„Das Ende der Welt“ zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten! Verkauft: als Fortschritt der Geschichte

Dieser Zeitungsausschnitt stammt vom 2. April 1995. Die Bild titelte damals „So geht die Welt unter“… Sonnenexplosionen bringen die Meere zum Kochen… und so weiter und so fort…

Wenn nicht gerade die Weltuntergangszenarien dieser Art die Runde machen, dann kommt noch (brandaktuell) ein zweiter Mond daher. Den hat man am 7. August mit einem „einzigartigen ausgeklügelten System ausgemacht. Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) nennt sich das. Dieses System dient zur Früherkennung von Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten.

Puh, da haben wir aber Glück gehabt.

Es kann also weitergehen. Alles wie gehabt: Die Klimakatastrophe, die viel zu heiße Sonne, das böse CO2, und überhaupt.., na ihr wisst schon. Das System ist allgegenwärtig, und verdammt „schlau“: Es warnt, schützt und verdummt zugleich.

Seht ihr sie auch.. die Morgenröte hinter dem Höllenfeuer? Oder ist es doch das Höllenfeuer vor der Morgenröte? Ach, wer weiß das schon… Die Festlegung auf ein konkretes Datum kann nur mit übermenschlicher Vermessenheit, übermenschlicher Weisheit, übermenschlicher Dummheit oder herzerfrischendem Dilettantismus erklärt werden.

Letztendlich sind es doch die kollektiven Psychosen von Gesellschaften und Gemeinschaften, die sich diesem Glauben verschreiben, und dem ganzen Spuk einen Raum geben. Verstörend ist, dass dies über die Jahrhunderte hinweg in Europas Kulturen konsistent geblieben ist – zu allen Zeiten rechnete man stets mit dem Untergang. Darüber wurden und werden tatsächliche Gefahren, wie das Stehlen von Freiheit und der eigenen Identität, ausgeblendet. Der Bürger verbleibt im Wohlstandskarussell drehend, im Existenzglück juchzend. Doch seine Wurzeln verkümmern.

Wenn der Mensch sich doch endlich darauf besinnen könnte, dass wir eins mit der Natur sind. Dass wir in ihr jene Handlungskompetenzen erwerben, die uns unabhängig machen.

In den Komfortzonen und der konsumorientierten Wohlstandsgesellschaft ist so viel verloren gegangen, die Menschen haben viel mehr verlernt, als gelernt.

Nichts ist prägender als die eigene Erfahrung.

Indes halten wir uns besser fern, von all den selbsternannten Deutern und Interpreten – Angstmachern aller Art: Wissenschaftler, Experten, Prognostiker, Trendforscher, Buchautoren, Redakteure, Politiker, Boulevardisten. Genau betrachtet, sind es doch allesamt Betreiber von Frühwarnsystemen, die ihre Legitimation aus der Sorge um die schützenswerte Menschheit ableiten


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