Lucia – die Botin des Lichts

In einer Zeit heftigster Christenverfolgung, im Jahr 286 n. u. Z., wurde in Syrakus (Sizilien) Lucia geboren. Sie starb im jungen Alter von 21 Jahren.

Viele Legenden ranken sich um sie:

Die wohl bekannteste Legende: „Als junges Mädchen bekehrte Lucia sich heimlich zum Christentum und weihte ihre Jungfräulichkeit dem geliebten Jesu. Heimlich bringt die junge Lucia Christen, die sich in den Katakomben der Stadt versteckten, Essen. Um ihre Hände freizuhalten und dennoch in der Dunkelheit sehen zu können, trägt sie einen Kranz aus Kerzen im Haar. Hilfsbereit wie sie war, unterstützte sie ihre Freunde, die sich in ihrem Versteck geheim halten mussten. So kam es dazu, dass sie ihnen, in Körben getragen, Essen und Trinken brachte. So berichtet es die Heiligenlegende.“

Eine andere Legende besagt: „Als ihre Mutter schwer krank wurde, betete das Mädchen inbrünstig für sie, so dass die kranke Frau wieder geheilt wurde. Als Lucia, die sich schon einige Zeit davor zum Christentum bekannte, anfing, das Geld, um das sie ihre Eltern als vorzeitiges Erbe geboten hatte, an Arme zu verteilen, griff ihr Bräutigam in das Geschehen ein. Denn ihm gefiel Lucias Handeln nicht und er war außerdem äußerst verwundert über ihr neues Wesen, so dass er sie zur Rede stellte. Als er erfuhr, dass Lucia eine Christin geworden ist, klagte er sie beim Richter an. Dieser verurteilte sie zum Tode. Das Feuer konnte Lucia jedoch nicht umbringen, weshalb sie erst durch einen Schwertstreich am 13. Dezember 304 starb.“

Heute, am 13. Dezember wird in Schweden der Lucia-Tag gefeiert.

Ein Ereignis, dass das Licht inmitten des dunklen Winters symbolisiert.

Aber noch etwas anderes hat es mit diesem Tag auf sich, dessen Brauch, wenn man die Geschichte dazu kennt, fast selbsterklärend ist. Dieser Tag wird oft mit einen „Kalenderfehler“ in Verbindung gebracht. Es ist ja bekannt, dass vor der gregorianischen Kalenderreform im 16. Jahrhundert dieser Tag genau auf die Wintersonnenwende fiel, also auf den dunkelsten und kürzesten Tag des Jahres.

Aber vielleicht hat es sich doch noch anders zugetragen?

Von den alten keltischen Festen wissen wir, dass es immer um den Jahreskreis und um den Sonnenlauf geht. Also am Samhein (um den 01.11.) holt die alte Morag (Mokosch, Morgane, Perchta) das kranke Sonnenkind zu sich in die Moore um es zu heilen. Um das Sonnenkind ist es aber nicht wirklich gut bestellt. Es wird immer kränker und schwächer. In den skandinavischen Länder sieht man es überhaupt nicht mehr. Interessanterweise am 13.12. ist es am schlimmsten. Da sackt die Sonne viel früher runter. Macht einfach einen Knick. Wir haben die längste Nacht und den kürzesten Tag im Jahr, auch vor dem 21.12. Danach steigt die Sonne wieder ein bisschen an, um am 21.12. wieder den gleichen Punkt, wie am Lucia-Tag zu erreichen. Im Winter ist die Sonne das kranke Kind und im Sommer der strahlende Prinz und Bräutigam.

„Eine Nacht geht mit schwerem Schritt um Hof und Hütte.

Auf der Erde, welche die Sonne verließ, brüten dunkle Schatten.

Da betritt unser dunkles Haus mit brennendem Licht Lucia, heilige Lichtbringerin. Lucia.“ (Schwedisches Lucia-Lied)

Von unseren Vorfahren wurde der Himmel sehr genau beobachtet, so konnte man auch fest stellen, dass am Lucia tatsächlich die Sonne den tiefsten Punkt erreicht, unabhängig davon, dass dies nur für eine Nacht passiert. Es war vielleicht immer ein Schreck zu sehen wie die Sonne plötzlich „sackt“, so hat man sich ausgedacht hier etwas Hilfe zu leisten.

In den Nordländern fiel der Tag der Lucia auf den dunkelsten Tag des Jahres. An diesem Sonnenwend treiben die finsteren Geister ihr Unwesen, wüten und spuken, ohne dass sie das Sonnenlicht fürchten müssen. In den Alpenländern indes, viel weiter südlich, bringt man diesen Tag mit den wilden Perchten in Vebrindung. Im Gegensatz zum hohen Norden, wo Lucia als Lichtgestalt erscheint, mutierte sie in den Regionen Süd-Mitteleuropas Lucia zu einer furchteinflößenden, hässlichen Dämonengestalt, zur Butzenlutz, Lutzelfrau, zur schiachen Luz, Luka, Lussibraut oder zum Lutscherl. An ihrem Tag scheute man es, ins Freie zu gehen, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. Tat man es trotzdem würde sich die Percht rächen.

Und auch das ist erwähnenswert:

„Der schwedische Theologe Äke Viktor Ström, der den heidnischen Elementen nachspürte, die bis heute im Christentum zu finden sind, sieht in der Person der Lussi und dem Lucientag die Verehrung der einst beliebten lichthaften Göttin Freya weitergeführt. Freyr, der Zwillingsbruder der Freya, so schreibt er, wurden durch den heiligen Stephanus, dem Patron des ersten Weihnachtsfeiertages (26.12.) – einem tag des Minnetrinkens – ersetzt.“

——————————————————

Und so feiert man diesen Tag:

Im Mittelalter wurde vor allem in Schweden die Verehrung der Lichterjungfrau zu einem Hauptfest der Wintersonnenwende. Zumeist ist es die älteste Tochter im Haus, die zur Luciabraut erkoren wird. Sie trägt ein langes, schneeweißes Kleid mit einer roten Schärpe, einen Kranz aus grünen Preiselbeerzweigen mit roten Beeren auf dem Kopf und eine Krone mit fünf brennenden Kerzen. In dieser Aufmachung weckt sie ihre Eltern mit Gesang und bringt ihnen Kaffee und leckeres mit Safran aromatisiertes und sonnig-gelb gefärbtes Hefegebäck, auch Lussekater genannt.

Aber auch zunehmend in anderen Ländern unternehmen eine Gruppe von Menschen eine Licht-Wanderung durch das Dorf. Manche besuchen Heime und Krankenhäuser. Stets führt eine mit der Lichterkette geschmückte Luciabraut die Prozession an.

In manchen Gegenden, tragen die Lucias ein Fässchen mit weißer Farbe und ein Pinsel mit und klopfen an die Türe im Dorf. Ihre Gesichter sind auch weiß bepinselt oder sie tragen eine weiße Maske. Die gastfreundlichen Hausbesitzer, werden dann ein bisschen mit der weißen Farbe bepinselt. Das soll Glück, Segen, Gesundheit und Reinheit bringen. Die Hausbesitzer beschenken dann die Lucias mit Schnaps und Brot / Gebäck.

In anderen Gegenden, dürfen die Gäste nicht an der Türschwelle begrüßt werden und es darf aus dem Haus nichts ausgegeben werden. Da werden die Lucias ins Haus gebeten und es wird wieder der Schnaps und das Gebäck angeboten.

In Kroatien werden am Gedenktag der heiligen Lucia einige Weizenkörner in eine Schale gesät. Der Lucienweizen grünt bis zum Weihnachtsfest und steht als Symbol für das neue Leben und die Hoffnung inmitten des Winters. Das Getreide wird nach den Feiertagen nicht etwa weggeworfen, vielmehr verteilt man es an die Vögel.

————————————————————

Und zum Abschluss gibt es noch ein altbewährtes Rezept zu den schwedischen Lussekattern – hier für 24 Stück:

50 g Butter oder Margarine in 150 ml lauwarmer Milch verrühren,

25 g Hefe darin auflösen,

mit 300 g Mehl, 50 g Zucker, 1 Ei, 1 Msp. Safran und einer Prise Salz zu einem geschmeidigen Teig kneten und auf doppelte Größe gehen lassen.

Den Teig in 24 Stücke teilen und daraus „Lussekatter“ formen (umgekehrte „s“, jeweils 2 über Kreuz gelegt. Die Enden werden eingedreht und jeweils eine Rosine draufgesetzt.).

15 Minuten auf einem gut gefetteten Backblech gehen lassen.

1 Eigelb verquirlen, die Lussekatter damit bestreichen und mit Korinthen / Rosinen verzieren.

Bei 250° C ca. 15 Minuten backen

———————————-

Quelle /Literaturverweise

Keltenmond

Wetterregeln,, Bauernweisheiten, und alte Bräuche Klein Diethard

Wolf Dieter Storl-Magie der Sonnenwenden S. 96

Das Geheimnis der Mysterien Giebel Marion

Richardt William Bauer: Calender for aarene fra 601 til 2200 efter Christi fødsel. Dansk Historisk Fællesråd (Neuauflage 1993), Kopenhagen 1968,

• Raabe, Lis: Alte Weihnachtsbräuche aus deutschsprachigen Ländern. München 1984.

• Peters, Christiane: Schweden- Verwunschene Wälder, verzauberte Seen. Norderstedt 2008.

• Schmale, Kerstin: Sankt Martin, Nikolaus & Co. Mit Kindern Wintertage feiern und gestalten. Ostfildern 2003.

• Schneider- Stotzer, Franziska: Feste und Bräuche im Jahreskreis. Luzern 2001.


Hinterlasse einen Kommentar