Karl V. hatte nach dem Wormser Reichstag Deutschland verlassen. Er war auf Jahre hinaus durch seine auswärtige Politik gebunden. Diese war maßgebend für seine Stellung gegenüber der Reformation.

Solange ihn seine Kriege gegen Franz I. von Frankreich, die Türken und die Seeräuber im Mittelmeer in Anspruch nahmen, war er nachgiebig, weil er die Hilfe der deutschen Fürsten brauchte. Sobald ihm aber günstige Friedensschlüsse wieder freie Hand gaben, erneuerte er immer wieder sein Wormser Edikt.
Als 1529 auf einem Reichstag in Speyer von der katholischen Mehrheit ein Beschluss gefasst wurde, der einer Unterdrückung der Lehre Luthers gleichkam, reichten die Evangelischen einen feierlichen Protest ein, von dem sie den Namen „Protestanten“ erhalten haben.
Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 erschien Karl V. persönlich. Die Protestanten trugen dem Kaiser ein Glaubensbekenntnis vor, die „Augsburgische Konfession“. Als keine Einigung zustande kam, erließ der Kaiser einen Reichstagsabschied, in dem die Ausbreitung der Lehre auf strengste verboten wurde. Infolgedessen schloss einen Reihe evangelischer Fürsten und Städte in dem thüringischen Städtchen Schmalkalden 1531 den „Schmalkaldischen Bund“.

Als erneute Türkengefahr drohte, gewährte Karl 1532 den „Nürnberger Religionsfrieden“, der den Protestanten bis zum nächsten Konzil völlige Gewissensfreiheit brachte. Daraufhin breitete sich die Lehre Luthers mächtig aus. Sie gewann viele deutsche Länder und Städte hinzu. Nord- und Mitteldeutschland – den rheinischen Westen ausgenommen – und in Süddeutschland Württemberg.
Als seine auswärtigen Kriege beendet waren, rüstete der Kaiser, um die neue Lehre mit Waffengewalt auszurotten. Der Herzog Moritz von Sachsen, von glühendem Ehrgeiz beseelt, schloss, um die Kurwürde zu gewinnen, 1546 mit ihm ein geheimes Bündnis gegen seinen Glaubensgenossen.
1547, ein Jahr nach Luthers Tod, kam es zum Schmalkaldischen Krieg. Die Entscheidung fiel in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe. Das Heer des Schmalkaldischen Bundes wurde von den spanischen Truppen des Kaisers geschlagen,
Kurfürst Johann-Friedrich von Sachsen-Wittenberg gefangen vor den Kaiser geführt. Er verlor seine Kurlande samt der Kurwürde und behielt nur Thüringen. Moritz von Sachsen hatte richtig gerechnet: Er erhielt die Kurwürde,

Aber der Sieg des Kaisers war nicht von Dauer. Da er jetzt als religiöser und politischer Zwingherr von ganz Deutschland auftrat, schlossen sich die Fürsten, diesmal unter der Führung des neuen Kurfürsten Moritz, zu bewaffnetem Widerstand gegen den Kaiser zusammen.
Im Jahr 1555 musste dieser im „Augsburger Religionsfrieden“ die Gleichberechtigung der beiden Bekenntnisse – Katholiken und Protestanten, nicht die Kalvinisten – anerkennen. Maßgebend wurde der Grundsatz: „culus regio, eius religio“ (wessen das Land, dessen die Religion), d. h. der Landesherr kann das religiöse Bekenntnis bestimmen.

Als ein völlig geschlagener Mann legte Karl V. im nächsten Jahr die Herrschaft nieder und zog sich nach Spanien ins Privatleben zurück. In der Stille des Klosters San Juste starb er 1558. Zu seinem Nachfolger in Deutschland bestimmte er seinen Bruder Ferdinand I., in Spanien seinen Sohn Philipp II.

Weiter geht es in dieser Reihe aus dem Zeitalter der Gegenreformation:
Das Erstarken des Katholizismus
Der Jesuitenorden
Das Konzil zu Trient (1545-1563)
Der Niedergang des Protestantismus
Und schließlich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Ergänzend dazu gibt es später noch einen Extra-Beitrag zu den Jesuiten.
Beiträge zuvor: https://undinepeter.blog/2024/04/11/karl-v-1519-1556-und-die-reformation/