Vieles aus dieser Zeit, wirft auch hier wieder Parallelen auf, zudem, was sich gegenwärtig und vermutlich in Zukunft noch abspielen wird. Die Deutschen können von diesem Zustand ein „Lied singen“.., bis in die Gegenwart hinein; er lebt immer wieder neu auf, dieser Zustand, und das, ohne eigenes Dazutun.

In einer Epoche waren es die Franzosen, dann die Engländer, später die Amerikaner und auch die Sowjets, die über unser Land bestimmten, es ausraubten, dem Volk großes Leid antaten und das Land in Grund und Boden wirtschafteten. ja es dem Erdboden gleich machten. Deutschland hat immer nur eines: Für das Tun anderer teuer bezahlt, mit Gut und Blut – bis in den heutigen Tag hinein.
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Anknüpfend an den vorangegangenen Beitrag : https://undinepeter.blog/…/deutschland-1648-es-geht…/
Der Reichstag hatte herzlich wenig zu sagen. Er konnte dem Kaiser Geld bewilligen, zum Beispiel zur Abwehr der Türkengefahr: auch konnte er Münzverordnungen , Bettlerverordnungen und ähnliche Gesetze erlassen, aber er hatte keinerlei Macht, weder nach innen noch nach außen: denn ein gemeinsames Heer gab es nicht.
Obwohl der Reichstag fast nichts zu sagen hatte, tagte er fortwährend – von 1663 bis 1808 in Regensburg. Während der französische König Ludwig XIV. die deutsche Westgrenze bedrohte, beriet der Reichstag zum Beispiel des langen und berieten darüber, ob die Sessel der kurfürstlichen Gesandten mit zwei oder mit vier Füßen auf den Fransen des Teppichs stehen durften!
Andere Reichseinrichtungen waren das Reichskammergericht und die Reichsarmee.
Jenes hatte seinen Sitz erst in Speyer, dann (seit 1693) in Wetzlar und war berüchtigt durch seinen langsamen Geschäftsgang. (Als Goethe im Frühjahr 1772 nach Wetzlar kam, um sich auf Wunsch seinen Vaters hier für die höhere juristische Laufbahn vorzubereiten, da gab es an diesem jämmerlichen Gerichtshof etwa 16 000 unerledigte Prozesse).
Die sogenannte Reichsarmee war – wenn sie aufgestellt wurde – eine buntscheckig zusammengewürfelte Truppe ohne jeden militärischen Wert. Wir werden sie noch erleben.
Bei solchen wirtschaftlichen und politischen Zuständen war es kein Wunder, dass auch die deutsche Kultur fast erstickt war. Deutschland wurde mehr und mehr eine „Magd des Auslands“. Übermächtig drang die Kultur der Fremden ein, vor allem der Franzosen. Alles gesellschaftliche und öffentliche Leben unterlag ihrem Einfluss. Wie eine Überschwemmung bedeckte sie das deutsche Wesen.
An den Höfen der Fürsten und des hohen Adels begann die Ausländerei zuerst. In Frankreich, besonders in Ludwig XIV. , sahen sie ihr Vorbild. Von Versailles aus nahm die französische Hoftracht ihren Siegeslauf durch Deutschland. Von den Spitzen der Gesellschaft verbreitete sich das französische „á la mode“- Wesen rasch durch die ganze vornehme Welt, ja bis in die unteren Volksschichten hinein.

Vergebens suchten deutsch fühlende Männer, wie Friedrich von Logau, mit geistreichem Spott der traurigen Nachäfferei zu wehren: „Diener tragen insgeheim ihrer Herren Liverey. Soll’s denn sein, dass Frankreich Herr, Deutschland aber Diener sey? Freies Deutschland, schäm dich doch dieser schnöden Knechterei!“
Der französische Hof war auch das Vorbild für den unsinnigen Prunk und Luxus, den sich viele deutsche Fürsten und Herren leisteten, während ihr armes Volk unter der Last von Steuern und Fronen seufzte. Solche Prunksucht zweigt sich in der Kleidung, der Einrichtung der Schlösser und in der ganzen Hofhaltung, zum Beispiel in der Art zu reisen und bei Hofjagden.

Mit den französischen Moden und Sitten drang auch die französische Sprache übermäßig ein. Neben dem Französischen war schon vor dem 17. Jahrhundert, besonders in Süddeutschland, auch zahlreichen spanische und italienische Brocken in die deutsche Sprache eingedrungen. In dieser Zeit ist es vor allem Luthers Bibel gewesen, welche die hochdeutsche Sprache bewahrte; sie war das Einheitsband, dass alle Teil umschlang. In vielen tausend Häusern war es das einzige Schul- und Hausbuch; aus ihm hat das deutsche Volk Trost und Kraft geschöpft.
So zeigt das Deutschland nach dem Dreißigjährigen Krieg ein trauriges Bild politischer Ohnmacht und kulturellen Niedergangs.
Wie sollte jemals dieses Trümmerfeld aufgeräumt und eine Einheit geschaffen werden? Wie sollte die deutsche Kultur diesen Tiefstand überwinden? Es ist wie ein Wunder, dass sich unser Volk aus all diesem Elend wieder erhoben hat.