Zum St. Barbaratag – von drei Frauen und einem Kirschzweig, der zu Weihnachten in Blüte steht…

Drei Mütter im mystischen Schein,

Matronen thronend in Rhei’n

Gebete gemeißelt in Stein

Was hat es auf sich, mit diesen drei Frauen /Müttern? Was haben sie mit dem Barbaratag gemein? Und warum sollte ein frisch geschnittener Kirschzweig zu Weihnachten Blüten tragen?

Bei den Christen ist Barbara eine allseits beliebte Heilige. Doch ihre Verehrung hat tiefere Gründe. Und wie das eben so ist, wurde auch hier „umgeschrieben“, „gecancelt“, verdreht, für das Vergessen. Im Jahr 1969, nach der Kalenderreform der katholischen Kirche, wurde der Barbara-Tag nicht mehr aufgeführt. Bei vielen Gläubigen sorgte das für Empörung, schließlich wurde sie 2002/2004 wieder im Kalender mit aufgenommen und zur Schutzheiligen für viele Berufe auserkoren.

Mancher hat es vielleicht noch in Erinnerung, oder von den Eltern erzählt bekommen: Mit der Reform des liturgischen Kalenders endete die weltweite Verehrung mancher Heilliger.

Sinnbild aus Sehnsucht geboren

Zur himmlischen Heerschar erkoren

Zwischen Träumen und Tränen verloren

Dem Diesseits-Denken entschwunden

Doch Zeit und Zerfall überwunden

Als Sinnbild-Denkmal wieder gefunden

Und so kommen wir zur tieferen Bedeutung: Zusammen mit ihren Schwestern Katharina und Margarethe entpuppt sich Barbara als eine Metamorphose der der drei keltischen Matronen oder Muttergottheiten.

Indigene Europäer kannten diese Göttinnen-Triade schon seit Urzeiten in Gestalt der weißen Göttin, die für Junfräulichkeit und Frühling stand, als die Rote Göttin, die den Sommer, die Wärme, die Reife, das Blühen, das Lebensfeuer und das Monatsblut verkörperte, und als Dritte die Schwarze Göttin. Die Alte, die Hüterin der Samen und Seelen.

In den Volksmärchen erscheint die dreifache Urgöttin als Schneeweißchen, Rosenrot und die alt (schwarz gekleidete) Frau Holle. Diese Farben sind übrigens die Urfarben mit denen vor rund 35 000 Jahren die altsteinzeitlichen Höhlenmaler ihre Tierbilder malten.

So ist auch eine Wesensverwandtschaft der Matronen mit den Nornen, den nordisch – germanischen Schicksalsgöttinnen, nicht zu leugnen.

Das Urbild der drei Frauen taucht auch nach der Bekehrung zum Christentum immer wieder auf, wenn auch stark abgewandelt. Bekannt ist die Verehrung der sogenannten drei Bethen, der Ambeth, Warbeth (Barbeth) und Wilbeth, auch Einbeth. Im 13./14. Jahrhundert breitete sich dann der Drei-Marien-Kult aus. Demzufolge seien die drei Marien Maria Magdalena, und die beiden Jüngeren Jesu, Maria Salome und Maria Jakobi.

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In keiner antiken Schriftensammlung ist etwas über die Matronenverehrung zu finden – und doch gibt es ein riesiges Archiv, das von diesen Göttinnen berichtet. Dieses Archiv entdeckte man erstmals um 1600 und verstärkt im letzten Jahrhundert. Die wertvollen Dokumente sind aus Stein, liegen wohlbehütet in der Erde und wurden meist durch Zufälle entdeckt. Das Archiv erstreckt sich auf ein ausgedehntes Gebiet – auf das ehemalige Gallien bis nach England und Italien, mit Schwerpunkt im damaligen Gebiet der Ubier, einem Germanenstamm, der sich westlich des Köln-Bonner Raumes niedergelassen hatte.

Die aussagestärksten Archivstücke sind Altarsteine, auf denen drei Frauen dargestellt sind. Etwa 800 dieser Steine fand man insgesamt; von den Fundstellen im Rheinland liegen 14 am Rhein, sechs an Erft und Swist und 24 zwischen Erft und Rur. Meist entdeckte man diese antiken Denkmäler in römischen Trümmerfeldern. Doch auch beim Freilegen fränkischer Plattengräber fand man Weihesteine, die dort eine Zweitverwendung gefunden hatten.

Die Gestalten sitzen in einer Nische, sind mit langen, faltenreichen Gewändern bekleidet und haben Körbe mit Früchten oder sonstigen Opfergaben auf ihren Knien. Die beiden äußeren, älteren Frauen tragen große, turbanartige Hauben, während die mittlere, jüngere Figur mit herabwallenden Haaren und ohne Kopfbedeckung dargestellt ist; es könnten demnach zwei verheiratete und eine ledige Frau gemeint sein. Die drei entscheidenden Phasen im Leben einer Frau drängen sich auf: Tochter, Gattin, Mutter.

Schon nach den ersten Funden dieser Dreiergruppen wagte man vorsichtige Prognosen. Man erkannte in den Reliefdarstellungen ein Sinnbild, das Sonne und Mond – gekennzeichnet durch die Hauben – und die Mutter Erde darstellen sollte. Aber man deutete die Gestalten auch als Mondkünderinnen, wobei die kleinere Gestalt den Neumond anzeigen sollte. Aus den Opfergaben schloss man, dass die Frauengestalten Fruchtbarkeitsgöttinnen versinnbildlichen, die um alles Werden auf der Erde angefleht wurden. Durch das Sitzen, Thronen, sollte ihre Würde deutlich werden. Aus der sitzenden Stellung schloss man aber auch auf ihr Gewerbe als Pythia, Seherin, und erklärte die weisen Frauen zu Schicksalsgöttinnen. So hat man vieles aus den Frauengestalten herausgelesen und sicher auch manches hineingelesen.

Dass es sich bei den Matronen nicht um römische Göttinnen handelte, wurde bald bewusst; denn nirgendwo hatten die römischen Schriftgelehrten etwas über diesen Kult niedergeschrieben, und die Römer schrieben gerne und ausführlich über ihre Götterwelt. So geben die Matronen-Schriftsteine manche interessante Auskunft über die römische Zeitepoche. Doch das Reich der göttlichen Mütter bleibt voller Mystik.

Dass diese Matronensteine nicht planlos in der Gegend gestanden haben, war nicht nur eine logische Folgerung, sondern bestätigte sich durch weitere Bodenfunde. Stets waren in der Nähe von entdeckten Weihesteinen Reste von Bebauungen vorhanden. So erkannte man, dass die Denksteine zu kleineren oder größeren Kultstätten gehörten.

Die Kapellen hatten nur privaten Charakter und können einer Familie oder Sippe zugeordnet werden. Solche kleine Heiligtümer lagen u.a. bei Iversheim, Elvenich, Lessenich, Lechenich, Embken und Vettweiß. Eine kleinere Tempelanlage ist in Zingsheim rekonstruiert: eine quadratische Cella als Wohnsitz der Gottheit und ein offener Umgang.

All diese Funde zeigen, dass sich ein ganzes Netz von Matronen-Verehrungsstätten über das Eifelgebiet ausbreitete. Weiteren Aufschluss erwartete man durch einen Vergleich derjenigen Stellen, an denen Weihesteine und Tempelreste gefunden worden waren. Häufig fand man Tempelreste auf Erhebungen in der Nähe einer römischen Siedlung und Straßen sowie nicht weit von einer Quelle.

„Die Mütterverehrung ist kein germanischer oder römischer, sondern ein keltischer oder gar vorkeltischer Brauch.“ Zu diesem Resultat kamen die Geschichtsforscher. Will man den Matronenkult verstehen, muss man sich zunächst mit der Religion der Kelten und deren Vorfahren auseinandersetzen.

Von den Kelten wissen wir, dass sie sehr naturliebend waren. Sie fühlten sich eins mit allen Geschöpfen der Erde, mit Tieren, Pflanzen und Bäumen, mit Wasser und Luft und mit den Gestirnen. Den Mondphasen schrieben sie magische Kräfte zu; allem Übersinnlichen waren sie zugeneigt. So ist es verständlich, dass sie sich ihren mannigfachen Göttern auf Bergeshöhen, in heiligen Hainen und an Wasserquellen besonders nahe fühlten. Diese Plätze, aber auch Bäume – und bei den Irlandkelten die Megalithbauten – waren nicht nur die Orte, sondern oftmals auch die Gegenstände ihrer Verehrung. Baum- und Quellenkulte sind bis in eine sehr späte Zeit aus gallischen Heiligenriten bekannt.

Erst durch die Grenzlandfestlegung Caesars wurden Kelten und Germanen getrennt. Caesar spricht meist nur von Galliern, womit alle Bewohner Galliens gemeint waren, egal ob sie Kelten oder Germanen waren.

Wir wissen jedoch, dass auch germanische Stämme die Mütter-Dreiheiten verehrten. Auffallend ist, dass in den Übergangsgebieten zwischen den rein germanischen und den altkeltischen Kulturländern die Matronenverehrung besonders oft nachweisbar ist. Eine Wesensverwandtschaft der Matronen mit den Nornen, den nordisch – germanischen Schicksalsgöttinnen, ist nicht zu leugnen.

Einen Hinweis auf eine germanische Matronenverehrung sieht man in den mysteriösen Beinamen der Göttinnen, in denen man sowohl keltisches als auch germanisches Sprachgut erkennen kann.

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Und nun zum Kirschzweig: Wer am Barbaratag, dem 4. Dezember, frisch geschnittene Kirschzweige in die Stube holt, in ein Gefäß mit wenig Wasser stellt, kann sich mit etwas Glück zu Weihnachten über Blüten freuen.

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Quellverweise:

Sophie Lange > Matronenkult und Kultplätze

Wolf Dieter Storl – die Magie der Sonnenwenden

Die Welt der Kelten – Jacques Moreau

Die Kelten – Gerhard Herm

Götter und Mythen der Germanen – R. Derolez

Von Matronen und Weihedenkmälern – Franz Cramer

Der römische Tempelbezirk bei Pesch – Waldemar Haberey

Der Ortsname des Kreises Euskirchen – Gerhard Mürkens

Heimatkalender Euskirchen 1953, 1962, 1964, 1967

Heimatkalender Schleiden 1954, 1956, 1961, 1966


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