Maximilian I. (1493-1519)
Der junge 34jährige Herrscher war gerade das Gegenteil seines Vaters, lebhaft und gewandt, mutig bis zur Tollkühnheit und voll rastloser Tatenlust, von hoher, schöner Gestalt und ein Meister in allen ritterlichen Künsten; im Turnier und auf dem Schlachtfeld hat er manchen Gegner in den Sand gestreckt.

Als während eines Reichstages in Worms 1495 ein riesenhafter französischer Ritter die Deutschen zum Zweikampf herausforderte, ritt nach bangem Warten ein deutscher Ritter mit geschlossenem Visier in die Schranken. Nach kurzem Kampf lag der Gegner am Boden, und als der Sieger das Visier öffnete, da war es der Kaiser. Unendlicher Jubel dankte ihm. Durch sprühenden Geist und leutseliges Wissen entzückte er alle, die mit ihm in Berührung kamen. Infolge seiner gewinnenden Art war er, zumal beim einfachen Volk, sehr beliebt. Er war freigiebig, aber leider ein sehr schlechter Wirtschafter, dauernd in Schulden.
Bei all seinen glänzenden Gaben fehlten ihm die wichtigsten Eigenschaften eines Herrschers: Festigkeit und Ausdauer. Nichts tat er gründlich und nach reiflicher Überlegung. Deshalb brachten ihm die viele Kriege, in die er sich verwickelte, wenig Gewinn, und durch sein unruhiges Umherschweifen, sein beständiges Ergreifen neuer Aufgaben steigerte er nur noch die Verwirrung in Deutschland.
Und doch war seine Regierung für das Reich nicht ohne Vorteil.


Erwähnenswert: Die Kaufmannsfamilie der Fugger in Augsburg war berühmt durch ihren sagenhaften Reichtum. Der bekannteste Sproß dieses Geschlechts ist Jakob Fugger. Viele große Herren waren seine Schuldner, sogar der Kaiser und der Papst. Karl V. weilte oft als Gast im Fuggerhaus. Bei einer solchen Gelegenheit soll Jakob Fugger vor den Augen des Kaisers einen Schuldschein über eine große Summe ins Feuer geworfen haben.

Auf dem Reichstag zu Worms 1495 ließ Maximilian einen ewigen Landfrieden beschließen, der jede Art von Selbsthilfe, im besonderen die Fehde, verbot. Die Entscheidung aller Streitigkeiten wurde einem Reichskammergericht übertragen. Zu dessen Unterhalt wurde der „Allgemeine Pfennig ausgeschrieben , dieser sollte durch die Pfarrer nach Maßgabe der Leistungskraft erhoben werden, aber die Gelder gingen nur sehr spärlich ein. Immerhin war es die erste allgemeine Reichssteuer.



Ferner wurde Deutschland in zehn Kreise eingeteilt, von denen jeder ein Kriegskontingent stellen sollte, um die Urteile des Reichskammergerichts durchzuführen. Aber auch dieses Reichsheer stand nur auf dem Papier. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1500 wurde beschlossen, ein ständiges „Reichsregiment“ zu bilden – eine Reichsregierung, bestehend aus 20 Mitgliedern.
Zu seinem Stellvertreter bei dieser Behörde ernannte Maximilian den Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen, den angesehensten Fürsten der Zeit. Von geschichtlicher Bedeutung ist dieser vor allem dadurch geworden , dass er seine schützende Hand über Luther hielt, als dieser in Bann und Acht getan worden war. Das Reichsregiment war nur von kurzer Dauer.
Weit glücklicher als in seinen Kriegen und politischen Bestrebungen war Maximilian, wie sein Vater, in dem Bestreben, seine Hausmacht und den Glanz seines Hauses zu mehren. Außer Burgund, durch seine Heirat, gewann er durch Vermählung seines Sohnes Philipp, für sein Haus die Anwartschaft auf die Königreich Kastilien und Aragonien.

Nach Phillips frühem Tod vereinigte dessen Sohn Karl die beiden Länder zum Königreich Spanien. Da dieser nun auch die Länder der neuen Welt beherrschte und die spanischen Besitzungen in Italien – Neapel, Sizilien und Sardinien – behielt, so wurde dieser Karl, der nach Maximilian als Karl der V. den deutschen Kaiserthron bestieg, der mächtigste Fürst seiner Zeit, „in dessen Reich die Sonne nicht unterging“.

Maximilian steht auf der Schwelle zweier Zeitalter, er ist halb noch dem Mittelalter, halb schon der Neuzeit zugewandt. Ein Freund des Rittertums, förderte er die Turniere, als der „letzte Ritter auf dem Kaiserthron“: Er war aber zugleich der Schöpfer des deutschen Landsknechtwesens und erlebte auch noch den Beginn der Reformation.
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In den nächsten Tagen tasten wir uns langsam an die Neuzeit heran, und beschäftigen uns in Ansätzen mit Renaissance und Humanismus, Entdeckungen und Erfindungen dieser Zeit. Dann beginnt das Zeitalter der Reformation.
Zuletzt aus der Reihe (deutsche Geschichte nach Albert Thümmel) verfasst: