Sonnenwende

Zu der Sonnwend’ heil’gen Stunde

haben tausend sich vereint;

Ernstes Wort geht in die Runde,

sagt von Deutschlands schlimmstem Feind,

von dem Geist der Selbstzerstörung,

von der weltverbrüd’rung Wahn;

Und zu Mahnung und Beschwörung

wächst das Wort des Redners an.

Und der hochgestimmten Menge

auf dem Plan gedrängter Chor

sendet brausende Gesänge

in die dunkle Nacht empor.

In des hohen Himmels Schweigen

flammt das Sonnwendfeuer drauf;

Schwarm an Schwarm die Funken steigen

knatternd aus dem Stoße auf.

Und ich sah die Flammen wehen,

all die flinken Funken sprüh’n;

Doch ich sah sie auch vergehen,

sie in Nacht und Nichts entflieh’n.

Und mich überfiel ein Schauern,

wankend ward mein froher Mut:

„Wird der Geister Hochflug dauern

länger als des Feuers Glut?

Folgen heil’gem Schwur die Taten

oder laßt ihr Volk und Reich

schnöd’ verhandeln und verratend“

Brüder! dieses frag’ ich Euch!

Fritz Boegner

(1877 – 1958)


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