Ich erinnere mich noch gut: Als ich noch Kind war, fuhren meine Eltern regelmäßig an den Ostertagen zur Verwandtschaft nach Nordhausen. An einer Lichtung – es war ein Acker, umgeben von dichtem Wald, feierten wir das Jahreskreisfest unter Gleichgesinnten. Das Feuer, das dort entzündet wurde, war nicht unbedingt groß, es ähnelte eher einem typischen Lagerfeuer. Vielmehr waren es die Lieder und die Gespräche, in denen unsere Verbindung zur Natur vertieft wurde. Und darüber ein aufrichtiges Miteinander.

Meinen Eltern bin ich sehr dankbar für diese Zeit, verbunden mit altem Wissen zu alten Bräuchen und ihrer Herkunft. Bei Ostara geht es um Gleichgewicht und Wachstum und um den Kampf gegen Frost und Kälte.
Und tatsächlich ist jetzt die beste Zeit, sich Wünsche zu erfüllen und sich von Altem zu lösen. Zeit, um das Sprießen des Lebens zu feiern – etwa mit dem Entzünden eines Feuers.

Bis die „Belehrer“ kamen, huldigten unsere Vorfahren der Göttin der aufgehenden Morgenröte, der Ostara als Frühlingsgöttin, Göttin des erwachten Lichts und Lebens.
Der Dienst der Ostara wurde durch das Christentum abgeschafft – das Osterfest in Christentum hin übernommen und mit der Auferstehungsfeier verbunden.
Gut zu wissen:
Ostara war eine freudige, heilbringende Erscheinung; nach ihr war der April „ostermonath“ genannt und ihr opferte das Volk die ersten Maiblumen. Weißgekleidete Jungfrauen, die sich um Ostern zur Zeit des einkehrenden Frühlings in den Felsklüften, oder auf den Bergen sehen ließen, gemahnen noch an die alte Göttin.
• Zur Gabe der Eier: Aus dem Ei schlüpft die Welt. Sinnbildlich haben die Hasen die Eier vergraben. Es war das Zeichen dafür, dass sich die Göttin auf dem Weg befindet, um den frostigen Winter zu vertreiben.
• Warum waren manche Eier rot gefärbt? Diese alte Tradition lässt sich auf junge Mädchen zurückzuführen, die zu Frühlingsbeginn mit ihrer ersten Menstruation das Aufkommen der Fruchtbarkeit feierten.
• In der Gegend des Harzes heißt das Osterfeuer Bockshornbrennen und oft heißt auch einen Wiese vor dem Dorfe Bockshorn oder Osterfeld und daher die Redewendung „jemanden ins Bockshorn jagen“, also aus dem Dorf heraus aufs Feld.
• Etwa ab dem 16.Jahrhundert galten Osterfeuer als heidnische Erbschaft, gegen die sich die Verbote häuften. Auch Kirchenangestellte wurden für das Entzünden von Osterfeuern bestraft, so zugetragen 1695 im Bergischen Land: „Die Totengräber sollen casiert und Lulf vornehmlich bestraft werden, weil er am Ostertage der Führnehmste im Anzünden des Osterfeuers, welches aus dem Heidentum herrührt und unter Christen nicht geduldet werden kann, gewesen, und auch sonst allerhand Reden geführt“.
• Das Osterfeuer war zu heidnischer Zeit ein Freudenfeuer, das zum Schmelzen des letzten Eises, zur Rückkehr des Frühlings und der Feldfruchtbarkeit entzündet wurde.
• Einem Zeitungsbeitrag des Wernigerödischen Intelligenzblattes von 1797 zufolge feierte die Landbevölkerung um Wernigerode in Sachsen-Anhalt noch immer eine Art heidnisches Osterfest, bei dem auf Hügeln zu Ehren der Frühlingsgöttin Ostra Feuer entzündet wurde.
• Das Bildungsbürgertum kannte den Namen der Göttin aus den Schriften des angelsächsischen Königs Beda. Dieser beschrieb im 8. Jahrhundert eine Eostre als Frühlingsgöttin. Im Jahr 1709 schließlich stellte Johann G. Leuckfeld fest, dass das heidnische Osterfeuer auf ein Göttin Ostar oder Astarte zurückgehe.
• Ein weiterer Beleg für den Namen Ostra ist der im 16. Jahrhundert in Niedersachsen gefundene kleine Bildstein aus Ton, mit einer altsächsischen Runeninschrift, der sogenannte Osta-Stein. Fundort der Runentafel war der sagenumwoben Berg Hohenstein im Süntel, auf dem sich in alter Zeit ein Heiligtum der Cherusker und dann der Sachsen befunden haben soll.


Nur noch wenige Menschen feiern das ursprüngliche Osterfest. Die Feldweihe war für die alten germanischen Volksstämme von großer Bedeutung. Landwirte bestreuten die Ecken des Feldes mit Pfefferminze, Schlüsselblume, allerlei Kräutern sowie Weidenbaumästen, steckten eine Kerze in die Mitte des Feldes, um für eine gute Ernte zu bitten.
Ich persönlich bin dankbar für all die Menschen, die bis heute den ursprünglichen Wert pflegen, um der wiederbelebten Natur zu würdigen.
Andere Religionen kamen, ersetzten oder annektierten die alten Bräuche.
Sogenannte „Wissenschaftler“, meist Lakaien der Kirche oder anderer herrschenden Gruppen, unternehmen bis in die Gegenwart immer und immer wieder den Versuch, den Ursprung und die Inhalte zu alten Bräuchen in Zweifel zu ziehen und sie zu bestreiten.
Doch ist und bleibt Ostara das Frühlingsfest der Germanen. Im Schoß des heidnischen Volkes hat das „Ostara“ immer noch Bestand.

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Die Feier:
Auf einer Waldwiese, wo eine alte Eiche steht wird das Fest der Frühlingsnachtgleiche gefeiert, das Osterfeuer angezündet, der Sonne Segen für das Jahr anzurufen. Mit Lust und Gesang wird um das Feuer gesprungen, und eine einzelne tiefe Frauenstimme singt:
„Ostra, Göttin, glänze;
Wirke Wärme Ostra!
Sonne ist erstanden,
Laub und Leben kommt“
In des Lichtes Luft
Schwillt die Knospe kräftig,
Weitet sich die Welt!“
Die Menge singt, wobei sie sich anfassen und um das Feuer springen:
„Ostra, Göttin, glänze
Wirke Wärme, Ostra“
War das Feuer herabgebrannt, ein Glühhäuflein geworden, aus dem nur hier und da Flämmchen zuckten, begann ein neues Spiel. Unter Jauchzen und Zurufen sprang das junge Volk einzeln oder auch paarweise über die Glut. War ein kecker Satz gut gelungen, schrie man Beifall und prophezeite ein gutes Gedeihen im Sonnenjahr.
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Quelle: Johann Georg Leuckfeld historische Beschreibung DES URALTEN FREYEN Weltlichen Reichs-Stiffts Gandersheim Wolfenbüttel 1709 S. 3f.