Das Zeitalter Ludwigs XIV. (1661-1715): An den deutschen Fürstenhöfen

Mal abgesehen, von den Unarten einiger Fürsten dieser Zeit: Das wir in Deutschland so viele Mittelpunkte geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens haben (hatten), verdanken wir diesen kleinen Höfen.

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Das Beispiel Ludwig XIV. wurde vor allem von vielen deutschen Fürsten nachgeahmt – freiwillig weniger in dem Bestreben, ihr Land nach außen mächtig und angesehen zu machen, als vielmehr in der Pracht der Verschwendung, der Sittenlosigkeit und im unumschränkten Regiment.

Überall in Deutschland entstanden Schlösser, jeweils umgeben von einem großen Park, nach französischem Muster – nicht in sklavischer Nachahmung, sondern mit eigenen künstlerischen Gedanken.

So gründete Eberhard Ludwig von Württemberg die Stadt Ludwigsburg (1704) und baute sich dort nach dem Vorbild der Versailler Residenz ein großartiges Schloss, aufs prächtigste ausgestattet.

Karl Theodor von der Pfalz baute sein Schloss in Schwetzingen, Karl Albert von Bayern Nymphenburg und Schleißheim, der Landgraf von Nassau Wilhelmshöhe bei Kassel; Karl Wilhelm von Baden schuf mitten im Wald ein Jagdschloss, Karlsruhe genannt, und legte um das Schloss herum eine Stadt an, die er zu seiner Residenz machte.

Auch die geistlichen Fürsten wollten nicht zurückstehen. Der Fürstbischof von Würzburg erbaute sich ein prächtiges Schloss in der Stadt und außerdem im nahen Veitshöchheim ein zweites mit großem Park.

Am tollsten wohl hat es Kurfürst Friedrich August von Sachsen getrieben, genannt August der Starke (er war mir Riesenkräften ausgestattet, so dass er Hufeisen und harte Taler mit den Händen zerbrechen konnte). Da er gern den Königstitel haben wollte, bewarb er sich um den polnischen Königsthron, der damals frei war. Mit großem Geldaufwand gelang es ihm auch, zum König gewählt zu werden. Doch es war eine Bedingung dabei: er musste katholisch werden. So schwur er, seinem evangelischen Glauben ab. Seine Kunstliebe verschönerte Dresden mit großartigen Barockbauten (Zwinger u. a.).

Ähnlich wie August der Starke trieb es eine Zeitlang der Herzog Karl Eugen von Württemberg. Er war in Berlin unter den Augen Friedrichs des Großen für seinen Regentenberuf ausgebildet worden, hat aber seinem Lehrmeister wenig Ehre gemacht. Während ihn Friedrich gelehrt hatte: „Glauben Sie nicht, dass Württemberg für Sie da sei; seien Sie vielmehr überzeugt, dass die Vorsehung Sie in die Welt kommen ließ, um Ihr Volk glücklich zu machen“, war er nur darauf bedacht, das Leben zu genießen.

An seinem Hofe riss ein üppiges, ausschweifendes Treiben ein, sein Marstall war der erste in Europa, und um ein glänzendes Fest zu sehen, reiste man wohl sogar von Paris nach Ludwigsburg. Dazu war die Baulust des Herzogs sehr groß. Er hat das prachtvolle Neue Schloss in Stuttgart geschaffen, ferner das Seeschloss Monrepos, die Solitude, das Schloss in Hohenheim mit den wunderbaren Gartenanlagen u. a.

Mit den Jahren besserte sich seine Lebensführung. Die alte Willkürherrschaft freilich hat er dann auch nicht aufgegeben. So ließ er den Dichter Schubert, der ihn durch einen boshaften Witz erzürnt hatte, verhaften und auf den Hohenasperg bringen, wo er zehn lange Jahre in harter Gefangenschaft schmachten musste.

Damals kam es bei manchen deutschen Fürsten vor, dass sie ihre eigenen Landeskinder als Soldaten an auswärtige Mächte verkauften, hauptsächlich an Holland und England. Das hat auch Herzog Karl Eugen getan. Noch im Jahr 1786 verkaufte er tausend Soldaten an die Holländer. Sie wurden nach dem Kap und nach Batavia eingeschifft, und nur wenige sahen ihr Vaterland wieder. Es war europäischer Sklavenhandel.

Von den Zuständen im damaligen Württemberg gewinnt man ein sehr anschauliches Bild aus Schillers Drama „Kabale und Liebe“.

Doch hat Karl Eugen in dieser Zeit auch manches Gute getan. Er richtete auf der Solitude“ eine „Pflanzenschule“ ein, die er später als „Militärakademie“ nach Stuttgart verlegte.

Sie wurde als „Karlsschule“ vom Kaiser zur Hochschule erhoben, ihr berühmtester Zögling war Schiller. Doch hat schon Karls Nachfolger die Schule wieder aufgehoben.

Trotz all seiner Fehler war Karl Eugen beim württembergischen Volk beliebt, da er die Gabe besaß, mit jedem Untertanen ein freundliches, oft scherzhaftes Wort zu wechseln.

Nicht alle deutschen Fürsten waren solche Verschwender. Vor allem die Hohenzollern in Preußen nicht. Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn, der große Friedrich. Auch das Beispiel dieser Monarchen hat – wie das Ludwig XIV. – weithin als Vorbild gewirkt.

So hat besonders das Badener Land eine Reihen von trefflichen Regenten gehabt, da war ferner der Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. Später der „alte Dessauer“ genannt.

Er war nicht nur ein hervorragender preußischer Heerführer, sondern hat auch für sein Land ungemein viel geleistet. Wie erhaben er über Standesvorurteil war. Bewies er dadurch, dass er eine Bürgerliche , eine Apothekertochter heiratete. Er lebte mit dieser vortrefflichen und klugen Frau in glücklicher Ehe.

In Thüringen ist vor allem Herzog Karl August von Sachsen-Weimar zu rühmen, der Freund Goethes.

Wieland, Herder, Goethe, Schiller und manche andere zierten seinen Hof und machten Weimar zum geistigen Vorort nicht nur Deutschlands, sondern Europas.

Die Regierung jener üppigen und verschwenderischen Kleinfürsten hat auch ihr Gutes gehabt: sie haben ihre Residenzstädte zu wirklichen Pflegestätten der Bildung gemacht. Dort blühten die Künste, vor allem die Baukunst und die Malerei.

Das wir in Deutschland so viele Mittelpunkte geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens haben, verdanken wir diesen kleinen Höfen. Man denke nur an das einstige Dresden, an Weimar, München, Kassel, an die zahlreichen Universitätsstädte.

In Frankreich ist das ganz anders. Da sammelt sich das gesamte geistige Leben in Paris; die Provinzstädte aber sind zurückgeblieben und meist Stätten ödester Langeweile geworden.

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