17.5. 2024 – wir sind unterwegs! Mal schauen, ob wir ein schönes Plätzchen zum Übernachten finden. Ich habe da ja so eine Idee…

Platz gefunden, mückenträchtig und mitten im Wald, direkt an einem See – nur stellenweise am Netz. Für gut befunden – wir bleiben. Gleich nachdem wir angekommen sind, laufen wir zum See hinüber und erkunden kurz die Gegend. Später sitzen wir, wild fuchtelnd, beim Tee. Wir dürfen festhalten: Die Mücken sind uns nicht wohlgesonnen.



Wie haben wir hierher gefunden? Im letzten Jahr waren wir schon einmal in dieser Region, haben aber längst nicht alles entdeckt. Und so verschlug es uns wiederholt an diesen Platz im Oldenburgischen Münsterland.
Die erste Nacht verbringen wir auf dem weit abgelegenen Wanderparkplatz „Am Karpfen“. Gleich am frühen Morgen darauf, besuchen wir die Fischteiche von Alhorn. Geht man auf einem der drei gut markierten Rundwanderwege durch die naturnahe Weiherlandschaft, kann man sich kaum vorstellen, dass die Teiche 1906 durch Aufstauung des Flüsschens Lethe angelegt wurden. Dadurch füllten sich die vom Wind ausgeblasenen Mulden im Heidesand mit Wasser. Mit Dämmen hat man die rund 60 Teiche voneinander abgegrenzt. Noch heute werden hier Forellen und andere Besatzfische für Angelgewässer gezüchtet.

Auch treffen wir hier auf die Verwandschaften unseres Entenpärchens von daheim. Vor allem Entenarten haben dieses Naturparadies aus zweiter Hand erobert.
Die Teiche und ihre Uferzonen sind mittlerweile zu wertvollen Biotopen geworden, die über 200 Vogelarten anziehen. Ein wunderschöner Rundweg, wenn nur diese Mücken nicht wären.

Hinter dem Ort Alhorn verweist ein Schild rechts auf die Visbeker Braut hin, ein 82 Meter langes jungsteinzeitliches Großsteingrab. Westlich davon befindet sich auch der Visbeker Bräutigam, das größte Hünengrab um Wildeshausen, das wir bereits im letzten Jahr besucht haben. Es liegt inmitten eines lichten, sonnendurchfluteten Laubwaldes. Hier trifft man unvermutet auf ein beeindruckendes Zeugnis der jungsteinzeitlichen Megalithkultur: das 4500 Jahre alte Großsteingrab Visbeker Bräutigam.

Die Überreste eines weiteren Megalithrabes in unmittelbarer Nähe werden als Brautwagen bezeichnet. Eine alte Sage erklärt die Namensgebung: „Als sich eins ein Brautzug auf die Hochzeitsgesellschaft des Bräutigams zubewegte und die Hochzeitglocken schon erklangen, rief die gegen ihren Willen zur Heirat gezwungene Braut verzweifelt aus: „Haltet ein! Haltet ein! Lieber werde ich zu Stein, als dass ich werde sein!“ So wurden sie und beider Gefolge versteinert.
Wir fahren weiter, und „landen“ auf einem „Urwald Baumweg“. In frühen Jahrhunderten wurden hier die Schafe und Schweine zum Weiden in die lichten Wälder der Geest getrieben. Durch den Verbiss entwickelten die Hainbuchen und Eichen in diesen sogenannten Hutewäldern bizarre Formen. Dieser Urwald hier, ist ein solcher Hutewald mit größtenteils 200-300 Jahre alten Bäumen.





Nachdem wir diesen wunderschönen Ort verlassen haben, gelangen wir an einen schönen Platz zum Übernachten, direkt am Pestruper Gräberfeld.
Vom Perstruper Gräberfeld, hin zu einem eindrucksvollen Großsteingrab und weiter auf mystischen Pfaden am Pestruper Moor – ein fabelhafter Ausflug
Eindrucksvoll und bemerkenswert: Wir befinden uns hier in einer stillen Landschaft mit zahlreichen Großsteingräbern, die dadurch den Beinamen “ klassische Quadratmeile der Vorgeschichte “ trägt.

Hünengräber auf Schritt und Tritt. Das wohl beeindruckendste Großsteingrab aber, ist das von Kleinenkneten. Über einen etwa zweistündigen Spaziergang entlang des bronzezeitlichen Gräberfeldes, gelangen wir zu den Kleinenknetener Steine. Eine eigene Heidschnuckenherde sorgt für den Erhalt. Das weiträumige Gräberfeld wirkt wie ein leicht bewegtes Meer. Über 500 niedrige Grabhügel aus der Bronzezeit bargen einige aufschlussreiche Grabbgeigaben.


Die sogenannten Königsgräber am Nordrand, mit bis zu 30 Meter Durchmesser, fast zehnmal größer als die Grabhügel, dienten als Verbrennungsstätten. Die 14 langgestreckten Hochäcker im Zentrum des Gräberfeldes waren nach Ansicht der Archäologen Kultplätze. Seit 1908 steht das gesamte Gelände unter Denkmalschutz.


Wir sind am Großsteingrab Kleinenkneten angelangt : 49 x 7 Meter / 2 Meter hügelhoch / Innenraum der Kammer 6 x 1,2-2 Meter. Hier haben wir nach einer langen Wanderung eine ausgiebige Verschnaufpause eingelegt. Ein guter Ort mit einer besonderen Aura.

Interessant ist aber auch das gegenüberliegende Grab. Die mittlere Kammer war zum Zeitpunkt der Ausgrabung noch völlig unberührt. Sie enthielt eine Vielzahl von Gefäßen, Waffen, Schmuck und anderen Gegenständen. Ein sowohl aufregender als auch wundervoller Ort, hier, inmitten der Wildeshauser Geest – und nahezu menschenleer.


Zurück am Platz gegenüber des Gräberfeldes: Die Sonnenuntergangsstimmung untermalt die Atmosphäre.

Am Morgen unternehmen wir noch eine Wanderung entlang des Pestruper Moors, dass gleich gegenüber vom Gräberfeld liegt. Durch einen Zauberwald gelangen wir zu einer Lichtung und genießen schon bald von einer hölzernen Brücke aus, einen wunderschönen Blick über die Hunte.



Museumsreif! Das Kreismuseum Syke ist einen Besuch wert. Ein zauberhaftes Museum, dass uns auf ganz wundervolle Weise in längst vergangene Zeiten entführt. Hier hat man ein niederdeutsches Hallenhaus aus dem Jahr 1747 und einen großen Kornspeicher aus dem Jahr 1677 originalgetreu wieder aufgebaut. Es gibt viel zu entdecken – eine echte Zeitreise: Es sind historische, voll ausgestattete Werkstätten zu sehen, so die eines Holzschuhmachers, eines Schmieds und eines Böttchers, und noch viel mehr. Wir können wirklich festhalten, für uns war es eine der schönsten Zeitreisen, vermutlich auch, weil wir durch mehrere Epochen reisen durften.

Über den ganzen Tag war Regen angesagt. Das war eigentlich auch der Grund, warum wir heute eine Museumstour geplant haben. Erst nachdem wir alles entdeckt und gesehen haben, grollte es und dicke Regentropfen fielen vom Himmel.
Bleibende Eindrücke einer vorgeschichtlichen Megalithkultur
Am Goldensteder Moor verweilen wir noch und verabschieden uns am nächsten Tag schon ein bisschen wehmütig von dieser Region, allerdings mit Eindrücken, die nachhaltig wirken.

Einen Halt noch! Wir haben auf dem Rückweg noch den Wall der Arkeburg besucht. Hier wird die Geschichte um Widukind, dem Sachsenkönig bewahrt und damit wertvolles Kulturgut.
Zu verdanken haben wir das dem Ehepaar Anna und Heinz von Döllen, die das gesamte Projekt ab Grabung bis zum vollständigen Erschließen der Wallanlage nahezu vollständig aus eigener Tasche finanziert haben.
Die Stadt Vechta hat sich an dem Millionenprojekt gerade mal mit 55 000 Euro aus dem Europafond beteiligt. (Geht ja nur um unsere deutsche Geschichte)….

Noch ein paar abschließende Gedanken zu unseren Reisen:
Auf unseren Touren „hangeln“ wir uns (oft auch unbewusst) von Kraftort zu Kraftort, Orte und Stätten, die meist „auf einer Linie“ liegen, und bei genauer Betrachtung vielleicht sogar eine Verbindung zeichnen, darstellen oder offenbaren. Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich dazu in Umberto Ecos Werk „Das Foucaultsche Pendel“ geblättert, und bin da auf einige spannende Assoziationen und Herleitungen gestoßen.
Es ist leicht, Ley-Linien als weit hergeholt abzutun, aber wie bei anderen Fällen fehlerhaften Denkens besteht immer die Möglichkeit, den Blickwinkel oder den Kontext der Interpretation zu ändern, um Potenzial und Inspiration für eine andere Entdeckung freizulegen. wichtigen Punkte, die durch Zufall, Glück oder göttliches Eingreifen zufällig auf einer geraden Linie liegen.
Im norddeutschen Raum findet man sie fast überall: Großsteingräber. Tonnenschwere Kolosse berichten aus einer vergangenen Zeit. Diese 5000 Jahre alten Bauwerke aus der Jungsteinzeit liegen in einem Gürtel, der sich aus dem Osten der Niederlande, über Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zieht. Den Forschern zufolge sollen diese gut 1000 Großsteingräber als Grabstätten oder Beinhäuser für ganze Sippen gedient haben. Verschiedene Grabbeilagen in den Bauwerken lassen darauf schließen.
Viele Großsteingräber sind mit Beginn der Christianisierung verteufelt worden und wurden zerstört andere Megalithen fielen vielfach dem Häuser- und Straßenbau zum Opfer oder wurden für diese als Baumaterial genutzt.
Nun noch kurz eine Erklärung zu den bereits erwähnten Ley-Linien
Als Ley-Linien (gelegentlich auch „Heilige Linien“ genannt) bezeichnet man die geradlinigen Anordnungen von Landmarken, wie zum Beispiel: Megalithen, prähistorischen Kultstätten und Kirchen.
Als der eigentliche Entdecker der Ley-Linien gilt der britische Getränkehändler, Amateur-Archäologe und Hobbyfotograf Alfred Watkins. Er bemerkte bei einer Wanderung im Juni 1920 (oder nach einer anderen Version der Geschichte: bei der Planung dieser Reise auf einer Karte), dass in dem Dorf Blackwardine in seiner Heimat Hertfordshire mehrere alte Ruinen auf umliegenden Hügeln augenscheinlich in einer geraden Linie angeordnet waren. Er stellte dieses Phänomen auch an anderen Stellen in der näheren Umgebung fest und schloss daraus, dass es ein Netzwerk gerader Wege geben müsse, das historische Bauwerke in England miteinander verbindet.
Fast zeitgleich veröffentlichte Wilhelm Teudt sein Buch „Germanische Heiligtümer“ – wodurch die Geomantie auch in Deutschland bekannter wurde. Wie Watkins kam auch Teudt zu der Erkenntnis, das heilige Orte durch ein Netz gerader Linien miteinander verbunden sind (Sakrallinien).