Und gerade zu dieser Zeit, da die katholische Kirche zu dem großen Gegenangriff vorging, verlor sich der deutsche Protestantismus, nach Luthers Tod in immer weitergehende Zerrissenheit. Wie das deutsche Reich in einzelne Landeshoheiten, so zerfiel er auch – durch Gezänk und dogmatische Spitzfindigkeiten und theologische Buchstabenklauberei – in lauter einzelne Stücklein.

Karl V. und seine beiden nächsten Nachfolger (Ferdinand I. und Maximilian II.) hatten versucht, das Reformwerk des Konzils so zu lenken, dass eine Wiedervereinigung der Protestanten mit der alten Kirche möglich war. Mit Rudolf II. aber begann ein ständiges Vordringen der alten Kirche in Deutschland. Der Vorkämpfer hierfür war aber nicht mehr das Kaiserhaus, sondern der Herzog Maximilian von Bayern.
Da schloss sich eine Anzahl protestantischer Reichsstände zu einem Bund zusammen, der Union (1608). Doch traten ihr wichtige protestantische Länder nicht bei. Die Zerrissenheit des Protestantismus schien unheilbar. Demgegenüber vereinigten sich alle wichtigen katholischen Stände Süddeutschlands in der Liga (1609), unter der einheitlichen Führung des Bayernfürsten. Die Spaltung in zwei feindliche Lager war da.
Der geringste Anlass konnte zum bewaffneten Zusammenstoß führen. Und dieser Anlass kam nur zu bald.
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Damit sind wir am Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) angelangt. In der nächsten Woche geht es dann weiter. Themen sind dann unter anderem:
Der Prager Fenstersturz (1616)
Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620)
Albrecht von Wallenstein (um 1625)
Die Schlacht bei Breitenfeld (1631)
Die Schlacht bei Lützen (1632)
Der Anstoß zum Krieg kam von den Habsburgern in Österreich. Dort herrschte Ferdinand II., ein schwacher Herrscher, aber streng katholisch, ja geradezu asketisch gesinnt.


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