Wer hat Schuld am Krieg? Finden wir es heraus, denn nichts ist leichter als das…
Dieses Deutschland – aus allen Ecken und Enden tönt es wieder: Und wieder Deutschland. Haben die Leute nichts gelernt? Warum gerade wieder Deutschland? Schon wieder die Deutschen!

Welches Deutschland ist gemeint? Ist es das Deutschland, dass seit jeher mit der Schuld an Kriegen behaftet wird?
Auch 1914 kannte das deutsche Volk kein Verzagen. Es war erfüllt von dem Vertrauen auf seine Kraft und Führung und Überzeugung, dass dieser Krieg von den Gegnern lange vorbereitet und aufgezwungen worden war. Aber wer will davon schon was wissen? Was damals war…
Dank einer suggestiv, einhämmernden Werbesprache, kullert das Unwissen voran und entwickelt sich zu einer mächtigen Kugel, die alles Wissende gnadenlos überrollt.
Gestern musste ich wieder so einen Kommentar lesen – es betraf die von Alliierten zerstörte Stadt Pirmasens – „Auch das war Adolfs Werk“, heißt es. Dieses anerzogene Unwissen der Menschen ist oft so gruselig, und doch ist es das beherrschende „Element“ in dieser Gesellschaft.
Kein Wunder: Denn Die Verunglimpfung der bösen Deutschen zieht sich über sämtliche Ebenen wie Literatur, Filme und öffentliche Lehranstalten. Ich erinnere mich an den Streifen „Indiana Jones“, wo die schlechten Absichten der bösen Nazideutschen in kaum einer Szene ausgelassen worden sind. Der Schuldkult darf keine Unterbrechung erfahren! Daher bediente sich der jüdische Regisseur Steven Spielberg jeglicher Mittel (Wappen, Fahnen, Zeichen, Plakate), die immer und immer wieder aufklappten, Szenen, die dem Zuschauer tief ins Unterbewusstsein eingespielt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Sieger auch nachträglich mittels Bild, Ton und Schrift beweisen wie ausschließlich edel und gut sie im Gegensatz zu den Verlierern, den bösen und schlechten Deutschen, waren. „Indiana Jones“ war jetzt nur ein Beispiel. Denn es gibt hundertfach Filme von erfundenen „Dokumentationen“ bis zu Kriegs- und Polit-Schnulzen nach der Devise: „In bunten Bildern weniger Klarheit, viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit“. Wie solche Greuelfilme gemacht werden, dazu an anderer Stelle mal mehr.
So erinnern wir uns an Guido Knopps Missbrauch des „historischen Dokumentarfilms“. Und wie soll es auch anders sein: Er wurde für sein Tun gleich mehrfach ausgezeichnet: mit dem Europäischen Fernsehpreis, dem Telestar und dem Bundesverdienstkreuz. Sein Credo, dass unsichtbar über jedem Film steht, ist unverkennbar und lautet: „Wie haben ja angefangen, wir sind an allem schuld“.
Wer hat Schuld am Krieg? Nichts leichter als das…. Man muss nur oft genug mit dem Finger auf jemanden zeigen, eine Parole dazu stetig wiederholen, und zack ist es Gewissheit: eine Lüge, zum 85. mal gesagt, wird von der Mehrheit geglaubt. Und am besten prägt sich so etwas über Bild und Ton ein.

Übrigens: Knopps Kollegen von der Historikerzunft warfen seinen Filmen, die in über 50 Ländern verkauft worden sind, vor, sie seien populärwissenschaftlich, oberflächlich, unvollständig, und unterschwellig suggestiv.
Doch das tat seinem „Treiben“ keinen Abbruch: Über Knopps Interventionen wurden dem deutschen Zuschauer/Leser klar gemacht, dass er besser beschämt den Mund halte und sich mit einem Mea culpa (meine Schuld) an die Brust schlage.
Knopp schöpfte alles aus, um ein (un) „würdiger“ Preisträger zu sein.
Die Kriegsschuld muss nicht neu erfunden werden, nur weiter fortgeführt. Und ich sehe, wenn auch noch verschwommen, es bereits vor mir: Die Mehrheit eines bestimmten Volkes schlägt sich auf die Brust, hält beschämt den Mund und wird seinen Schuldkult fortführen.
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Infotafel:
Das große Morden in deutschen Landen- der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und seine Bilanz: Drei Jahrzehnte wütete ein Krieg in Mitteleuropa. Er begann als Religionskonflikt, doch bald ging es nurmehr um Machpolitik, und zeitweise kämpfte jeder gegen jeden. Am Ende des Krieges war Deutschland in über 300 Kleinstaaten gesplittert. Weite Gebiete waren menschenleer. Die Bevölkerung war von ursprünglich von 18 Millionen auf 7 Millionen gesunken. In manchen Gegenden wurde die ursprüngliche Einwohnerzahl erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht.
So lohnt der Blick ins 19. Jahrhundert und damit auch auf den Schandvertrag von Versailles: Dazu schrieb der berühmte deutsche Historiker Hans DELBRÜCK (1848-1929): »Dieser Friede, den sie uns auferlegen, hat keinerlei Kennzeichen des neuen Zeitalters, sondern ist der Gewaltfriede alter und ältester Art, der nicht einen, sondern hundert neue Kriege im Bauche trägt.
Dieser sogenannte „Friedensvertrag“ von Versailles legte Deutschland untragbare wirtschaftliche Lasten auf, was mit zum beschleunigten Niedergang der Weimarer Republik beigetragen hat.
Im Versailler Vertrag von 1919 wurde in Artikel 231 dem Deutschen Reich die alleinige Schuld am Ausbruch des Weltkrieges 1914 zugesprochen. Von diesem Artikel leiteten die Alliierten praktisch unbegrenzte Reparationsforderungen gegen Deutschland ab. Und dieses Werk erstreckt sich bis in die Gegenwart.
Die Anlässe für den Ausbruch des Weltkrieges 1914-1918 waren nichtig im Vergleich zu den langfristigen Folgen: die Selbstentmachtung der europäischen Großmächte einschließlich Sowjetrusslands, der Aufstieg der USA zur einzigen Supermacht, die Auflösung der europäischen Kolonialreiche und schließlich der Aufstieg Chinas und Indiens zu neuen Weltmächten
Nun bedarf es offenbar eine „Auffrischung“ des Werkes. Und dazu sind ja bekannterweise alle Mittel recht.
Auf dem Bild seht ihr: Das Vertragssystem in Europa am Beginn des Ersten Weltkrie – ges. Karte aus: Chronik des 20. Jahrhun – derts, Chronik, München 141995, S. 172.
