Zum Geburtstag von Richard Wagner

Aus dem Licht und den Göttern gekommen, bin ich nun im Exil, von ihnen getrennt“ (Manichäisches Fragment aus Turfan)

Anlässlich des gestrigen 211. Geburtstages von Richard Wagner unternehmen wir doch einen Ausflug in die Welt unserer Götter. Wie wir wissen, Taktgeber seiner großartigen Musikstücke sind Götter, Riesen und Zwerge im Kampf um die Macht.

Wagners Werke wie Rheingold sind eine im Gewand des Mythos daherkommende künstlerische Auseinandersetzung mit der Politik – und nicht zuletzt auch mit den konkreten politischen Wirren seiner Zeit.

Richard Wagner, geboren am 22.5. 1813 in Leipzig, gestorben am 13.2.1883 in Venedig, wurde in meinem Elternhaus sehr geschätzt.

Auch wenn ich oft darüber stöhnte, wenn man zum monatlichen Operngang aufrief, war es bei Richard Wagner irgendwie anders. Es lässt sich schlecht benennen.

Ich versuche es mal so: Vor jeder Oper, die wir besuchten, wurden die Texte gelesen. Denn wie sonst sollte man die Sänger verstehen können und den Inhalt der Aufführung nachvollziehen?

Als junger Mensch, der ich damals nun einmal war, fand ich das lästig. Jede Ballettaufführung hätte ich einer Oper vorgezogen. Und noch viel lieber wäre ich zu einer modernen Musikveranstaltung gegangen.

Doch bei Wagner war das anders, seine Musik war anders. Seine Texte wirken gelesen oft knorrig und klappernd, und doch ergab sich diese besondere Stimmung. Überzeugt hat der Gesamtklang: Mal überwältigend aufregend, mal hypnotisch verführend, die Wirkung irgendwie besonders anders.

Szenen aus der Gotterdämmerung, zu den Walküren und Nibelungen sind mir bis heute vertraut. Da sind die Rheintöchter: Woglinde, Wellgunde, Flosshilde

Oder die drei Nornen auf dem Walkürenfelsen. Und schließlich Siegfried, Hagen, Gunther und Gutrune

Das Rheingold ist der Auftakt zu Richard Wagners Jahrhundertwerk, der Operntetralogie Der Ring des Nibelungen, und birgt bereits das Hauptthema des gesamten Opus: die Macht.

Die Liebe zwischen Mann und Frau ist das zweite große Thema der Tetralogie, aber im Rheingold spielt sie noch keine herausragende Rolle. Hier gibt es statt einer Romanze um zwei Liebende nur ein reichlich betagtes Götterehepaar (Wotan und Fricka), einen verspotteten Möchtegern-Liebhaber (Alberich) und einen Riesen (Fasolt), der unglückselig in die falsche Frau (Freia) verliebt ist. Kein Liebesdrama also, stattdessen ein mythengesättigtes Werk, das erzählt, wie ein allmächtiger Ring gewonnen und goldene Reichtümer angehäuft werden – und welche Risiken damit verbunden sind.

Der Ring verleiht seinem Besitzer Macht, und Macht ist der Kern aller Politik. Wagners Rheingold ist eine im Gewand des Mythos daherkommende künstlerische Auseinandersetzung mit der Politik – und nicht zuletzt auch mit den konkreten politischen Wirren zu Wagners Zeit.

Richard Wagner war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten und Dichter der Romantik.

Er hat die Dinge – musikalisch unterlegt – „beim Namen“ genannt.

• Oft wird das Geschehen von der Musik lautmalerisch wiedergegeben, so etwa das Stapfen der Riesen oder das Rauschen des Rheins.

• Mit seinem musikdramatischen Gesamtkunstwerk revolutionierte Wagner die Opern- und Musikwelt grundlegend

• Märchenelemente werden mit nordischen Sagen vermischt, wodurch Wagner eine eigene Mythenwelt schafft.

• Die Geschichte spiegelt geistige Konflikte und politische Konstellationen des 19. Jahrhunderts.


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