Im Anschluss an den Beitrag Karl IV. – eine Zeit zwischen Pest, Kirchenspaltung und Judenverfolgung
fahren wir fort:
Weihnachten 1356 erließ Karl IV. ein wichtiges Gesetz, die „Goldene Bulle“, genannt nach der goldenen Kapsel des angehängten Siegels. Ihre staatsrechtlichen Bestimmungen sind zwar sehr oft missbraucht worden, dennoch war sie das wichtigste Verfassungsgesetz des alten deutschen Reiches überhaupt und wurde für die Reichsverfassung in der Folge sehr wichtig.

Durch dieses Gesetz regelte Karl die Königswahl und die Stellung der Kurfürsten. Schon seit langer Zeit war die Wahl des deutsch-römischen Königs und zukünftigen Kaisers ein Vorrecht der sieben angesehensten Fürsten. Dieses Vorrecht wurde nun anerkannt und geregelt. Zu Kurfürsten wurden endgültig bestimmt, die drei rheinischen Erzbischöfe (von Mainz, Trier und Köln) und die weltlichen Herrscher von Böhmen, Rheinpfalz, Sachsen-Wittenberg, Brandenburg.
Die vier weltlichen Kurfürsten erhielten überdies noch andere Vorrechte: ihre Länder wurden für unteilbar und erblich erklärt, die volle Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen. Es war kein Wunder, dass nun auch die übrigen Reichsfürsten immer mehr nach solchen Vorrechten strebten und dass dadurch die Ausbildung der Landeshoheit in den Territorien gefördert wurde.

So entstand in dem neuen Europa, während sich ringsum Nationalstaaten bildeten, kein deutscher Staat, sondern nur ein Trümmerhaufen deutscher Staatsbildungen. Damit war aber den großen Nationalstaaten England und Frankreich auf lange Zeit hinaus das entscheidende Übergewicht über Deutschland gegeben.
Auf Karl folgte sein Sohn Wenzel, 18 Jahre alt. Er besaß gewisse natürliche Anlagen. Aber die allzu frühe Berufung in das höchste Amt störte die sorgfältige Erziehung, die er bisher genossen hatte, und ließ seinen Charakter nicht ausreifen. Die schlimmen Triebe seiner Natur – Leidenschaftlichkeit, Jähzorn, Liebe zum Trunk – gewannen allmählich die Oberhand und hielten ihn immer mehr von den Regierungsgeschäften ab.

So verfielen Ansehen, Macht und Einheit des Reiches. Schließlich setzten ihn die Kurfürsten ab und wählten Ruprecht von der Pfalz zu seinem Nachfolger.
Doch auch dieser, fast machtlos, wusste das Ansehen der deutschen Könige nicht zu heben. Der Tod, der ihn 1410 überraschte, befreite ihn aus zahllosen Schwierigkeiten.
Schon drohte die Auflösung des Reiches , da setzte der einflussreiche Burggraf von Nürnberg, Friedrich VI. von Hohenzollern, die Wahl von Wenzels Bruder Sigmund durch.


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Von Sigmund (1410-1437) und dem Konzil von Konstanz lesen wir dann morgen.