Nun sind wir angelangt, im Zeitalter der Reformation – es geht weiter in der Reihe „Deutsche Geschichte nach Albert Thümmel“.

Wobei ich nicht alles, was Albert Thümmel einst zu Papier brachte, ohne gründliche Recherche weiterreiche. Daher auch dieser von mir am 26. Oktober 2023 verfasste Beitrag: https://undinepeter.blog/2023/10/26/luther-ein-einsamer-held-reformation-papsttum-jud-entum-mythos-falschung-oder-wahrheit/

Albert Thümmel schreibt indes: Die Sehnsucht nach einer Reform war schon lange in den Gemütern der Christenheit lebendig…

Bis dahin gehe ich auch mit. Nur an der Aussage: „Erst Luther habe es vollbracht, dass dieses Bewegung in Gang kam“, daran störe ich mich ein wenig. Denn bereits seit Herbst 1516 erfolgte an der Wittenberger Universität im Rahmen von Disputationen ein intensiver Gedankenaustausch über theologische Probleme. Zu diesem Kreis gehörten, Bartholomäus Bernhardi, Nikolaus von Amsdorf, Johannes Dölsch und Andreas Bodenstein aus Karlstadt, Luthers Doktorvater.

Doch nun zurück zu Luther. Geboren 1483 in Eisleben, hatte Martin Luther die Lateinschulen zu Magdeburg und Eisenach besucht, dann die Universität zu Erfurt, um nach dem Willen des Vaters die Rechte zu studieren. Er war ein frischer, fröhlicher Student, der den Degen trug und die Laute zu schlagen wusste.

Plötzlich an einem Julitag 1505, klopfte er an die Pforte des Augustinerklosters in Erfurt und bat um Einlass. Die tiefsten Ursachen für diesen jähen Entschluss, der ihm das Elternhaus auf Jahre hinaus entfremdete, werden sich wohl nie ganz ergründen lassen. Entscheidend waren gewiss zwei schwere Erlebnisse, die ihn im Innersten erschütterten: eigene Lebensgefahr bei einem furchtbaren Gewitter und der Tod eines lieben Freundes.

Wie würde es mir ergehen, wenn ich plötzlich vor dem Richterstuhl Gottes stünde? Wie kann ich einen gnädigen Gott kriegen? – das waren die Fragen, die ihn Tag und Nacht umtrieben. „Du musst ein Mönch werden“, so glaubte er, und er wurde ein Mönch.

Aber in der Einsamkeit des Klosters versank Luther in immer tiefer werdende Schwermut, inbrünstig suchte er die Gnade Gottes, um damit den inneren Frieden zu erlangen: aber er fand und fand sie nicht, obwohl er sein Pflichten als Mönch erfüllte wie kaum je ein anderer. Immer und überall sah er das Bild des rächenden Gottes. Er wurde immer blasser und magerer, und schwere Krankheiten befielen ihn.

Da kam eines Tages der treffliche Vorstand des Augustinaordens in Deutschland, Johann von Staupitz, von Wittenberg herüber nach Erfurt. Er lehrte ihn: Gott ist nicht ein Gott der Rache, sondern ein Gott der Liebe, dem sich der Christenmensch in gläubigem Vertrauen nahen soll wie ein Kind dem gütigen Vater.

Da zerstreuten sich allmählich die Nebel seines umdüsterten Geistes und seines gemarterten Gewissens. 1507 erhielt er die Priesterweihe, und schon im Jahr darauf berief ihn sein Landsherr, Kurfürst der Weise von Sachsen, auf Staupitzens Empfehlung als Lehrer der Philosophie an die neu gegründete Universität Wittenberg und zugleich zum Prediger an die dortige Schlosskirche.

An der Universität hielt er nun Vorlesungen aus der Bibel. Der Ruhm des gefeierten Lehrers verbreitete sich bald weithin. 1510 wurde er in Ordensangelegenheiten nach Rom gesandt. Einige Zeit nach seiner Rückkehr wurde er von der Universität zum Doktor der Philosophie ernannt.

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Wie er seine 95 Thesen wider dem Ablass an die Schlosskirche zu Wittenberg im Oktober 1571 schlug, darüber lesen wir dann morgen.


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