Wache, edles deutsches Volk, und lerne deine Feinde kennen, um dich gegen ihre List verteidigen zu können – Teil II:

Von der Stiftung des Jesuitenordens, und wie die Macht des Ordens herangewachsen ist.

In Fortsetzung von Teil I: https://undinepeter.blog/2024/04/12/wache-deutsches-volk-und-lerne-deine-feinde-kennen-um-dich-gegen-ihre-list-verteidigen-zu-konnen-damals-wie-heute/

1840 waren es gerade dreihundert Jahre, seit der Jesuitenorden vom Papst feierlich bestätigt worden ist; dreihundert Jahre lang währte der Kampf gegen den Protestantismus, ein Kampf der Finsternis gegen das Licht, ein Kampf der Lüge gegen die Wahrheit, ein Kampf der Tyrannei gegen die Freiheit, welcher in der ganzen Weltgeschichte beispiellos war.

Hunderttausende von Menschen sind dadurch elend geworden, Ströme Menschenbluts sind dadurch geflossen, ganze Völker voll der herrlichsten Fähigkeiten in ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung aufgehalten worden — alles unter dem Vorwand: „zur größeren Ehre Gottes!“ Wie eine Gotteslästerung schallt diese Losung durch die Weltgeschichte.

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Die Mönchsorden, welche bis dahin die Stützen des Papsttums gewesen waren, konnten demselben jetzt gar wenig mehr nützen; denn die Mönche waren zum Teil ausgeartet, träg und dumm, zum Teil als grausame Ketzerrichter verhasst; auch waren die Völker in Verstandesbildung weit fortgeschritten und ließen sich so leicht weder durch Bann und Interdikt des Papstes mehr schrecken, noch durch plumpe mönchische Vorspiegelung mehr täuschen.

So schrieb er nach Rom und erbat sich mehrere Jünger Loyolas zur Ausführung jenes gottgefälligen Werkes. Sogleich fuhren Franz Xaver und Simon Rodriguez nach Portugal und gewannen dort in Kürze das Vertrauen des Königs in einem solchen Grade, daß er sie gar nicht nach Indien fortlassen, sondern an seinem Hofe behalten wollte. Franz Xaver aber war ganz und gar von dem Gedanken der Heidenbekehrung begeistert und wollte diesem Zwecke, welcher ihm als der heiligste erschien, sein Leben bis auf den letzten Blutstropfen weihen.

Der Stifter des Jesuitenordens ist ein spanischer Edelmann gewesen, mit Namen Innigo oder Ignaz von Loyola. Er war der Sohn des Ritters Bertram, Herrn von Loyola und Ogne, und der Mariana Saez de Licona und Balda, der jüngste von acht Brüdern, im Jahre 1491 auf dem Schlosse Loyola in der Landschaft Guipuzcoa geboren, und wurde am königlichen Hofe Ferdinands des Katholischen als Edelknabe erzogen. Da war ein üppiges Leben, das ihm gar wohlgefiel, aber sein ungestümer Ehrgeiz verleidete ihm bald das eitle und müßige Treiben am Hofe, und, nachdem er die Kriegskunst bei dem Herzog von Najera, einem Verwandten seines Hauses, erlernt hatte, suchte er sich in Kämpfen und Abenteuern hohen ritterlichen Ruhm zu erwerben.

Wie auch das Papsttum fordert der Orden für sich das höchstes Recht über jede weltliche Gewalt.

Das Grundprinzip dieses Systems, wie es sich, von der ursprünglichen Absicht des Ordensstifters Loyola abweichend, in der Folge immer schärfer entwickelte, ist folgendes: Der höchste Zweck des Jesuitenordens ist — er selbst, als geistlicher Staat.

Der Zweck seiner Existenz aber ist die Herrschaft über die ganze Welt, und die Regierungsform — eine unumschränkte Monarchie, jedoch mit dem Anscheine, dass durch den Ordensregenten der Gesamtwille der ganzen Gesellschaft vertreten sei.

Der feste Zusammenhang des Jesuitenordens mit dem Papsttum blieb dabei allerdings aufrecht, jedoch in einem umgekehrten Verhältnis, entgegen der Absicht des Stifters und entgegen dem Glauben der Päpste.

Wie die Könige und Fürsten erst durch Übertragung von ihnen, also von der römischen Kirche, gleichsam als Lehen erhielten, so maßte sich jetzt die Gesellschaft Jesu an, dessen herrschender Staat auf Erden zu sein, und zwar so, daß alle Könige und Fürsten eigentlich nichts mehr als Beamte seien, welchen die Untertanen nur so lange zu gehorchen brauchten, als jene selbst ihrer höheren geistlichen Herrschaft gehorsam und nützlich blieben, und welche man, sobald sie es nicht mehr wären, absetzen und sogar töten dürfe!

Ebenso wie die Päpste früher jeden Freidenkenden und Andersgläubigen für einen Ketzer, für einen von Gott Verworfenen, für einen durchaus Rechtslosen erklärten, ebenso galt jetzt jeder Freidenker vor der Gesellschaft Jesu als ihr Feind, welcher vernichtet werden müsste, wenn er sich nicht bekehren wollte.

„Weil jede Handlung des Ordens zur größeren Ehre Gottes geschieht, so muss der Zweck jedes Mittel heiligen.“ In dieser Zauberformel lag die ganze praktische Anwendung des Systems und die ganze jesuitische Moral.

Natürlicherweise kann ein Staat, welcher sich für den von Gott berechtigten alleinigen Weltstaat hält oder ausgibt, alle anderen neben sich nicht dulden; sie erscheinen ihm als Anmaßung, und wenn er sich in jener Eigenschaft behaupten will, so muss er sie erobern. Das hat denn der Jesuitenorden auch getan, aber mit unsichtbaren Waffen. Bei den heidnischen Völkerschaften in Asien und Amerika breitete er seine Herrschaft unablässig durch Missionen aus.

Deshalb umgaben sie sich mit dem blendenden Schein einer ganz besonderen Frömmigkeit, befestigten den Glauben der Menschen an den unerschöpflichen geistlichen Gnadenschatz des Ordens, und brachten es auf alle Weise dahin, dass man sie als Beichtväter suchte.

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Im Zusammenhang mit diesem Beitrag: Die Zeit der Reformation /Die Zeit der Gegenreformation – dazu bereits verfasst:

https://undinepeter.blog/2024/04/11/karl-v-1519-1556-und-die-reformation/


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