In liebevoller Erinnerung an eine wundervolle Frau und Mutter, Oma und Uroma

Ein Mutterherz hat aufgehört zu schlagen.

Mit 101 Jahren hat meine Mutti am 17. März 2024 für immer ihre müden Augen geschlossen. Ein stolzes Alter, ein stolzes Leben: Was uns bleibt, ist der Rückblick auf eine bewegte Zeit und damit verbunden, viele Erinnerungen an die guten Momente und schönen Tage.

Was so mancher vielleicht gar nicht weiß: Meine Mutti ist der Grund dafür, dass ich diese Website überhaupt ins Leben gerufen haben. Das war am 17. Februar 2023. Zu Lebzeiten hat sie mir all die Niederschriften ausgehändigt, aus denen wir heute lesen und erfahren, wie es sich einmal zugetragen hat – Ereignisse und Geschichten aus längst vergangenen Tagen, aus einer Zeit, von über mehr als 100 Jahren.

Was sie uns hinterlassen hat, trägt einen unschätzbaren Wert. Und hier wissen die meisten unter uns, dass es sich dabei weniger um einen materiellen Wert handelt, sondern es ist vielmehr der ideelle Wert: Ihr großes Wissen, und ihre Niederschriften zu historischen Ereignissen und unserer deutschen Geschichte.

Ebenfalls daraus hervorgegangen, ist der Videokanal „Gelesen aus den Tagebüchern meiner Mutter“ @KlaraFall-dasglaubewerma-kg3kp.

Dort lese ich aus ihren Niederschriften und Tagebüchern. Also all das, was sie einst niedergeschrieben hat. Es war ihr großer Wunsch, darüber zu berichten. Es ist die Pflicht der Nachkommen, das zu tun. Denn nur wer etwas selbst erlebt hat, kennt auch die Wahrheit. Ein wertvolles Gut einer Erlebnisgeneration, dass wir bewahren müssen. Denn die Toten können nicht mehr berichten, über Ereignisse, die nicht nur ein eindrucksvolles Bild mit viel Wissenswertem aus der Vergangenheit hinterlassen, sondern auch erschüttern, traurig und nachdenklich stimmen.

Was diese Generation gelitten, und aus dem Nichts wieder geschaffen hat, lässt sich kaum in Worte fassen. Ihren Nachkommen haben sie Werte und Traditionen vermittelt, sie haben die Heimat wieder aufgebaut, und das unter widrigsten Bedingungen. Heute erfahren diese Leistungen und das Wirken kaum Anerkennung, werden viel zu oft vernachlässigt und mit Füßen getreten.

Ein Mutterherz hat aufgehört zu schlagen.

Ihrem Wunsch der Bestattung auf See kommen wir gerne nach. Wir werden sie dort würdig verabschieden. Die Insel Usedom war so ein bisschen wie unsere zweite Heimat. Jedes Jahr verbrachte sie dort mehrere Wochen mit der Familie ab den 1950er Jahren. Ich war gerade geboren ( April 1965), schon schlummerte ich im Sommer 1965 am Meer.

Eine Seebestattung verkörpert vor allem das Symbol der Freiheit. Das weite Meer steht für Unendlichkeit, seine Wogen für Lebendigkeit. Dass die Mutti nun bald in die Weiten des Wassers eintaucht, ist für uns tröstlich, denn sie ruht dann in einer unendlichen und harmonischen Umgebung – in einer Freiheit, die ihr in Lebzeiten so oft verwehrt geblieben ist.

„Es war, als hätt’ der Himmel

Die Erde still geküßt,

Daß sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müßt’.

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis’ die Wälder,

So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.“

(Joseph von Eichendorff)


Über 300 Beileidsbekundungen erreichten uns bis zum frühen Morgen des 18. März 2024 auf dem Social Media Kanal, nach der Mitteilung, dass die Mutti am 17. März 2024 für immer ihre Augen geschlossen hat.

Meinen lieben Mann und mich berührt es sehr, wie viele Menschen es zu schätzen wissen, was sie uns hinterlassen hat. Ein Erbe und ein Werk, dass uns alle etwas angeht, denn es ist die Geschichte einer Frau zur deutschen Geschichte ab 1923.


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