Mit Ludwig XIV. war 1643 ein König auf den französischen Thron gekommen, der sich als in höchstem Maße erfindungsreich erwies, wenn es darum ging, seine kriegerische Expansionslust juristisch zu begründen. So hatte er ein uraltes Lehensrecht in Brabant zum Vorwand für einen Überfall auf die Habsburgische Niederlande genommen, doch wurde er zurückgeschlagen. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Der Absolutismus und seine Vorherrschaft in Europa ist von drei großen Männern geschaffen worden: Richelieu (1624-1642), Mazarin (1642-1661) und Ludwig XIV. (1661-1715).
Kardinal Richelieu, der allmächtige Minister des schwachen Königs Ludwig XIII., ein Mann von lauterstem Charakter, kannte nur die Interessen des Staates. Als er starb, war durch Unterdrückung der Teilgewalten der Grund gelegt zum absoluten Königtum. Sein Schüler Mazarin hat nach Unterdrückung erneuter langwieriger Aufstände dem jugendlichen König eine starke Königsgewalt übergeben können. Nach dem Tode Mazarins war Ludwig XIV. sei eigener Kanzler.
Von schöner männlicher Gestalt mit edlen Gesichtszügen, besaß er auch treffliche Anlagen des Geistes sowie Geschmack für Kunst und Literatur, wenn auch keine tiefere Bildung. Des Königs Sinnbild war die Sonne, als „Sonnenkönig“ schritt er im Gefühl der Gottähnlichkeit einher. Stets war er bemüht, die majestätische Würde des Herrschers zu wahren, und auch in seiner Umgebung, an seinem Hofe, spiegelte sich der Glanz der Krone wieder.
Hoffeste, Komödien, Maskenzüge, Feuerwerke und andere Belustigungen wechselten in bunter Mannigfaltigkeit. Dichter und Gelehrte wetteiferten, solche Festlichkeiten zu verherrlichen, und einen Herrscher zu preisen, dessen Ehrgeiz es war, als der größte Monarch der Erde geehrt zu werden.
Ludwig verband mit seinem starken Willen auch kluge Einsicht. Er wusste immer den rechten Mann an die rechte Stelle zu setzen. Es ist wunderbar zu sehen, wie seine schrankenlose Selbstsucht immer wieder treue und selbstlose Helfer fand.
Cobert; sein Finanz- Wirtschaftsminister; Turenne und Condé, seine Feldherren; Lovois, sein Kriegsminister; Vauban, sein Festungsbaumeister u. a. – sie alle haben ein Leben voller Größe und Arbeit der Religion, des absoluten Königtums geweiht.
„Welcher politischen Meinung man auch huldigen mag, niemand kann leugnen, dass diese Monarchie eine der größten welthistorischen Erscheinungen ist“. (Ranke)
Der Wille des Königs war höchstes Gesetz: Un roi, une loi! Die Reichsstände waren schon seit Richelieu nicht mehr berufen worden. Die Gerichtshöfe zwang Ludwig zum Gehorsam, gegebenenfalls mit der Reitpeitsche. Er diktierte ihnen die Gesetze, die sie eintragen mussten.
Selbst den religiösen Glauben schrieb er seinen Untertanen vor. !685 hob er das Edikt von Nantes auf, welches einst (1598) die Gleichberechtigung der Bekenntnisse gebracht hat. Nun galt: Un roi, une loi, une foi (ein König, ein Gesetz, ein Glaube).


Dieser höfische Absolutismus schuf sich sogar zur Erhöhung seines Glanzes seinen eigenen Baustil, das Barock. (In fantastische und verschnörkelte Formen abgewandelt, wird es später zum Rokoko). Ludwig verlegte seine Residenz aus dem Louvre in Paris nach dem nahen Versailles. Aus einem kleinen Jagdschloss dort schuf er durch riesenhafte, ungeheuer kostspielige Bauten einen glänzenden Palast, umgeben von großartigen Gartenanlagen, deren Fassade 580 Meter lang ist.


Glanzstück dieses Residenzschlosses ist der prunkvolle Spiegelsaal (in ihm wurde am 18. Januar 1871 das deutsche Kaisertum proklamiert und am 28. Juni 1919 der Versailler Vertrag diktiert). Bald erhob sich in der Nähe auch eine ausgedehnte Stadt. Sogleich nach der Übernahme der Macht begann Ludwig mit dem Versuch, Frankreichs Grenzen zu erweitern.
Damals schwebte Deutschland am Rand des Abgrunds. Seine alte Waffenherrlichkeit war im Dreißigjährigen Krieg dahin gesunken. Umgekehrt hatte sich bei den Franzosen die Kriegserfahrung glänzend entwickelt, Frankreichs Heere erwiesen sich im Krieg gegen Holland als überlegen.
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Im nächsten Beitrag dieser Reihe lesen wir dann über den Frieden vom Nimwegen (1678) und Ludwigs Eroberungskrieg, oder besser über seine Raubzüge. Neun Jahre lang führte er einen Krieg in barbarischer Weise.
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