Im Übergang vom 5. auf den 6. Dezember- wir feiern den 6ten Jul Wodanstag. Wodan zieht durch die Orte und bringt den Kindern Geschenke, um die Wartezeit auf das Wiederkommen des Lichtes zu vertreiben.
Daher werden am gestrigen Abend gewiss wieder viele Kinder ihre Schuhe und Stiefel ordentlich geputzt, und vor die Tür gestellt haben. Mögen sie nur gut gefüllt worden sein, mit all den segensreichen Früchten und Nüssen.

In manchen Regionen, so habe ich erfahren, klopft der „Nikolaus“ gar an die Tür. Das verrät ein Kindervers aus Bremen:
Sunner Klaus de grote Mann
kloppt an alle Dören an
Lüttje Kinner bringt he wat
Grote stickt he in´en Sack
Halli, halli, hallo
So geiht dat in Bremen to.“
(Aus: Macht auf das Tor (1905))
Bei uns daheim gibt es traditionell an jedem 6. Dezember selbst gebackene Weckmänner. Also hinein mit dem Gebäck in den heißen Ofen


Der Fantasie im Backen der Gebildbrote sind keine Grenzen gesetzt.
Ein ‚Gebildbrot‘, ist ein Brot, das etwas abbildet, das Bilder in uns aufsteigen lässt. Schon in heidnischen Zeiten buk man Brote in der Gestalt von heiligen Tieren oder Göttern. Bei fast allen indogermanischen Völkern sind solche Backwaren in der Form einer Figur, eines Gebildes, nachweisbar.


Aus dem kelto-römischen Gräberfeld Belginum/ Wederath (Hunsrück) gibt es einige Gebäckuntersuchungen. Unter anderem kam ein verkohlter „Keltenkringli“ aus Honigteig mit Hefe zum Vorschein, dessen Rezept ein schweizer Institut (daher der Name für das Gebäck) rekonstruiert hat.
Brot und Gebäck aller Art haben im Heidentum schon immer eine große Rolle gespielt. Ob als Opfergabe oder im Rahmen des Segens, z.B. im Wicca, oder nach einem Ritual beim gemütlichen Beisammensein, ohne Brot oder Kuchen läuft nichts. Es wird berichtet, dass Brot in Tierform schon von den indogermanischen Völkern als Ersatz für Tieropfer genutzt wurde.
Aber bleiben wir noch bei unserem „Weckemann“. Fast jede Region nennt ihn anders. Weck(en)mann, Dambedei, Grättimaa, Grittibänz, Hefekerl, Klausenmann, Martinsmännchen, Krampus oder Stutenkerl – es ist ein Gebäck in Form eines Mannes aus Hefeteig, häufig mit Rosinen, bezeichnet.

So ist er der Klausenmann im Bodenseeraum, der Stutenmann oder Stutenkerl in Norddeutschland, das Weckmännchen in Mittel- und Ostdeutschland, das Boxenmännchen in Luxemburg, der Krampus in Teilen Österreichs und Bayern, der Buikman oder Wekkeman in den Niederlanden, der Manele im Elsass, der Dambedei in Karlsruhe und JJean Bonhomme in Frankreich.
Die Namen mögen je nach Region unterschiedlich sein, doch eines haben sie alle gemeinsam: Es sind Teigmännchen nach alter europäische Tradition.
Und wie es immer so ist: Die Christen nahmen die Idee auf: So kennen wir die Brezel als Speise der Fastenzeit. Diese sollen die die verschränkten Arme der Mönche darstellen. Das aus Kuchenteig gebackene Osterlamm stellt den Heiland als Opferlamm (Agnus Dei) dar. Und der Dresdner Christstollen symbolisiert das Christkind als Wickelkind. Der Spekulatius ist eine besondere Form der Gebildbrote, mit Abbildungen von Menschen, Tieren, Bauernhöfen, Schiffen, Windmühlen u. s. w.
Nun genug davon. Ganz gleich, in welcher Region ihr euer Gebildbrot verspeist: Heute ist Wodanstag!
Heil und Segen bei köstlichen roten Äpfeln, Nüssen und Gebäck.
![]()

—————–
Weitere Namensgebeungebje nach Region auf einen Blick
Böxepitter“ (in Solingen)
„Buggemann“ (Raum Mönchengladbach / Viersen)
„Hellijemannskälsche“ (sehr selten geworden, unter anderem in Köln)
„Hierzemann“ (Großraum Bonn)
„Kloskerl“ (früher weit verbreitet)
„Märtesmann“ (Nordeifel)
„Puhmann“ (Mülheim/Ruhr und Umgebung)
„Piefeklos“ (Nordeifel, sehr selten)
„Senterklos-Stütt“ (Niederrhein)
„Stuttemann“ (Niederrhein)
„Weckmännes“ (verbreitet)
Krampus (Bayern und in Teilen Österreichs)
———————————————————–
Quellen /Literaturverweise
Sybil Gräfin Schönfeldt, Feste und Bräuche durch das Jahr, Urania Verlag in der Dornier
Ceisiwr Serith, Deep Ancestors-Practicing the Religion of the Proto-Indo-Europeans, ADF Publishing (auf Englisch), 2009
Jakob Grimm, Deutsche Mythologie, Dieterichsche Buchhandlung, 1835
Wolf Dieter Storl- Magie der Sonnenwenden.
