Der Deutsche Ritterorden (1226-1660)

Trotz des Irrsinns, der sich gegenwärtig (in geballter Form) vor uns auftut, sollten wir immer schön den Spuren unserer Deutschen Geschichte folgen.

Parallel der Beiträge zur Zeit der Wahlkönige, dem Haus Luxemburg, der tiefen Krise der Kirche zum Ende des 14. Jahrhunderts hin, und zum Übergang ins Haus Habsburg, möchte ich dem Deutschen Ritterorden noch ein Kapitel widmen.

Es würde natürlich den Rahmen sprengen wenn ich über die gesamte Zeit des Ordens berichten würde. Deshalb nur ein Auszug, weil wir uns auch in dem kommenden Kapitel aus der Reihe „Deutsche Geschichte“ über diese Zeit zu Orden und Hanse „belesen“ werden.

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Der Deutsche Ritterorden (1226-1660)

In einem Unterwerfungskrieg gegen die baltischen Pruzzen, schuf der deutsche Orden einen Staat, der zur Zeit seiner Hochblüte von Pommern bis zum Finnischen Meerbusen reichte. Der großen Kulturleistung und der Machtentfaltung in Preußen und im Baltikum folgte nach zwei Jahrhunderten der Niedergang.

Die Hochmeister, die ihren Sitz nach der Rückkehr aus Palästina zunächst in Venedig genommen hatten, machten sich Marienburg zu ihrer Residenz.

Der Strom, der aus Deutschland gerufenen Siedler kultivierte das Land rasch; der Ordensstaat war ihnen gegenüber vorerst freizügiger, als sie es von den oft drückenden feudalen Verhältnissen ihrer alten Heimat gewohnt waren. Seine höchste Machtentfaltung erlebte der Orden im 14. Jahrhundert unter dem Hochmeister Winrich von Kniprode.

Noch Hermann von Salza hatte 1237 die Vereinigung des Deutschordens mit dem Orden der Schwertbrüder vollzogen; diese hatten im Auftrag des deutschen Bischofs von Riga die die heidnischen Liven, Letten und Esten unterworfen, sahen sich allerdings in Estland von Dänemark bedroht.

Am zugefrorenen Peipussee scheiterte 1242 ein Vorstoß des Ordens nach Nowgorod. Ständig im Kampf lagen die Deutschherren mit den Litauen, deren Fürsten damals auch Weißrussland beherrschten. Da sie noch Heiden waren, konnten die Hochmeister immer wieder Kreuzfahrer als „Gäste“ aus aller Herren Länder einladen, die fast alljährlich Kriegsreisen ins Feindesland veranstalteten.

Die Wende zuungunsten des Ordens trat dann ein, als sich der litauische Großfürst Jagiello taufen ließ und die polnische Erbtochter Hedwig heiratete. Gegen diese nunmehr christliche mit Polen in Personalunion vereinigte Litauen, konnte der Orden keine Kreuzfahrer mehr rufen. Zudem waren die Glanzzeiten des Ritterstaates vorüber.

Im Jahr 1410 fiel Wladiyslaw Jagiello in Preußen ein. In der Schlacht bei Tannenberg /Grunwald erlitt das Ordensherr eine vernichtende Niederlage: selbst Hochmeister Ulrich von Jungingen wurde gefangen genommen. Erst vor der Marienburg konnten die Polen durch Heinrich von Plauen zurückgeworfen werden.

So beschied sich Polen im Frieden von Thorn (1411) vorerst mit der Zahlung hoher Kontributionen durch den Orden. Das freilich verschärfte die innere Situation des Staates.

Den Belastungen überdrüssig, bildeten Adel und Städte den Preußischen Bund.

Im Zweiten Frieden von Thorn (1466) kam es zur polnischen Lehenshoheit. Um diese Oberhoheit über das königliche Preußen abzuschütteln, wählten die Ritter nun deutsche Fürsten – zuerst Friedrich von Sachsen, dann Albrecht von Brandenburg –Ansbach – zu Hochmeistern.

Der Deutsche Orden bestand im Reich weiter: seine zahlreichen, im ganzen Reich verstreuten Güter verwaltete der Hoch- und Deutschmeister in zwölf Balleien (Verwaltungsbezirken). Kaiser Franz II. erhielt das Recht der Hochmeisterwürde einem Mitglied des Hauses Habsburg erblich zu verleihen. Napoleon löste den Orden auf, der priesterliche Zweig blieb in Wien bestehen.

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Der Deutsche Orden – auf einen Blick

 Der Deutsche Orden entstand im Jahr 1190 während der Belagerung von Akkon im Heiligen Land während des Dritten Kreuzzugs. Zunächst bestand die Mission darin, die kranken und verwundeten Kreuzfahrer zu pflegen.

 Im Jahr 1198 kam ein militärisches Element hinzu. Die Mission bestand darin, die Feinde der Christenheit, insbesondere im Heiligen Land, zu bekämpfen und die Pilger in das Heilige Land zu schützen.

 Als die deutschen Fürsten, die 1197 nach dem Heiligen Lane gekommen waren, auf die Nachricht vom Tode des Kaisers sich zur Heimkehr entschlossen, verwandelten sie 5. März 1198 in Accon mit Beirat der beiden ältern Ritterorden und andrer geistlicher und weltlicher Großen des Orients den Krankenpflegerorden in einen geistlichen Ritterorden.

 Papst Innocenz III. bestätigte den Orden durch die Bulle vom 19. Febr. 1199; außer den drei Mönchsgelübden übernahm der neue Orden gleich den Templern auch die Verpflichtung zum Heidenkampf und erhielt als Kleidung den weißen Mantel mit schwarzem Kreuz.

 Die Mitglieder des Ordens, die rittermäßigen Standes sein mussten, zerfielen in Ritterbrüder und Priesterbrüder,

 Vom König von Jerusalem erhielt der Orden, wie später auch in andern Ländern, Zollfreiheit und auf seinem schwarzen Kreuz das goldene Kreuz Jerusalems (nach der Tradition 1219);

 Kaiser Friedrich II. verlieh ihm das Recht, Reichslehen und Allodien durch Schenkung oder Kauf an sich zu bringen

 Aus Palästina mußten die Ritter 1291 weichen, als Accon, der einzige Punkt, den die Christen noch behauptet hatten, verloren ging. Nun wurde der Hauptsitz des Ordens, das Ordenshaupthaus, nach Venedig verlegt.

 Im Bunde mit der Hansa erlangte der Orden im Kampfe mit den nordischen Kronen 1370 den Frieden von Stralsund, in dem sich Dänemark unterwarf, und half das Unwesen der räuberischen Vitalienbrüder in der Ostsee bewältigen.

 Durch den Ankauf der Neumark von Brandenburg 1402 erlangte der Ordensstaat die größte Ausdehnung seines Gebiets.

 Im höchsten Grade schädlich war für den Orden die Vereinigung Litauens mit Polen durch die Vermählung des litauischen Großfürsten Jagello mit der polnischen Thronerbin Hedwig (1386).

 1410 Schlacht bei Tannenberg

 Im Jahr 1637 akzeptierten die Ritter offiziell den Schutz der Vereinigten Provinzen der Niederlande. Sie blieben ein Deutschordensorden, waren aber nicht mehr katholisch.

 Kaiser Ferdinand gab in Österreich 28. Juni 1840 neue Statuten, die den Orden als geistlich ritterliches Institut unter einem Großmeister (seit 1894 wieder: Hoch- und Deutschmeister) und der Oberlehnshoheit des Kaisers herstellten-Die Ordensritter und Priester werden nach ihren Ordensgelübden als Religiosen angesehen und teilen sich in Großkapitulare, Profess Ritter und Ehrenritter.

 Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich der Charakter des Ordens grundlegend: Eine adlige Abstammung war kein Zulassungskriterium mehr, und der Hochmeister war kein Habsburger mehr.

 Der Deutsche Orden wurde zu einer rein geistlichen Institution.

In den Niederlanden besteht die Ballei Utrecht noch fort, die eine der größeren Balleien war und 15 Komtureien besaß, von denen noch etwa 10 bestehen.

Landkomtur seit 1977 ist Paul Anthony van der Borch –

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Quelle: Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 47-51

Vgl. Joh. Voigt, Geschichte Preußens (Königsb. 1827–39, 9 Bde.);

Derselbe, Geschichte des Deutschen Ritterordens (Berl. 1857–59, 2 Bde.);

Rethwisch, Die Berufung des Deutschen Ordens gegen die Preußen (das. 1868); Strehlke, Tabulae ordinis Theutonici (das. 1869);

Röhricht, Die Besitzungen des Deutschen Ordens im Heiligen Lande (in der »Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins«, X, 267); Perlbach,

Preußische Regesten (Königsb. 1875–76); Ewald, Die Eroberung Preußens durch die Deutschen (Halle 1872–86, 4 Bde.);

Historischer Atlas Deutschland – Manfred Scheuch s.34


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