Schreckenszeichen am Himmel – wie die Kirche von der eingebildeten Angst und der Narrheit des Volkes profitierte
In den Jahren nach 1618 konnten die Menschen einen starken Glauben brauchen –schließlich blieb vielen nur die Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Kriege und Seuchen drohten allerorten, auch der Willkür der Herrschenden war die breite Masse oft hilflos ausgeliefert – das Leben war eine höchst unsichere Sache.

Kein Wunder, dass viele nur das Schlechteste erwarteten und ängstlich nach Zeichen des Bösen Ausschau hielten – oder gar das jüngste Gericht erwarteten.
Am 12. August 1654 kam es über ganz Europa . Allgemeine Panik war die Folge. Denn die von der Kirche auserkorenen Astrologen (heute auch Experten genannt) hatten die Verdunklung als sicheres Zeichen des nahen Endes der Welt gedeutet. Das jüngste Gericht stand unmittelbar bevor – davon waren zehntausende Menschen überzeugt.
Ein Augenzeuge berichtete: „einige hatten das Gerücht verbreitet, dass jeder, der sich zur Zeit der Finsternis im Freien befände, den nächsten Tag nicht mehr erleben würde, was zur Folge hatte, dass sich die Leichtgläubigen in ihren Häusern einschlossen.
Die Ärzte hießen diese Albernheiten gut .. Und wegen des Gerüchts, dass jeder an diesem Tag sterben müsse, sah man niemals zuvor so viele sich bekehren, zur Beichte gehen oder Buße tun. … Allein die Kirche profitierte von dieser eingebildeten Angst und von der Narrheit des Volkes.
Die Sonnenfinsternis ging ohne irgendeine Katastrophe vorbei, anders das große Erdbeben, welches Neapel im Jahr 1688 verwüstete: Das Beben dauerte nur drei Minuten, doch schon als der erste Erdstoß gegen vier Uhr nachmittags die Stadt erschütterte, hinterließ er furchtbare Zerstörungen. Auch hier fürchteten die Menschen , dass das Ende der Welt gekommen sei und suchten Trost in der Religion, wie ein Augenzeugenbericht schildert:
:Eben ietzo ich da schreibe, sind alle Gassen mit bußfertigen Processionen erfüllet. Weiber, Kinder. Alte, Geistliche, Weltliche gehen untereinander. Sie haben sich mit Säcken verhüllet und tragen Dorneenkronen. Viele haben Stricke um den Hals und Fesseln an den Füßen .. Einige gegen fast nackend und triefen von Blut wegen der Geißelung. .. In allen Ecken der Stadt sieht man Priester und Mönche, welche Buße predigen.“


Doch neben der Religion blüht nach wie vor der Aberglaube. An den Herrscherhäusern beraten Astrologen die Hochwohlgeborenen , das gemeine Volk sucht Rat und Hilfe bei „weisen Frauen“. Man glaubt an Zauberei und noch immer versuchen Alchimisten aus unedlen Metallen Gold herzustellen.
Die einen wollen die dunklen Mächte für sich nutzen, die anderen fürchten überall das Wirken des Teufels. Hexenjagden finden nach wie vor statt, auch bestimmte Volksgruppen werden immer wieder verfolgt und für allerlei Unbill verantwortlich gemacht. Ob Hagelschlag oder Dürre – irgendjemand musste am Unglück schuld sein. Die Agitation der Kirche dazu war „vorbildlich“.
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Quelle: 1000 Jahre europäische Geschichte – Das 17. Jahrhundert von Andrea Dee – Herausgeber Ulrike müller-Kaspar
Fotos /Aufnahmen: Wikipedia / Panorama der Weltgeschichte Band 2 Bertelsmann Lexikothek (Malereien Albrecht Dürer)