Karl V. (1519-1556) und die Reformation

Wenn wir die Gegenwart verstehen wollen, müssen wir in die Vergangenheit blicken. Also gibt es jetzt noch ein wenig Abendlektüre zur Deutschen Geschichte.

Hier sind wir stehengeblieben: https://undinepeter.blog/2024/04/07/luther-schlagt-seine-95-thesen-an/

Alles kam jetzt darauf an, wie sich der junge neue Kaiser, der mächtigste Herr der damaligen Welt, zu Luther und seiner Bewegung stellen würde. Die Weltgeschicke und im besonderen die Geschicke Deutschlands hingen davon ab. Karl V. war zwar ein Enkel Maximilians, aber kein wirklicher Deutscher, in seinem ganzen Wesen himmelweit verschieden von Luther, ein nüchterner Rechner. 1500 in den Niederlanden geboren, war er auch dorr aufgewachsen und erzogen worden.

1519 wurde er in Frankfurt zum Deutschen Kaiser gewählt und 1520 mit großer Pracht und Feierlichkeit in Aachen gekrönt. Sein Ziel war, sein gewaltiges Reich zu einigen durch eine gemeinsame Religion. Sofort schrieb er für das nächste Jahr seinen ersten Reichstag nach Worms aus.

Auf diesen Reichstag wurde auch Luther geladen, um sich vor Kaiser und Reich zu verantworten. Seine Fahrt durch die deutschen Lande glich einem Triumphzug. Bei seinem Einzug in Worms flutete ihm eine gewaltigen Menschenmenge entgegen und umwogte den Wagen. Am 17. und 18. April 1521 stand Luther vor Kaiser und Reich. Er widerrief nicht, seinen Rede schloss mir den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen.“

Karl V. erließ das „Wormser Edikt“: Luther bereits im Kirchenbann, wurde nun auch noch in die Reichsacht erklärt, seine Lehre verboten. Er stand nun außerhalb des göttlichen und menschlichen Rechtes seiner Zeit, er war vogelfrei. Aber sein Landesvater und Gönner, Kurfürst Friedrich der Weise, hielt seine schützende Hand über ihn. Heimlich ließ er Luther auf die Wartburg in Sicherheit bringen.

Als „Junker Jörg“ lebte er hier fast ein Jahr in völliger Zurückgezogenheit, während ihn die Welt draußen für tot hielt.

Diese unfreiwillige Muße nutzte Luther, um die Bibelübersetzung zu beginnen. Es gab zwar schon von Luther deutsche Bibelübersetzungen, aber seine Übersetzung übertraf alle an sprachlicher Schönheit. Schon nach einem Jahr war das Neue Testament vollendet. (die ganze Bibel dann im Jahr 1534). Sein trefflicher Mitarbeiter war dabei sein Freund Melanchthon.

Die Heilige Schrift wurde bald das Hausbuch der deutschen Familie und gab damit dem deutschen Volk für zwei Jahrhunderte den einzigen Zusammenhalt in seiner steigenden Zerrissenheit, die einigende Sprache. Einen wichtigen Schritt tat Luther im Jahr 1525, indem er Katharina von Bora als seine Ehefrau heimführte.

Im gleichen Jahr (1525) tobte der Bauernkrieg. In vielen Gegenden Deutschlands war die Not der bäuerlichen Bevölkerung infolge der oft unmenschlichen Behandlung durch die adligen Herren ins unerträgliche gestiegen.

Als Luther seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ veröffentlicht hatte, entstand ein allgemeiner Aufruhr, vor allem in Süd- und Mitteldeutschland. Ihm schlossen sich sogar manche Edelleute an, unter ihnen Götz von Berlichingen, der „Ritter mit der eisernen Hand“. (Er hatte einst im Kampf die rechte Hand verloren und sie durch eine kunstvolle eiserne ersetzt).

Der Aufruhr wurde von den Fürsten überall blutig niedergeworfen und die Lage der Bauern fast noch schlimmer als zuvor.

Dazu dann morgen mehr.


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