„Schlesien lebt und wird überleben, auch wenn heute fremde Gewalt Macht über Schlesien ausübt. Vertreibung und Annexion sind zwar historische und politische Realitäten, aber sie schaffen kein neues Recht.“ (Albert Schmitt, ein Pfarrer aus Grüssau im Mai 1945)
Viele der geflohenen oder vertriebenen Schlesier leben heute nicht mehr. Doch sie haben es niedergeschrieben, ihren Schmerz und die Ratlosigkeit in sich, als sie durch die Straßen Breslaus gingen… Sie haben uns etwas hinterlassen. Die Toten können nicht mehr berichten, es ist die Pflicht der Nachkommen es für sie zu tun.

Was bisher geschah: Am 13. Februar 1945 vereinigten sich russische Panzerkräfte an der Autobahn Breslau-Liegnitz und schlössen den Ring um Breslau. Am 15. Februar gab die Kommandantur die Einschließung der Stadt der Bevölkerung bekannt.
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Der erste russische Angriff richtete sich bald nach der vollzogenen Einschließung gegen die Südfront der Festung. Dem Angreifer gelang zuerst ein tiefer Einbruch, der schnell zum Verlust des Stadtteils südlich des Hindenburgplatzes führte.
Hier versteifte sich aber der deutsche Widerstand, und es begann ein wochenlanges Ringen, indem sich der Russe beiderseits des großen Magsitrals, der früheren Kaiser-Wilhelm Straße, in Richtung auf den Hauptbahnhof vorwürgte, bis ihm in der Mitte des März in Höhe der Viktorin Straße ein endgültiges Halt geboten wurden.
Es brach ein Sturm herein, wie ihn Breslau seit dem Mongolensturm von 1241, der Breslau niederbrannte, nicht mehr erlebt hatte. Nach der Stille des Ostersonnabends setzte am ersten Ostertag ein Trommelfeuer schwersten Kalibers auf die deutschen Stellungen und die Stadt ein. Schwere Bombenangriffe gingen hernieder.


Der Dom wurde zerbombt, die Häuser der Dominsel zerstört. Die Domtürme brannten zu traurigen Stümpfen herab, vernichtet wurden die Ohlauer- und Taschenstrasse, zum großen Teil die Hauptstraße Breslaus, die Schweidnitzer Straße. Es brannten die Hauptpost, das Postscheckamt, das Gemäldemuseum, das Museum für Altertümer, ganze Häuserviertel standen in Flammen, die Häuser stürzten zusammen. Wer sich ins Freie wagte, drohte im Funkenregen in Flammen zu stehen.
Ein Geistlicher am Dom sagte unter dem Eindruck der Ostertage: «Wir glaubten die Schrecken des Jüngsten Tages seien gekommen.» Das Kleinod Breslaus, das gotische Rathaus, in dessen Kellern hunderte Verwundete lagen, blieb erhalten.
Um die Mitte des März war das Schicksal Breslaus eigentlich besiegelt. Einen militärisch echten Sinn hatte die weitere Verteidigung nicht mehr, abgesehen von der Bindung von 12 russischen Divisionen, die damit nicht an anderer Stelle wirksam werden konnten. Dass die Besatzung und Bevölkerung auch weiter sechs Wochen durchhielt, war vor allem das Wissen darum, dass dieses Stadt, über die täglich und stündlich der Feuersturm des Angreifers aus den weiten Ebenen Asien dahin raste, seit 700 und mehr Jahren deutsch war und geblieben ist, das diese Stadt schon einmal der grauenvollen Umschließung der asiatischen Horden des Dschingis-Khan ihr Deutschtum bewahrte und trotzig erkämpfte,
dass dieses Stadt und Festung der erste große zentrale Mittelpunkt europäischer Kultur an der Schwelle des großen asiatischen Tieflandes war.
Diese zweihunderttausend deutschen Männer und Frauen haben in der Tiefe ihrer Seele vielleicht darum gewusst, dass europäische Kultur im Kampf der Geister und im Kampf der Schwerter gegenüber der Tyrannei jedweder Art jeden Tag neu erkämpft und errungen werden muss, und das nur tapferster und äußerster Kampf um diese Dinge die Berechtigung verleiht, das Licht Europas einmal wieder an dieses Stelle zu tragen, wenn es auch jetzt im Sturm der Raserei verlöschen musste.
Vielleicht war es so!
Ostern 1945, sonst von den unzähligen Kirchenglocken Breslaus jubelnd begrüßt, sah die fürchterlichste Beschießung der Stadt aus unzähligen Rohren der russischen Artillerie, sah die pausenlosen Luftangriffe der russischen Flieger im rollenden Einsatz. Noch immer wehrten sich die Deutschen. Noch immer ratterten ihre Maschinengewehre gegen die vorquellenden russischen Massen, deren Angriffe nun auch auf die Front ostwärts der Oder übergriffen.

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Im nächsten Teil dieser Reihe lesen wir dann vom 7. Mai, als die Festung Breslau gefallen ist. Der Kampf um Schlesien war zu Ende, was folgte, war die menschenunwürdige Austreibung einer Bevölkerung aus ihrer Heimat, um die sie gearbeitet, gelitten und gestritten hatte, wie alle deutschen Menschen im deutschen Osten.
Was den Menschen bereits zuvor widerfahren ist, lässt sich auch nur schwer in Worte fassen.
„Bei schneidender Kälte von 20 Grad und mehr zogen die Elendstrecks der Alten, Frauen und Kinder aus den schlesischen Dörfern in westlicher und südlicher Richtung dem schlesischen Gebirge zu. Die Frauen Breslaus erschraken nicht wenig, als sie am 20. und 21. Januar die Durchsage von den Lautsprechersäulen hörten: «Frauen und Kinder begeben sich zum Fußmarsch auf die Straße nach Opperau in Richtung Kanth.» Der Andrang auf den Bahnhöfen war inzwischen so groß, dass der Bahnverkehr auf den Bahnhöfen fast zum Erliegen kam.




Schon in der ersten Nacht, zu Beginn der Kämpfe, erfroren unzählige Kinder, obwohl die Mütter vielfach ihre Koffer wegwarfen, um die Kinder an ihrer Brust zu bergen. Nach der zweiten Nacht war die Hiobsbotschaft vom Sterben der Kleinkinder und dem Flüchtlingselend der Mütter in Kälte und Hunger nach der Stadt zurückgedrungen, dass fast jeder vor solcher Flucht ohne Quartier und Verpflegung zurückschreckte. In Breslau sagten sich Tausende, haben wir unser Bett, Kohle und Kartoffeln, dann wollen wir lieber hier umkommen als erfrieren oder verhungern. So blieben mindestens 200000 Zivilpersonen, zu denen noch einige zehntausend aus den benachbarten Landkreisen stießen, ehe die Festung sich schloss.“
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Nicht nur Breslau gehört in dieses Bild, auch der schlesische Bauer sei hier gewürdigt. Man hatte sich Ende März auf Grund der in einem Teil Schlesiens gefestigten Lage zur Frühjahrsbestellung entschlossen, auch in den frontnahen evakuierten Räumen. Aus dem Restteil des Kreises Grottkau ist es bekannt, dass diese Frühjahrsbestellung Ende April unter schwierigen Bedingungen und Gefahren für die Bauern bis dicht hinter der Front gelungen ist.
Hier hat man nicht zu rechten und zu richten, ob dieser Entschluss denn angesichts der Gesamtlage richtig oder falsch war. Dagegen sollten wir alle gerade heute anerkennen, dass man diese Bestellung noch unter solchen Erschwerungen gewagt hat. In jener Zeit bevorstehender Auflösung und drohenden Zusammenbruchs war das eine letzte große Tat des schlesischen Bauern. In treuer Hingabe an die Heimaterde.
Ebenfalls zu würdigen sind die Unternehmungen der Deutschen Reichsbahn.
Es waren Züge zu fahren für: Flüchtlinge, Kohlen für Wirtschaft und Hausbrand, Dienstkohlen, Truppentransporte, Verwundete, Versorgung der Truppe, Industriegüter, dienstliches und wirtschaftliches Räumungsgut, Verlegung von Reichsbahndienststellen.
Nun muss man sich vorstellen, dass alle Eisenbahntransportbewegungen jedweder Art nur laufen können, wenn außer der Garantie aller rein betrieblichen Funktionen (Lokomotiven, Kohle, Wasser, Signale, Weichen, Brücken, Tunnels, Zugpersonal und dergleichen) auch der Wagenumlauf nicht stockt. Andernfalls fehlt es bei den einladenden Abgangsbahnhöfen sehr bald an genügendem und passendem Leermaterial.
Wenn nun in Schlesien im Januar und Anfang Februar 1945 die gleichzeitige Bewältigung aller Aufgaben unmöglich blieb, so war eine der Ursachen der mangelnde Wagenumlauf. Und dieser wurde durch die erheblichen Betriebsstörungen verursacht, welche die anglo-amerikanische Luftwaffe in anderen Teilen des Reiches in wachsendem Masse anrichtete
Zudem hatte der anglo-amerikanische Luftangriff auf Dresden am 13. und 14. Februar bewirkt, den Görlitzer Verschiebebahnhof Schlauroth vorübergehend völlig zu verstopfen.
Der Reichsbahn und den schlesischen Eisenbahnern zur Ehre sei es gesagt, dass niemand seinen Posten ohne Befehl verlassen hat. Wie der Soldat hat der Eisenbahner seine Pflicht getan.
Unter sehr großen Schwierigkeiten hat der schlesische Eisenbahner Großes geleistet – Die große Strecke Görlitz-Glatz-Oberschlesien, bis zum Ende des Kampfes in Betrieb, hatte für die Führung bei der langen Behauptung Schlesiens entscheidende Bedeutung – Täglich 6 Kohlenzüge aus dem Rybniker Revier bis Ende März und täglich 12 Kohlenzüge aus dem Karwiner Revier bis Ende April – Über 1.7 Millionen Flüchtlinge wurden befördert.
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Im weiteren Verlauf der Schlacht ist am 23./24. März die «Festung» Neiße verloren gegangen, während die schließlich hinter den starken Biele-Abschnitt zurückverlegte Front südlich Neiße ebenso hielt, wie die nach Osten gerichtete Kampffront nördlich Neiße.
In der am 15. März beginnenden Schlacht hat die Heeresgruppe den Raum CoselOppeln-Grottkau-Neiße-Neustadt verloren.
Aber war es nur der Raumverlust? Weit schwerer wog abermals der Verlust an Soldaten, schweren Waffen und Material. Mehr noch als die 344. Division und die 18. SS-Panzergrenadierdivision hatten die Divisionen des 56. Panzerkorps (Korpsgruppe Schlesien) gelitten, die 168. Division und die 20. SS-Division, welche aus estnischen Freiwilligen bestand.
Außerdem waren infolge fehlender Voraussicht und mangels rechtzeitiger Anordnungen wiederum Trecks mit Frauen, Kindern und Greisen mitten in die Schlacht geraten.
Nachdem der Feind von Mitte April ab die Front der Lausitzer Neiße durchbrechend auf die Südfront Berlins angetreten war und am Südflügel der Heeresgruppe auch die Mährische Pforte endlich aufgestoßen hatte, bestand die Frage, welche Aufgabe der Kampf in und um Schlesien nun noch habe. Die einfache Antwort lag wohl auch damals auf der Hand: es mussten noch weiterhin die Flucht-Straßen der durch das Protektorat nach Westen ziehenden Trecks geschützt werden.
Einer der ,berühmtesten‘ Trecks war der ,Richthofen-Treck‘, welcher nach seinem Führer Baron Freiherr von Richthofen benannt wurde. In diesem Treck flüchteten ungefähr 700 Menschen Richtung Westen. Sie wurden von Tieffliegern beschossen und hatten dadurch Mitreisende und auch 12 Pferde verloren, doch sie haben es geschafft und sind angekommen.
Als zweite Aufgabe nach dem Schutz der Treckstrassen bestand die Pflicht, möglichst viel deutsche Truppen dem feindlichen Zugriff zu entziehen und damit vor den Drangsalen böser sowjetischer Gefangenschaft, vor Demütigung, Krankheit und Siechtum, ja Tod zu bewahren.
Der Schlesier und der Soldaten Opfer, vor deren Größe wir in Andacht verstummen, haben jenen nach Westen ziehenden Millionen Schlesiern den Weg in die Freiheit und zu neuem Leben gerettet. Wessen entsetzte Augen Brand und Blut, Tod und Grauen überfallener Heimstätten, zusammengeschossener und niedergewalzter Trecks gesehen, wessen schmerzende Ohren zum Himmel schreiendes Leid gehört haben, wird nun ermessen können, vor welch grausamem Tod und vor wieviel Not der Kampf um Schlesien mit seinen Opfern die in die Freiheit Ziehenden bewahrt hat.




bisher aus dieser Reihe verfasst: