung. Seine ganze Kraft wandte er auf die deutschen Dinge, vor allem auf die schwere Aufgabe, das gesunkene Ansehen des Königtums wieder zu heben. Ein einziger Reichsfürst hatte sich geweigert, Rudolf als König anzuerkennen, Ottokar von Böhmen, der mächtigste von allen. Dieser hatte sich während des Interregnums ein großes Reich geschaffen, dass außer Böhmen auch Österreich, die Steiermark, Kärnten und die Krain umfasste.

Es kam zur Schlacht auf dem Marchfeld 1278. Rudolf siegte, Ottokar fiel. Mit den österreichischen Landen belehnte Rudolf seine beiden Söhne und legte damit den Grund zu der späteren Größe des habsburgischen Hauses und des österreichischen Kaiserreiches. Auf diese Weise suchte Rudolf seine Hausmacht zu mehren, da er überzeugt war, dass nur dadurch das Königtum gegenüber den Fürsten wieder zu ihrem Ansehen gelangen könne.

Mit gleichem Ernst sorgte er für die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Er durchzog das Reich von einem Ende zum anderen und erließ strenge Gesetzte zur Wahrung des Landfriedens. Wer sie übertrat, erlitt harte Strafe. Einst ließ er in Erfurt an einem Tag 79 gefangene Raubritter hängen. Über ein Jahr verweilte er hier in Thüringen, bis alle Raubburgen – es waren 66 – gebrochen waren.

Rudolf wünschte die Krone seinem Sohn Albrecht zu hinterlassen. Allein die Fürsten fürchteten die so rasch emporgestiegene Herrschaft des habsburgischen Hauses und wichen seinen Anträgen immer wieder aus. Als er die Nähe des Todes fühlte, rief er : „Wohlan, nach Speyer!“ Im dortigen Dom, wo die vier salischen Kaiser bestattet waren, wurde er, 73 Jahre alt, begraben.

Als Rudolfs Nachfolger wurde ein minder mächtiger Herr gewählt, Graf Adolf von Nassau, etwa 40jährig, ein tapferer und unerschrockener Rittersmann. Er fand allgemeine Anerkennung im Reich. Auch Albrecht musste sich fügen. Mit allen möglichen, oft auch mit verwerflichen Mitteln suchte sich Adolf eine möglichst große Hausmacht zu schaffen.

Dabei vernachlässigte er aber völlig das Interesse des Reiches. Schließlich beschloss die Mehrzahl der Kurfürsten, Adolf abzusetzen und an seiner Stelle nun doch Albrecht zu wählen, der es verstanden hatte , sich den maßgebenden Politikern zu nähern.

Adolf wagte den Kampf gegen Albrecht und verlor Sieg und Leben in der Schlacht bei Göllheim (1298).


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