Worüber lesen wir? Ein Überblick:
Europa im Zeichen des Absolutismus
– Das Zeitalter Ludwigs XIV.
– Das Zeitalter Friedrichs des Großen und Maria Theresias
– Das Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons
– Das Zeitalter Metternichs
– Das Sturmjahr 1848/49
– Das Zeitalter Bismarcks
– Das Reich unter Wilhelm II. nach Bismarcks Entlassung
– Die Weimarer Republik
– Das Dritte Reich
– Deutschland nach dem Zusammenbruch
– Deutschland in der Gegenwart


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Mit diesem Beitrag endet der erste Teil aus Band 1 „Von den Uranfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges“: https://undinepeter.blog/…/das-gesamtergebnis-des…/
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Wir fahren fort: (leicht schmunzelnd im Vergleich damals und heute …,- auch diese „schillernden Figuren drängen sich förmlich auf – aber das nur am Rande, lest selbst.)

„.Deutschland 1648 – endlich war Friede!
Aber wie sah es in den deutschen Landen aus! Grauenhaft waren die Verluste an Gut und Blut.
Die Bevölkerung war schrecklich zurückgegangen, von etwa 18 bis 20 Millionen auf 5 bis 6 Millionen. Weite Gebiete Deutschlands waren zur Wüste geworden, unzählige Städte und Dörfer in Schutt und Asche gesunken, die deutschen Wirtschaft vernichtet. Die Äcker lagen öde unbebaut da. Zwar hatten die Bewohner stets von neuem angebaut, aber dann war die Saat immer wieder von Rosshufen zerstampft worden.


Überall mangelte es jetzt an Arbeitskräften und Zugtieren, an Händen und Gespannen, um das Feld zu bestellen.
Entsetzlich war auch die allgemeine geistige und moralische Verwilderung. Zahlreiche Menschen wurden gottlos und abergläubisch. Der Hexenglaube brachte Tausende unschuldiger Frauen und Mädchen auf den Scheiterhaufen.
Auch am politischen Himmel sah es trostlos aus. Im Westen hatten die Franzosen einen Teil des Elsaß weggenommen, und von da an versuchten sie ein Stück nach dem anderen von Deutschland loszureißen.
Fast noch schlimmer war es im Norden. Sämtliche deutschen Flussmündungen befanden sich in fremden Händen. Deutschland, vom Meer abgeschnitten, lag schwach und wehrlos da, mitten zwischen feindseligen Nachbarn.
Auf der einen Seite stehen Staaten auf nationaler Grundlage, im Inneren gefestigt und nach außen sicher abgegrenzt: Frankreich, England, Holland, Schweden – auf der anderen Seite das in Auflösung begriffene Deutsche Reich, ein Spielball der Nachbarn.
Im Innern war das Reich hoffnungslos zersplittert, ein Trümmerfeld von wenigen großen und zahlreichen mittleren, kleinen und kleinsten Staaten – um 1700 etwa 1700; im Lauf des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl auf etwa 1800.
Über keinen Mann und keinen Groschen konnte das Reich selbst verfügen, es musste alles bei den Ländern erbetteln. Die Landesherren waren souverän, der Kaiser nur noch ein Schatten. Er hatte im Reich fast nichts mehr zu sagen. Wohl konnte er Standeserhöhungen verfügen – also etwa aus einem Freiherrn einen Grafen, aus einem Grafen einen Fürsten machen – aber das war auch so ziemlich alles. Nach außen konnte er nicht kraftvoll auftreten, denn er hatte keine Macht hinter sich.
Der Reichstag war keinen Volksvertretung, sondern eine Vertretung der Regierungen , eine Versammlung von Bevollmächtigten der Fürsten und Stände.
Die Zahl der Landesherrschaften, die im Reichstag vertreten waren, betrug rund 275:
o 8 Kurfürsten
o 100 weltliche Fürsten
o 33 geistliche Fürsten (Bischöfe und Äbte)
o etwa 40 Grafen
o und ungefähr 95 Städte.
Außerdem gab es noch zahlreiche Ritter , die ebenfalls völlig selbstständige Landesherren waren.
Der Reichstag hatte herzlich wenig zu sagen. Er konnte dem Kaiser Geld bewilligen, zum Beispiel zur Abwehr der Türkengefahr: auch konnte er Münzverordnungen , Bettlerverordnungen und ähnliche Gesetze erlassen, aber er hatte keinerlei Macht, weder nach innen noch nach außen: denn ein gemeinsames Heer gab es nicht.
Obwohl der Reichstag fast nichts zu sagen hatte, tagte er fortwährend – von 1663 bis 1808 in Regensburg. Während der französische König Ludwig XIV. die deutsche Westgrenze bedrohte, beriet der Reichstag zum Beispiel des langen und berieten darüber, ob die Sessel der kurfürstlichen Gesandten mit zwei oder mit vier Füßen auf den Fransen des Teppichs stehen durften!
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In den nächsten Tagen lesen wir dann über andere Reichseinrichtungen, wie das Reichskammergericht und die Reichsarmee.
