Gleich drei Raubkriege gestattete sich der französische König Ludwig XIV. (1638-1715). Auf dem Rückzug hinterließen sie eine schreckliche Spur der Verwüstung.

Wo wir doch erst gestern noch über die Verbrechen anderer Länder gelesen haben,

… dann schauen wir doch mal, was Ludwig XIV. in Folge seiner „Amtszeit“ alles angerichtet hat, also gleich nach Übernahme der Macht. Und darüber, wie England Mittelpunkt europäischer Bündnisse wurde.

• Gleich drei Raubkriege gestattete sich der französische König Ludwig XIV. (1638-1715). Auf dem Rückzug hinterließen sie eine schreckliche Spur der Verwüstung.

Lesen wir, wie es sich zugetragen hat.

Im Friede von Nimwegen (1678) erhielt Holland ungefähr seine heutige starke Nordostgrenze. Es war die unbestrittene Vormacht des europäischen Festlandes.

Hierauf suchte Ludwig XIV. den Rhein als Ostgrenze zu gewinnen.

Mitten im Frieden wurde dem Reich unter dem Schein des Rechts, durch die sogenannten Reunionskammern, das ganze Elsaß genommen, zunächst noch ohne Straßburg. Doch auch dieses wurde 1681 ohne jeden Rechtsgrund – wie auch französische Geschichtsschreiber (Lavisse u. a.) zugeben – als „elsässische Stadt“ zur Kapitulation gezwungen

1688 begann Ludwig einen neuen Eroberungskrieg. Er erhob Ansprüche auf die Pfalz, weil die Tochter des soeben verstorbenen Kurfürsten – die „Lieselotte“ – die Gemahlin seines Bruders war.

Neun Jahre lang wurde dieser Krieg in barbarischer Weise geführt. Die Pfalz, das schöne gesegnete Land, wurde zur Wüste gemacht. Speyer, Mannheim, Heidelberg, Worms sanken in Schutt und Asche. Der schönste Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert, das Heidelberger Schloss, wurde niedergebrannt; noch heute sind seine Trümmer eine stumme Anklage.

Von einem oft erhobenen Vorwurf allerdings sind die Franzosen freizusprechen: Für die Zerstörung der Kaisergräber von Speyer sind sie nicht verantwortlich.

Auch das benachbarte Württemberg wurde in diesen Krieg hineingezogen. Calw, erst im Dreißigjährigen Krieg zerstört, ging abermals in Flammen auf. Hirsau, ein ähnlicher Prachtbau wie das Heidelberger Schloss, wurde gleichfalls niedergebrannt. Esslingen musste sich ergeben. Von Schorndorf dagegen musste Melac unverrichteter abziehen, dank der mutigen Entschlossenheit der Schorndorfer Frauen.

Ludwigs XIV. Vorgehen rief Mächte auf den Plan, die das Anwachsen der französischen Macht nicht dulden wollten: England, Holland und den Kaiser.

In der Person Wilhelms III. von Oranien, seit 1688 auch König von England, kam der nationale und religiöse Gegensatz gegen Frankreich zum schärfsten Ausdruck, sodass England der Mittelpunkt jener europäischen Bündnisse, die von nun an der französischen Macht entgegentraten, da kein einzelner Staat ihr mehr gewachsen war. Ludwig XIV. stand alleine da.

Im Frieden von Rijswijk (1697) musste er auf seine Eroberungen verzichten (aber Elsaß mit Straßburg blieb in einer Hand).

Auch im Spanischen Erbfolgekrieg – geführt von der Mehrzahl der europäischen Staaten gegen Frankreich – sollte es sich, wie wir noch sehen werden, erweisen, dass Frankreichs Kräfte nicht hinreichten, um gewaltsam die völlige Beherrschung Europas durchzuführen.

Auch Kolonialpolitik betrieb Ludwig in großem Stil. In Amerika erwarb er Louisiana, das Gebiet des Mississippi. Frankreichs amerikanischer Besitz war damit größer als der von England. Aber dieses fortgesetzte Eroberungspolitik in Europa und Amerika sowie das kostspielige Hofleben überspannten schließlich die inneren Kräfte Frankreichs und zerrütteten seine Finanzen. Hier liegt der Ursprung der großen Revolution, die am Ende des 18. Jahrhunderts über Frankreich hereinbrach.

Als Ludwig XIV. starb, konnte er trotz mancher Fehlschläge auf große Erfolge zurückblicken: das Haus Bourbon saß auf den Thronen Frankreichs und Spaniens; zu Spanien gehörte fast ganz Süd- und ein Drittel den Franzosen. Wenn sich dieses ungeheure Gebiet dem französische Gewerbefleiß öffnete, konnte man das englische Welthandelsmonopol brechen.

Ebenso wie Deutschland war Italien kein geeintes Reich und in Kleinstaaten aufgesplittert, die großteils unter Fremdherrschaft standen. Die fremden Herren, die die Ländereien oftmals wieder untereinander austauschten, waren die österreichischen Habsburger und die französisch-spanischen Bourbonen. Als ein „Überbleibsel“ aus dem Mittelalter befand sich hier auch noch der Kirchenstaat (Vatikan)

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In den kommenden Tagen lesen wir dann über das Leben an deutschen Fürstenhöfen. Überall in Deutschland entstanden Schlösser, jeweils umgeben von einem großen Park, nach französischem Muster – nicht in sklavischer Nachahmung, sondern mit eigenen künstlerischen Gedanken.

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Und hier findet ihr den Beitrag zuvor aus der Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel:


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