Am Freitag machen wir uns wieder auf den Weg zu den Kult- und Opferstätten, die an die Glaubensvorstellungen unserer Vorfahren erinnern. Wir feiern die Wintersonnenwende.
am 21. Dezember!

Von da an, sind es noch 12 Tage, und es scheint als stehe die Sonne still. Mit dem Tag der Sonnenwende beginnen dann auch die Rauhnächte, eine Zeit des Wünschens und der Hoffnung auf gute Zeiten im nächsten Jahr. Ebenso wird in Haus und Hof nun wieder ausgiebig geräuchert, um Mensch und Tier, Hab und Gut zu beschützen und Dämonen zu vertreiben Überall duftet es nach heilbringenden Kräutern wie Beifuß, Wacholder, Mariengras oder Tannenharz. Wir zünden die Lichter an und manch einer hängt den Wintermain, den ursprünglichen Weihnachtsbaum auf. Bei uns steht er wie jedes Jahr fest auf dem Boden.

Die längste Nacht, und der kürzeste Tag… In ganz Europa sind Thomastag und Wintersonnwende mit einer Reihe von überlieferten Volksbräuchen verbunden.
Bevor wir aber nun zu den Bräuchen kommen…, was wissen wir eigentlich über den Thomastag? Nun, man sagt, dieser Tag soll der Todestag des Apostels und „Jüngers Jesu“ gewesen sein. In früheren Zeiten war der Thomastag noch lange wichtig, besonders auf dem Land und in den katholisch geprägten Regionen. So wurde in Bayern und Tirol auf den Höfen am Thomastag die „Mettensau“ geschlachtet, das Schwein, das nach der Messe am Heiligen Abend und in den Weihnachtstagen verspeist wurde. Man freute sich ganz besonders auf diesen Schweinebraten, denn die vorangegangen Adventszeit galt als Fastenzeit.
Einer alter Bauernspruch lautet:
„Thomas dreht die Stund‘ um“
Am Thomastag werden auch Haus und Hof gereinigt und aller Schmutz mit einem Birkenreisigbesen weggefegt. Außerdem spricht man davon, dass in der dunkelsten Nacht des Jahres viele unsaubere Geister unterwegs sind, die sich gerne in Schmutz und Unrat verstecken.
Schließlich wurden sogar die Silbermünzen gewaschen, damit man für das ganze Jahr genug Geld hat.
Ihr lest schon, viel Aberglaube begleitet die Thomasnacht. Selbstverständlich wurde auch orakelt. Besonders für Liebesorakel war es eine gute Zeit. So konnte in Deutsch Böhmen ein Mädchen für ein Orakel in den Obstgarten gehen und einen Pflaumenbaum schütteln. Dabei sprach sie:
„Zwetschgenbaum, ich schüttle dich, wo wird a Hunderl bellen, wird si mei Liebster mell’n.

Und nun noch kurz etwas zu den Bräuchen der Sonnenwendzeit: Die Germanen schlachteten ein Wildschwein und verspeisten es zu Ehren Freyrs. Noch immer gehören Schinken, Schweinesülze, in England boars head und in Skandinavien das Jul-Schwein, zum Weihnachtsfest. Auch das Glücksschwein aus Marzipan, das man gegen Ende dieser Sonnenwendfeiertage, am heutigen Neujahrstag, verschenkt, geht auf diesen Brauch zurück.
Die meisten Naturvölker feierten die Sonnenwendzeit mit närrischen Winterfesten, die sich über mehrere Tage hinzogen.
Ja, es scheint, als stehe die Sonne in dieser Zeit still. Die Römer nannten diesen Stillstand „solstitium“ – sol = Sonne / sistere „ anhalten, stillstehen.
Und was machen wir an diesem Tag? Wir feiern die längste Nacht und den kürzesten Tag wie in den vergangen Jahren am Opfermoor , schlürfen dort köstlichen Glühmet, folgen dem fröhlichen Treiben und dem Tanz der Frau Holle, brechen das Brot als Opfergabe und erfreuen uns am lodernden warmen Feuer.








Gestern stellte man mir die Frage, ob ich denn nicht die Geburt Jesus feiere?
Dazu sollte man wissen, In der dunkelsten, tiefsten Nacht des Jahres, der Mutternacht (angelsächsisch: modraniht), wird das Sonnenkind unter dem Weltenbaum wiedergeboren. Wagenräder, Spinnräder, Mühlräder und alle anderen Räder mussten in dieser heiligen Zeit stillstehen.
Erst am Ende der zwölf heiligen Tage stößt der goldborstige Eber (germanisch: Gullinborsti) – er war das Tier des gütigen Freyr, des altgermanischen Gottes der Fruchtbarkeit – das Jahresrad wieder an und setzt es dadurch in Bewegung.
Die Wintersonnwende, war den Waldvölkern, den Kelten, Germanen, Slaven und Balten, so wichtig dass sie nicht davon lassen wollten. Die Kirche hatte keine Wahl, als wie die Geburt Jesu in die Sonnwendtage zu verlegen.
Bis ins 4. Jahrhundert feierten die Christen den Geburtstag ihres Heilands Jesus überhaupt nicht, für den Kirchenvater Origenes (187-253) galten Göttergeburtstage als heidnisch und verachtenswert. Außerdem glaubte man, dass Jesus irgendwann in Frühling geboren sei. Das Fest der unbesiegbaren Sonne verschmolz bei den Römern mit dem Fest des Mithras, einem Lichtgott, von dem es hieß, er sei am 25. Dezember von einer Jungfrau in der Höhle geboren worden
In den Evangelien gibt es keine genaue Zeitangaben über die Geburt Christi, abgesehen von der vagen Formulierung „als Quirinius Statthalter in Syrien war“. Erst im Jahr 217 nach Christi Geburt hat der damalige Papst Hippolytus den 25. Dezember als Festtag der Geburt Jesu festgelegt – also genau zu jener Jahreszeit, da in Rom das Saturnalien genannte Winterfest gefeiert wurde
Die Saturnalien waren ein ausgelassenes Faschingsfest, doch im römischen Vielvölkerreich, das das Hauptverbreitungsgebiet des frühen Christentums war, feierten auch noch andere Glaubensrichtungen zu dieser Zeit: etwa im Süden die Ägypter das Fest der Isis und der Geburt des Lichtgottes Horus, oder im Norden die Kelten und Germanen die Wintersonnenwende und damit die Wiedergeburt der Sonne – diese Feste wollte die damalige Kirche kanalisieren, indem sie die Geburt Jesu als Ankunft des wahren Lichtes deutete.
Schließlich setzte Papst Liberius im Jahr 354 n. u. Z. den 24. Dezember als den offiziellen Geburtstag des Heilands fest.
Und bevor wir uns nun den schönen Ritualen der Sonnenwende zuwenden, erinnern wir uns an ein schönes, altes deutsches Volkslied zur Mutternacht:
„Weißt du dass sich Sterne neigen in der heil’gen Mutternacht? Dass der Saft quillt in den Zweigen, nicht einmal die Steine schweigen, selbst das Eis im Strome kracht.
Weißt du, dass die Tiere flüstern, in der heil’gen Mutternacht? Dass im Wald die Tiere flüstern und in allen Erdgeschwistern eine neue Welt erwacht.
Also musst auch du dich neigen, in der heil’gen Mutternacht. Gott gibt sich auch dir zu eigen, lässt auch dir die Sonne steigen, hat auch dich und mich bedacht.“
(Thilo Scheller 1893-1979)
Wir wünschen euch eine wundervolle Sonnenwendfeier, und natürlich hoffen wir auf gutes Wetter. Mögen uns die Götter wohl gesonnen sein.
Heil und Segen!


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Quelle /Literaturverweise
Altes Wissen /Rituale im Jahreskreis
Wolf Dieter Storl Magie der Sonnenwende
Das Geheimnis der Mysterien Giebel Marion
Richardt William Bauer: Calender for aarene fra 601 til 2200 efter Christi fødsel. Dansk Historisk Fællesråd (Neuauflage 1993), Kopenhagen 1968,
• Raabe, Lis: Alte Weihnachtsbräuche aus deutschsprachigen Ländern. München 1984.
• Peters, Christiane: Schweden- Verwunschene Wälder, verzauberte Seen. Norderstedt 2008.
• Schmale, Kerstin: Sankt Martin, Nikolaus & Co. Mit Kindern Wintertage feiern und gestalten. Ostfildern 2003.