Am Hexentanzplatz: Die Schandtat von Thale…

Es ist zum Haare raufen, nein, schlimmer: Es macht sprachlos: Hexen mit Hüten, entsprungen wie aus einem Disney-Film, Menschen, die von einer Attraktion zur nächsten eilen, gegessen wird griechisch… Nun möchte man meinen, das wäre die Beschreibung zu einem der unzähligen Freizeitparks Europas…, Nein, weit gefehlt. Dieses Bild stammt aus dem schönen Harz, einem Gebiet, dass über viele Jahrhunderte von Stämmen und Völkern zu Kultplätzen genutzt wurde, wo einst die Weiber tanzten und Sprüche murmelten, die einen Zauber in sich trugen.

… Heute geht es hier zu, wie auf einem Rummelplatz. Und wieder wurde deutsche Kulturgeschichte und eine wundervolle Tradition gelöscht.

Der Hexentanzplatz von Thale wurde zum Freizeitpark umfunktioniert.

Noch zu DDR Zeiten war das ein fabelhafter Ort inmitten herrlicher Natur, mystisch, die Treffen zur Walpurgisnacht bleiben unvergessen. Es war einmal….

Dann schlagen wir es mal auf, das Familienalbum: Denn, was sie uns nicht nehmen können, das sind unsere Erinnerungen.

Mit einem Lächeln im Gesicht, betrachte ich das Erlebte aus der Vergangenheit, liebevoll gestaltet und festgehalten in einem Fotoalbum. in Gedanken kehre ich zurück an den Ort, wo ich schon in frühen Kindertagen mit dieser besonderen Stimmung an das Ursprüngliche vertraut gemacht wurde. (Mittels Beitragsfotos nehme ich euch bildlich mit). Unterwegs war ich mit meinen Eltern, meinen Tanten und Cousins. Oft trafen wir uns hier, im wunderschönen Harz.

In dieser Region ruht viel mehr Geschichte, als man anzunehmen vermag. Nach und nach wurde sie verfälscht, Orte, wo unsere Urahnen ihrer Götter und Toten gedachten, ins Latein um-propagiert.

Hier, im Feuerland gibt es unzählige Höhlen, hier findet man derartig viele, kultmäßig geprägte Gelände und Berge, dass jedes andere Gebiet dahinter verblassen würde.

Die hauptsächlichen Kultplätze dienten der uralten Sonnenverehrung, die seit Tausenden von Jahren auf der ganzen Welt vorherrschte. Wie komme ich darauf: Etwa 270 v. u. Z. forschte der Wissenschaftler Ptolemaios in Alexandria und erstellte einen Weltatlas. Er hat hier am Nordharz in Germanien eine Gebiet verortet, das über viele Jahrhunderte von Stämmen und Völkern zu Kultplätzen genutzt wurde. Das Original ist inzwischen verschollen und die verbliebenen Kopien nicht alle gleich.

Mancher wird nun sagen: „was sie schon wieder hat. Was erzählt se da wieder? Wer will das schon wissen? Was sie schon wieder schreibt…“

Gute Frage! Ja, was habe ich denn nun schon wieder geschrieben? Eigentlich setze ich nur dort an, wo sich schon über Jahrhunderte hinweg unzählige Schreiberlinge die Finger wund schrieben, über etwas, was „man“ gar nicht hören/lesen wollte.

Und weil das so ist, ist mittlerweile alles anders: Am Thingwald (groß) im Heerswald (Feuerland) treiben schrecklicher Kreaturen ihr Unwesen. Aber nicht etwa das der Hexen… Nein, diese Kreaturen sind anders. Sie leben entfernt von allem Natürlichen und Urbanen, mit der Absicht andere Menschen ebenfalls immer weiter davon zu entfernen. Sie haben sich einer bestimmten Aufgabe verschrieben: Das große Auslöschen von wertvollen Informationen.

Dieses Vorhaben schreitet seit Jahrhunderten voran. Inzwischen errichten diese Kreaturen Windräder und Freizeitparks, sie vernichten alles was urban und natürlich ist, was Erinnerungen hervorrufen könnte. Erinnerungen an unsere Vergangenheit, an unsere Wurzeln. Den Teufel stellen sie selbst. Er ist ihr Alibi. Furchtbar ist auch, wie sich der Hexenglaube über die Zeit entwickelt hat. Es wurde die christliche Hexe ins Leben gerufen, die dem ursprünglichen heidnischen Charakter widersprach.

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Infotafel:: Gut zu wissen!

• Der wunderschöne Harz: In dieser Region gibt es unzählige Höhlen, vielleicht eine Verbindung zu unserer Alten Welt? Sandsteinhöhlen (Börnecke), Wohnhöhlen Langenstein, Höhlen unter dem Regenstein, Höhlensystem Langenstein, die Höhlen in Rübeland, Volkmarskeller und Teufelsloch.

• Berühmt wurde die Walpurgis auch durch Johann Wolfgang von Goethes Theaterstück „Faust“.

• Die 1901 eingeweihte und im altgermanischen Stil errichtete Walpurgishalle steht unweit der Bergstation der Seilbahn. Über dem Eingang ist der Kopf des Gottes Odin (Wotan) angebracht. Er opferte ein Auge, um aus dem Brunnen der Weisheit zu trinken und dann in die Zukunft zu sehen. Fünf große Gemälde zeigen Szenen aus der Walpurgisnacht nach Goethes „Faust“. Im Eingangsbereich steht ein uralter Opferstein aus Granit. Dieser altheilige Stein mit einer eingemeißelten Svastika, dem glücksverheißenden Sonnensymbol, wurde 1901 mit einer Bronzeaxt unweit von hier entdeckt.

• Einst sollte von der Bode am Bodetor vorbei eine alte Steintreppe zum Hexentanzplatz geführt haben. Der aus Thale stammende Theodor Nolte beschreibt die Hexentreppe im 19. Jh. und meint, sie müsste schon mehrere hundert Jahre alt sein. Sie hatte mehr als 1000 Stufen. In sehr alten Zeiten führte die Hexentreppe einst zum Kultplatz Hexentanzplatz, ähnlich wie am Wurmberg. Später mussten die Wirte vom Waldkater und Hexentanzplatz die ersten bzw. letzten 300 Stufen pflegen und erhalten. Theodor Fontane ist noch im Jahr 1868 über die Hexentreppe zum Hexentanzplatz gewandert.

• Walpurgis, ein altgermanisches Fest , wo das Ende der kalten und der Beginn der warmen Jahreszeit gleichermaßen begrüßt wurde ,

• Viele folkloristische und mythologischen Werke enthalten unerschöpfliches Material zu den Vorgängen uralter Zeiten, den Gebräuchen unserer Urahnen. Man muss sich nur auf die Suche machen.

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Quelle:

– WERKE WERNER KÖRNERS (Auswahl) Sagensammler & Heimatforscher (Karten und Textpassagen)

– Altgermanische Religionsgeschichte Axel Olrik Edward Schröder (1910)

– Zweitschrift Journal /Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereinbs

– Der geografische Atlas de Ptolemaios

Die Bilder in der Fotogalerie stammen aus dem Familienalbum und von gesammelten Ansichtskarten.


6 Antworten zu “Am Hexentanzplatz: Die Schandtat von Thale…”

  1. Schöne Fotos von damals. 👍War im April, nach 20 Jahren, wieder ‚mal oben und wurde an die Wies’n erinnert.. (darf aber nicht meckern, an der Rappbodetalsperre habe ich ja selbst den Touri Rummel mitgemacht🤔)

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    • Ja, ganz freisprechen kann sich vermutlich niemand davon. Wobei ich immer denke, dieser Tourismus ist gelenkt. Unnötig. Zu DDR Zeiten gings ja auch ohne Fressmeilen und Souvenirshops. In Schweden werden ebenfalls die Höhepunkte nicht mit Würstchenbuden, Bierbuden oder anderem Gedöns ausgestattet. Daher nimmt man das Monument, die Kultstätte, ganz anders wahr. Im Gegenzug hat man mit diesem Rummel die Menschen immer weiter von den natürlichen Gegebenheiten entfernt. Traurige Entwicklung.

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  2. Es ist immer das Geld, das lockt und aus dem Kultplatz einen „Belustigungspark“ macht. Und leider sind’s auch die Menschen, die das mitmachen und GUT finden.Es ist traurig.

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  3. Stimme da voll zu. Bei der Talsperre wars „bloß“ Industriekultur, aber bei meinem Besuch damals, also ohne „Adrenalinbelustigung“, traf ich ich auf einen Einheimischen, der dort einst gearbeitet hat. Dem muss auch das Herz bluten. Bin immer wieder erstaunt, dass sich für die Vergangenheit so wenige Leute interessieren. Und ob junge Leute unsere Götter- und Heldensagen kennen?? Moderne Zeiten .

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