Kreis, Strich, Häkchen: fertig. 1958 erfand ein britischer Designer das Peace-Zeichen. Seither pinseln Friedensbewegte in aller Welt das Symbol auf Bäuche, Busse und Büros – dabei ist die berühmte Ikone von der Militärsprache inspiriert.

Es gehört zur Ironie der Geschichte des Friedenssymbols, dass sich sein Erfinder vom Militär inspirieren ließ. Gerald Holtom erzählt, dass er zwei Buchstaben des Winkeralphabets der Marine miteinander kombiniert habe: N (zwei schräg nach unten gestreckte Fahnen) und D (je eine Fahne Nach einem Artikel in der Wochenzeitung „Weltwoche“, die Initialen für Nuclear Disarmament – nukleare Abrüstung.

Holtom hatte das Winkeralphabet, das zur Nachrichtenübermittlung zwischen Schiffen dient, in der britischen Hafenstadt Norfolk kennen gelernt, wo sich der überzeugte Pazifist und Dienstverweigerer während des Zweiten Weltkrieges verkrochen hatte.
Dass sich Holtom bei einer Zeichensprache des Krieges bediente, wussten die meisten nicht. Die Hippies pachteten das Symbol, Feministinnen pinselten es auf ihre schwangeren Bäuche, US-Soldaten in Vietnam ritzten es in ihre Zippo-Feuerzeuge, 1968 tauchte es an den Hauswänden in Prag auf, ein paar Jahre später auf Gräbern der Opfer der argentinischen Militärdiktatur und in den Townships Südafrikas.
Holtom störte es nicht, dass sein Zeichen von allerlei Interessengruppen benutzt wurde. Im Gegenteil. Er hat sich bis zu seinem Tod 1985 geweigert, sein Zeichen patentieren zu lassen: «Ein Symbol der Freiheit muss frei sein für jedermann.»
Was bis heute die wenigsten wissen: Das Symbol ist weder eine Erfindung des britischen Pazifisten, noch hat seine ursprüngliche Bedeutung mit Freiheit und Frieden zu tun. In fast identischer Form (ohne Kreis) war «Holtoms Zeichen» vor 1800 Jahren bei den Germanen in Gebrauch. Die so genannte Yr-Rune bedeutete «toter Mann» und wurde als Todessymbol verwendet.
Dazu hat Holtom 1958 noch eine zweite Interpretation vorgetragen: «Das gebrochene Kreuz könnte auch Tod bedeuten», habe er dem Protestmarsch-Komitee erzählt, «
Holtoms Herleitung entspricht präzise der altgermanischen Runenmystik. Ähnlich ist sie auch im «Book of Signs» nachzulesen, einem Standardwerk mittelalterlicher Symbolik, das in den fünfziger Jahren unter Kunststudenten große Beliebtheit genoss. «Es ist undenkbar, dass Holtom als Direktor eines Grafik-Ateliers keine Kopie des Buches besaß», ist Barry Miles überzeugt.
Anti-AKW, Greenpeace, Gucci – wer immer heute ein Anliegen oder Produkt mit moralischem Wohlfühlfaktor unters Volk bringen will, bewirbt es gerne mit Holtoms Symbol. «Die Kinder von heute erkennen es auf den ersten Blick», schreibt Ken Kolsbun in seinem Buch über das Peace-Symbol. «Sie mögen seine ursprüngliche Bedeutung nicht kennen, aber assoziieren es eingeübt als etwas Gutes.
Frei auch für die Geschäftsmänner in aller Welt, die das Zeichen als Modeaccessoire vermarkten – und so ihres Sinnes zu entleeren versuchen. Zudem schläft die Konkurrenz nicht, ungeachtet der Popularität des Peace-Kreises: Pace-Fahnen, Friedenstauben, das Victory-Zeichen, der Regenbogen – alle buhlen sie um die Gunst der Friedensaktivisten.



Dass nun gerade Churchill der Überbringer (nicht Urheber) eines „Friedens“ Zeichens ist, interessiert auch nicht. Gut propagiert, gut vermarktet, keine Fragen mehr gestellt.
Der Ursprung des Ganzen versinkt, wie nahezu überall, sang- und klanglos im Nebel. Und weil das so ist, bejubelte man eben auch kommunistische Feierlichkeiten wie den 8. März und schenkt sich rote Nelken.
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Text verfasst, frei nach einem Artikel der Weltwoche
Info, entnommen aus einem Leserkommentar:
„Das Victory Symbol kommt noch aus dem Mittelalter und Churchill hat es wieder rausgeholt. Das Rückgrat der englischen Streitkräfte waren ihre berüchtigten Langbogenschűtzen. Diese haben das V Zeichen (die beißen Finger zum Bogen spannen) immer gemacht um der gegnerischen Armee ihre Zuversicht zum Sieg zu demonstrieren.
In Gefangenschaft hat man den Bogenschützen diese beiden Finger immer abgeschnitten
Es handelt sich jedenfalls um ein Fingerzeichen das ganz im kriegerischen Kontext verwendet wurde und so Kampf, Sieg und Kampfwillen demonstriert das auch zu Churchill passt v.a. als Angelsachse.
Also weit weg vom Hippie peacy Weg. Aber heute ist es ja noch weiter transformiert in irgendeine dämliche, unbewusste Geste, die man halt so macht wenn man die Entenschnute zieht und das V Zeichen zum Insta Bild macht.“