Wie angekündigt geht es hier weiter: „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.
Europa im Zeichen des Absolutismus (1648-1789)
Nach dem Dreißigjährigen Krieg beginnt ein neues Zeitalter mit neuen Anschauungen. Die Zeit der Religionskriege ist beendet. Zwar bleiben die religiösen Ideen auch weiterhin mächtig, aber sie wirken mehr im Hintergrund. Im Vordergrund steht von jetzt ab allmächtig die Politik.

Nach der vorherrschenden Staatsform nennen wir die neue Zeit das Zeitalter des Absolutismus, der unumschränkten Fürstenmacht. Der Herrscher – ob König, Fürst oder Herzog – kann buchstäblich machen, was er will. Er braucht vorher niemanden zu fragen und ist hinterher keinem Menschen Rechenschaft schuldig.
Bezeichnend dafür ist die Geschichte von einem Ansbacher Markgrafen, der eines Tages einen Kaminfeger vom Dach schoß, weil seine Geliebte den Wunsch geäußert hatte, sie möchte gern einmal eine Menschen vom Himmel fallen sehen. Die trostlose Witwe fand er mit einigen Talern ab.
Dieser Absolutismus dringt allmählich – hier früher – dort später – in allen europäischen Staaten durch, mit Ausnahme von England und Holland.
In England versuchen zwar die Stuarte gleichfalls den Absolutismus einzuführen, aber sie scheitern an zwei Revolutionen: 1649 wird Karl I. hingerichtet – 1688 der letzte Stuart vertrieben und an seiner Stelle sein Schwiegersohn Wilhelm III. von Oranien aus Holland herübergerufen und zum König gewählt; er regierte dann England und Holland in Personalunion.
Der Absolutismus hat nicht überall das gleiche Gesicht. Man kann zwei Hauptformen unterscheiden: den höfischen und den aufgeklärten Absolutismus. Der klassische Vertreter des höfischen Absolutismus ist der französische König Ludwig XiV., charakteristisch sein Ausspruch: L’Etat c’est moi.“ (Ich bin der Staat).
Die Untertanen sind für ihn da, nicht er für sie. Das Glück der Untertanen kann zwar auch von einem solchen Monarchen gefördert werden, doch ist das nicht der Hauptzweck, sondern das Mittel.
Den aufgeklärten Absolutismus verkörpert am reinsten Friedrich der Große mit seinem Wort: „Der König ist der erste Diener seines Staates.“ Hauptzweck sind ihm das Glück der Untertanen und die Macht des Staates, nicht Glanz und Genuss des Hofes.

Die Mittel, mit denen der absolute Herrscher seine Herrschaft durchführt und aufrechterhält, sind überall ähnlich. Das wichtigste ist das stehende Heer, daneben ein zuverlässiges Beamtentum, schließlich als Voraussetzung für beide eine geordnete Finanzwirtschaft.
Ferner suchen die meisten dieser Fürsten ihre Macht und Würde zu heben durch eine möglichst glänzende Hofhaltung und durch ein strenges Hofzeremoniell (Etikette).
In allen diesen Dingen ist Frankreich mit seinen Bewohnern das klassische Land und Volk. Von dort aus tritt der Absolutismus seinen Siegeszug durch die europäischen Staaten an. Bei dem gewaltigen Einfluss, den somit Frankreich in jener Zeit, vor allem für Deutschland gehabt hat, müssen wir uns dort etwas genauer umschauen.

—————
Im nächsten Beitrag lesen wir dann über Ludwig XIV. , seine Innen- und Außenpolitik.
Beitrag zuvor: https://undinepeter.blog/…/deutschland-1648-das…/
