Von der wachsenden Macht und Blüte der Städte und vom Strafvollzug im Mittelalter

Wer ein strafbare Handlung beging, verletzte den allgemeinen Frieden. Er wurde daher auch in aller Öffentlichkeit bestraft. Den Händelsüchtigen z. Bsp. spannte man mit Händen und Füßen in den „Stock“ und gab ihn auf diese Weise wehrlos dem Gespött der Menge preis.

Die Härte der Strafen ist nach unseren heutigen Begriffen oft nicht entfernt dem Vergehen angemessen. Seit dem 13. Jahrhundert nahm die allgemeine Rohheit der Gesinnung immer mehr zu und mit ihr auch die Schärfe der Rechtsprechung.

Im 14. Jahrhundert wurde nach dem Beispiel der romanischen Länder, auch die Folter eingeführt und mit dem Eindringen des römischen Rechts immer häufiger angewandt (am grausamsten im 16. und 17. Jahrhundert).

Zahlreiche Unschuldige, vor allem sogenannte Zauberer und Hexen, werden durch sie zu falschen Geständnissen gezwungen. Die gebräuchlichsten Folterwerkzeuge waren: Daumenschraube, glühende Zangen. Peitschen, spanische Stiefel u. a. (Erst im 18. Jahrhundert wurde das Folterwesen abgeschafft).

Zu den zahlreichen Mitteln des Strafvollzuges gehörte auch die „Taufe“. Der Schuldige wurde in eine Käfig gesetzt und immer wieder ins Wasser getaucht. Es kam oft genug vor, dass der „Täufling“ infolge zu häufigen oder zu langen Untertauchens schwer erkrankte oder gar ertrank.

Frauen, die miteinander auf offener Straße gezankt hatten, wurden auf dem Marktplatz in die „Fiedel“ gespannt, damit sie öffentlich verlacht und verspottet würden. Wer andere verleumdete, wurde an den „Pranger“ gestellt, d. h. er wurde für einige Stunden an einen Pfahl gebunden, anderer wieder wurden, verkehrt auf einem hölzernen Pferd sitzend, durch die Stadt geführt.

In den Jahrhunderten der salischen und der staufischen Kaiser entwickeln sich die Städte immer mehr zu Mittelpunkten eines neuen Lebens und einer neuen Gesellschaft neben dem Ritterstand. Im ausgehenden Mittelalter steigen sie durch den Fleiß und die Tüchtigkeit ihrer Bürger zu hoher wirtschaftlicher Blüte empor.

Wohlstand und Bürgerstolz schmückten die Städte mit einer Fülle schöne rund nützlicher Bauten. Herrliche Dome, prächtige Rathäuser, stattliche Privatbauten entstanden und sind zum Teil heute noch stolze Zeugen jener Zeit. Das Bürgertum förderte auch Technik und Wissenschaft; gar manche wertvolle Erfindung ging aus seine Werkstätten hervor.

Gegen die wachsende Macht und Blüte der Städte trat mit der Zeit der Ritterstand auf dem Lande in feindlichen Gegensatz. Das Raubrittertum verband sich in förmlichen Bündnissen gegen die Städte. Demgegenüber und auch zum Schutz gegen die Fürsten schlossen sich – auch die Städte zu Bündnissen zusammen. So entstanden im 14. Jahrhundert der Rheinische und der Schwäbische Städtebund.

Der ständige Zwiespalt und Kampf zwischen Fürsten und Städten dauerte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Bis dahin bildete einen Stadt einen Staat im Staat. Seitdem aber ist die Zeit der großen Städtebünde und bald auch die Zeit der Reichsfreiheit für die meisten Städte vorbei.

Die Fürsten siegten auf der ganzen Linie, sowohl gegen die Ritter als auch gegen die Städte. Die Städte werden den Landesherren unterworfen und sinken – bis auf einige Ausnahmen – zu abhängigen Landesstädten herab. So rissen die Fürsten die politische Führung an sich ; andererseits wurden die Städte die wichtigsten Kulturzentren und Bildungsstätten.

Zu den hervorragendsten deutschen Städten um 1500 gehörten die freien Reichsstädte Nürnberg und Augsburg. Besonders in Nürnberg von vielen gepriesen als „des deutschen Reiches Schatzkästlein“, erlebten damals Volkswirtschaft, Kunst und Kunsthandwerk eine wundervolle Blüte.

Hier schufen der Holzbildhauer Veit Stoß, der Steinbildhauer Adam Kraft und der Erzgießer Peter Vischer ihre Werke von unvergänglicher Schönheit: Hier wirkten ferner der vielleicht größte deutsche Meister Albrecht Dürer, der Geograph Martin Behaim, der den ersten Erdglobus herstellte, der Humanist Willibald Pirckheimer und der wackere Meistersinger, Poet und Schumacher Hans Sachs – Augsburg wieder war berühmt durch seine Kaufleute, besonders durch den Reichtum der beiden Patrizierfamilien Fugger und Welser.


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