Nicht mehr lang: Schon bald kommt ein weiteres, tief in der Seele verankertes Urbild zum Ausdruck: Unser Weihnachtsbaum geschmückt mit heiligen und magischen Symbolen, behängt mit den goldenen Äpfeln, die den Göttern ewige Jugend und Unsterblichkeit verleihen.
Die Kugeln (Äpfel) sind bevorzugt in Gold für die Sonne oder Rot für das Feuer des Lebens und Lebenskraft.

Das Aufstellen von Bäumen zur Zeit um die Wintersonnwende geht weit in die vorchristliche Zeit zurück. So ist der Weihnachtsbaum tief mit den Ursymbolen der Menschheit verbunden. Damals verkörperten immergrüne Pflanzen wie Fichte, Tanne, Kiefer, Eibe, Stechpalme, Mistel, Wacholder oder Efeu Lebenskraft, und das Grün gab im dunklen Winter Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.
Der erste christliche Weihnachtsbaum wurde 1539 im Straßburger Münster aufgestellt.
Erste schriftlich dokumentierte Hinweise auf geschmückte Tannenbäume stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts im Elsass. Dort brachten Menschen während der garstigen und kargen Jahreszeit immergrüne Zweige und später auch Bäume als Symbole des Lebens in ihre Wohnzimmer und schmückten sie
Im Laufe des 17. Jahrhunderts drang der Weihnachtsbaum-Brauch dann in die Wohnhäuser der wohlhabenden städtischen Bürger
Im Jahr 1891 stand erstmals ein Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus in Washington. Die katholische Kirche tat sich allerdings lange Zeit schwer, die protestantische Baum-Tradition als Teil der allgemeinen Christentumsymbolik zu akzeptieren.
Erst zum Ende des Zweiten Weltkriegs tauchten Weihnachtsbäume in katholischen Kirchen auf. Im Vatikan gab es den ersten Weihnachtsbaum sogar erst 1982
Fern der christlichen Gebrauchsweise und Umdeutung, folgen wir den Ursprüngen:
Die bunten Glaskugeln, die Strohsterne, Äpfel, Lebkuchen und der andere Baumschmuck stellen symbolisch diese jenseitigen spirituellen Welten, deren Gaben und Bewohner dar. Die sich drehende mehrstöckige Pyramide, erzgebirgische Weihnachtspyramide ist ebenfalls eine bildhafte Wiedergabe des mehrstöckigen Weltenbaums.


Die Lichter der Kerzen und der Schmuck aus Sternen verweist auf die Sternenlichter der Milchstraße. Die Milchstraße galt bei den lettischen Austrakoks ebenso wie bei den Mayas und vielen anderen Völkern als die Äste des Weltenbaumes. Die Kerzen am Baum bekräftigen diesen kosmischen Bezug.
Gekrönt wird der Weihnachtsbaum meist von einem Stern. Dieser repräsentiert den Nordstern, den Polarstern, um den sich – so wie man es mit den unmittelbaren Sinnen in der Nacht wahrnimmt – der ganze große Sternenhimmel dreht.
Ich könnte nun, an dieser Stelle, noch weiter ausholen, denn gerade in diesen Zeiten beschäftigen sich immer mehr Menschen mit den „Übergängen“ von der Alten Welt in die Neue Welt. Heute wissen wir, dass es kein sanfter Übergang war, daher liegt auch so viel darüber im Verborgenen. Aber die Menschen stellen Fragen, und das ist gut so.
Der Weltenbaum steht in der Mythologie im Zentrum der Welt. Sein Stamm ist die Weltenachse und um ihn dreht sich der Kosmos. Wenn wir zum Himmel blicken, rotieren die Sterne um den Polarstern. Er bezeichnet den kosmischen Endpunkt, die „Spitze“ des Weltenbaumes und wird darum oben am Weihnachtsbaum befestigt.
Solange der Weltenbaum steht, gibt es die Welt. Das Leben ist unendlich.
Für die Germanen war die Fichte eine heilige Verbindung zwischen himmlischer und irdischer Lebenskraft. Der Weltenbaum der lettischen Austraskoks hatte silberne Blätter, kupferne Wurzeln und goldene Zweige. Somit verbindet der Baum Himmel und Erde. Er stellt eine kosmische axis mundi, eine Weltenachse, dar.
Doch zuvor, also während der Adventszeit, ziehen noch die Geister umher; die struppigen Naturgeister und hungrigen Totengeister, angeführt von dem schimmelreitenden Zaubergott oder der wilden Percht.
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Fortsetzung zum „Weihnachtsbaum/Weltenbaum“ folgt. Es sind ja noch ein paar Tage hin, bis die grünen Bäumchen im Hause Einzug halten, und unter anderem mit einer golden leuchtenden Sonne behangen werden, die für die Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichts steht.


Im Kommentar findet ihr noch einen Beitrag dazu, verfasst im letzten Jahr.
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Infotafel zu unserem alten Wissen:
Uralte Steinkreise, und noch wesentlich älteren, europaweit vorkommenden Kreisgrabenanlagen, weisen darauf hin, dass diese Feste ihren Ursprung bereits vor etwa 8000 Jahren fanden. Diese heiligen Orte sind genau nach den Jahreskreisfesten ausgerichtet und zeigen die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, sowie die Himmelsrichtungen an.
In unserem Kulturkreis war es selbstverständlich in einer tiefen Verbindung zur Natur zu leben und dabei die Zyklen der Jahreszeiten bewusst wahrzunehmen Die Bitte und der Dank für eine gute Ernte und das Einbinden aller Kräfte, die dafür verantwortlich waren, standen im Mittelpunkt der alten Rituale.



Der Lauf von Sonne und Mond, die Beobachtung der Sterne und des Wetters und die natürlichen Zyklen waren für unsere Ahnen wegweisend.
Viele Erkenntnisse dazu, sammeln wir auf unseren Reisen. Daher geht aus meinen Beiträgen immer wieder hervor, dass es durch die Christianisierung geschah, dass diese ursprünglichen Feste nicht mehr gefeiert werden durften. An den heiligen Orten wurden Kirchen gebaut und zu den heiligen Zeiten wurden neue Feste gefeiert.
Menschen, die am alten Glauben festhielten, ihre große Mutter weiterhin verehrten und die Natur in den Mittelpunkt ihrer Feste stellten, wurden verfolgt und eingesperrt oder sogar umgebracht. So ging das alte Wissen zu diesen Festen verloren. Teile davon sind im heimischen Brauchtum erhalten und manche Inhalte, wie Ostern oder Weihnachten wurden in den kirchlichen Jahreskreis aufgenommen.
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Was sind die im Text erwähnten Austras koks? Es ist die lettische Bezeichnung für den „Baum des Ostens“ (auch „Baum der Dämmerung“) in der baltischen Mythologie. Es heißt, der Baum wächst vom Punkt des Sonnenaufgangs entlang des Himmelszelts bis zum Punkt des Sonnenuntergangs (der Dämmerung).
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Quelle
Altes Wissen /Rituale im Jahreskreis
Wolf Dieter Storl Magie der Sonnenwenden
Kusch –Geheime Unterwelt, das Vermächtnis der Jahrtausende alten unterirdischen Völker.