Karl IV. war ein kleiner Mann, von etwas gebückter Haltung, ein umsichtiger, sparsamer und gelehrter Fürst – er beherrschte sechs Sprachen. Dem Krieg abgeneigt, pflegte er vor allem die Werte des Friedens. Als ein Freund der Wissenschaften und Künste war er der erste Mäzen unter deutschen Königen, dazu ein gewandter Diplomat, fähig , die schwierigsten Verhältnisse zu überschauen und zu leiten.

Karl verzichtete auf jede Italienpolitik, das sie nur schwere Kämpfe und viel Geld gekostet hätte. Er ließ sich zwar in Rom vom Papst zum Kaiser krönen, doch verließ er die Stadt noch am selben Tag. Er war nur auf Mehrung und Stärkung seiner Hausmacht bedacht, die er als den einzigen Endzweck seines Handelns ansah.
Zu Böhmen, Mähren und Schlesien erwarb er die Oberpfalz, die Lausitz und die Mark Brandenburg. So stieg das Haus Luxemburg machtvoll empor.

Das war für die übrigen Fürsten der Anreiz, auch ihre Hausmacht zu stärken und sich möglichst vom Reich unabhängig zu machen. Durch ein meisterhafte Verwaltung, Pflege des Rechtswesens, Hebung des Handels und Verkehrs sowie der Landwirtschaft erhob der König besonders sein Stammland Böhmen zu hoher Blüte. In seiner Hauptstadt Prag gründete er die erste deutsche Universität (1348).
Auch herrliche Bauten von unvergänglicher Schönheit errichtete er dort: die Karlsbrücke, den Veitsdom, den Palast auf dem Hradschin, Tore von hohem Kunstwert u. a.

Unter Karls Regierung wurde Deutschland wie die meisten Länder Europas, von schwerem Unheil heimgesucht (1348). Aus dem Orient wurde „der schwarze Tod“ eingeschleppt, eine entsetzliche Seuche, die unheimlich viel Menschenleben hinwegraffte. In Deutschland erschien sie drei Jahre hintereinander. In ihrem Gefolge lockerten sich alle Bande der Gesellschaftsordnung, und alle menschlichen Gefühle verhärteten sich. Die entfesselten Leidenschaften wandten sich gegen die Juden, die wegen ihrer Geldgeschäfte verhasst waren. Man beschuldigte sie, sie hätten die Brunnen vergiftet und dadurch die Pest heraufbeschworen.


Die Religion bot den Vorwand, Raubgier und Verschuldung waren die Hauptmotive für die Verfolgungen der Juden im Mittelalter. Von Landbesitz und Handwerk ausgeschlossen, wurden sie als Geldverleiher und Bankiers zu Motoren der Entwicklung von der Natural- und Geldwirtschaft.
Bereits unter Gregor VII. im 11. Jahrhundert wurde der Hass gegen Juden angestachelt. In seiner Bulle untersagte er ihnen jede amtliche Stelle in christlichen Ländern. Die Ausschreitungen gegen die Juden begannen in Frankreich und England und griffen mit den Zügen der ersten Kreuzfahrer, unter den sich zahlreiche verarmte Kleinadelige mit einem Gefolge aus landlosen Bauern, Abenteurern und Bettlern befanden, auf Deutschland über.

Vergeblich versuchte damals Heinrich IV. den Exzessen Einhalt zu gebieten. Als die Gewaltwelle abebbte, erlaubte er den Überlebenden , zu ihrem Glauben zurückzukehren. Im Jahr 1103 stellte er in dem von ihm verkündeten Landfrieden die Juden unter die besonderen Schutzbestimmungen, die für Waffenlose – für Mönchen und Frauen – galten. Konrad III. und Barbarossa erneuerten diese Privilegien während der folgenden Kreuzzüge, in denen die jüdischen Gemeinden immer wieder bedroht waren.
Ein weitere Schlag gegen die Juden erfolgte durch Papst Innozenz III. Dort beschloss er das Verbot der Ausübung aller handwerklichen Berufe durch Juden: aus Innungen und Zünften wurden sie ausgeschlossen. Das Tragen des „gelben Flecks“ oder der spitzen Judenhüte wurde angeordnet (aber nicht überall und nur selten eingehalten). So wurden sie zu Pfandleihern, Geldwechslern und Zinsnehmern. Christen wurde gleichzeitig das kanonische Zinsverbot auferlegt.
Nun wieder hin zur Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts. In der Wende kam es erneut zu weitverbreiteten Judenverfolgungen. Die Kirche hatte das Sagen. Das Fehlen einer starken Herrschergewalt und das überhandnehmende Fehde- und Raubritterwesen trug zum Anstieg der Exzesse bei. Es kam im Zuge der Pest zu unbarmherzigen Metzeleien von Unschuldigen. Andere wieder glaubten, das große Sterben sei eine Strafe Gottes, und man könnte den Zorn des Himmels sühnen durch Selbstkasteien.
Die Sekte der Geißler oder Flagellanten trat auf. Immer größere Scharen zogen lawinenartig anwachsend, von Stadt zu Stadt. Sie vermehrten nur noch das Unheil, indem sie das große Sterben immer weiter verbreiteten.
Unter düsteren Gesängen geißelten sie sich öffentlich den entblößten Rücken und forderten zur allgemeinen Buße auf. Schon bald aber mischte sich unter diese Fanatiker allerlei liederliches Volk, das unter der Maske des Geißlertums plünderte, auch sonstige Untaten beging und zu einer kaum geringeren Landplage wurde als die Pest selbst. Als die Seuche erlosch, erlosch auch diese Bewegung.
Weihnachten 1356 erließ Karl IV. ein wichtiges Gesetz, „Goldene Bulle“, genannt nach der goldenen Kapsel des angehängten Siegels. Ihre staatsrechtlichen Bestimmungen sind zwar sehr oft missbraucht worden, dennoch war sie das wichtigste Verfassungsgesetz des alten deutschen Reiches überhaupt und wurde für die Reichsverfassung sehr wichtig.
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Morgen dann mehr zu diesem Gesetz.
Im Kommentar noch einmal einen Rückblick auf diesen Papst und seine Methoden.